Eine Frau allein unterwegs - in einer solchen Situation darf sie weder zimperlich noch ängstlich noch wehrlos sein. Nelli ist ein solcher Mensch. Diese wichtigen Aspekte arbeitet Manfred Köhler nachvollziehbar heraus, selbst als Nelli in Gefahr gerät und trotz so mancher Fluchtmöglichkeit doch nicht die Chance zur Rettung ergreift. Glaubwürdig soll das sein, wenn jemand die Gefahr sieht, in der er sich befindet, und trotzdem nicht das Vernünftigste macht, nämlich den Rückzug? Überraschenderweise ja, zumindest bei Köhler. Der Leser kann Nellis Gedankengänge verfolgen und verstehen, wobei er längst nicht immer damit konform gehen muss. Handlungen in Extremsituationen sind manchmal von mehr geprägt als von kühlem Verstand, und das zu verdeutlichen ist in diesem Roman sichtlich gelungen.
Auch das Setting gefällt. Oben in den Bergen und fernab der Zivilisation, gerade in der heutigen Zeit, da man sich mit Telefon, Internet und Handy nirgendwo allein fühlen müsste, wirkt diese Situation bedrohlich und ausweglos; man fühlt und fiebert mit Nelli mit, die sich irgendwie zurechtfinden und vor allem zur Wehr setzen muss.
Der Showdown schließlich zeigt sich noch einmal von der spannenden und unterhaltsamen Seite. Ohne dramatische Knalleffekte und atemberaubende Wendungen, aber mit viel Gefühl für Glaubwürdigkeit lässt Köhler seinen Roman ausklingen.
Der reißerische Titel des Thrillers lässt Schlechtes erahnen, so dass man beim Lesen umso überraschter ist, aus welchem Stoff Manfred Köhler einen spannenden und interessanten Thriller aufbereitet. Ein gelungener Debütroman, der auf weitere gute Krimis in dieser Form aus der Feder des Autors hoffen lässt.