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Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte
 
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Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte [Gebundene Ausgabe]

Navid Kermani
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 335 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 1 (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406535240
  • ISBN-13: 978-3406535246
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Navid Kermani
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Gott ist schrecklich" - das neue Buch von Navid Kermani
In seinem neuen Buch macht uns der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani mit einer Frömmigkeit bekannt, die verstört und provoziert: Es ist die Frömmigkeit der Heiligen und Narren, die Gott so nahe sind, daß sie allen Respekt vor ihm verloren haben. Sie begehren auf gegen den grausamen Schöpfer einer Welt voller Leiden. Ihr Aufstand gegen Gott bringt Gläubige ins Wanken, läßt aber auch den Ungläubigen nicht unberührt. Wer dieses glänzend geschriebene Buch gelesen hat, wird anders denken als zuvor - über Gott und über die Welt.Das Buch der Leiden des klassischen persischen Dichters Attar ist die vielleicht schwärzeste Dichtung, die je von einem Menschen geschrieben worden ist. Radikal, alle Beschwichtigungen und Tröstungen vernichtend ist Attars Blick auf die Welt, aberwitzig sein Sarkasmus, grandios der Kosmos des Leidens, den er entwickelt. Kermani nimmt das Buch der Leiden zum Ausgangspunkt, um die Geschichte jener Religiosität zu erzählen, die Gott kennt und liebt, aber ihm zürnt: eine Gegen-Theologie, die lange vor Hiob einsetzt und mit Georg Büchner noch längst nicht zu Ende ist. Sie zieht sich durch viele Religionen, vor allem aber verbindet sie auf hintergründige, bislang nie aufgedeckte Weise das Judentum, den Islam und die europäische Moderne - das Alte Testament, den Sufismus und die deutsche Literatur, wo sie am dunkelsten ist. Navid Kermani zieht den Leser mit fast magischer Kraft in den Bann eines Glaubens jenseits der Rechtgläubigkeit. Die offene Ratlosigkeit, zu der sich diese häretische Frömmigkeit bekennt, dürfte der Welt, wie sie sich auch in unserer Zeit durch Krieg und Hunger, Erdbeben und Sturmflut zeigt, eher gemäß sein als die Antworten der Freitags- und Sonntagspredigten.

Über den Autor

Navid Kermani, geboren 1967, promovierter Islamwissenschaftler und Publizist, gilt als führender Iran-Experte in Deutschland und hat zwischen 1995 und 2000 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Entwicklung in Iran verfolgt. Für das Studienjahr 2000/2001 ist er an das Wissenschaftskolleg in Berlin berufen worden. 2010 wurde Navid Kermani mit der "Buber-Rosenzweig-Medaille 2011" ausgezeichnet und 2011 erhielt er den "Hannah-Arendt-Preis" für seine "lagerüberwindenden, religionswissenschaftlichen und politischen Analysen".

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Nevid Karmani: Die Idee vom "sündigen" Gott, 16. Februar 2006
Von 
Dr. Gerhard Volz (Erlangen, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte (Gebundene Ausgabe)
Ausgehend von einem prägenden Kindheitserlebnis - dem schrecklichen und entwürdigenden Sterbevorgang seiner - persischen - Großmutter, die in diesem letzten Lebensabschnitt zwar stumm war, aber an Gott - Allah - zu verzweifeln schien - stellt Karmani mit selten plastischer Dringlichkeit die - uralten Menscheitsfragen nach Gott: wenn es nur einen Gott gibt und dieser sowohl allmächtig wie gut ist - woher kommt dann das Böse auf der Welt? Ist Gott hierfür dann nicht verantwortlich zu machen, bzw., ist es nicht er selbst - und nicht der Mensch, der daran letztlich die Schuld trägt? In einer selten spannenden Übersicht stellt der Autor die unterschiedlichen Herangehensweisen und Deutungsversuche vor, die die orientalisch-abendländische Kultur gegenüber diesen Fragen im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei großen monotheistischen Religionen: zuerst der Islam - aus Sicht des - islamischen - Autors durchaus verständlich, doch werden auch ausführlich die jüdische alttestamentarische als auch die christliche Herangehensweise an dieses Problem behandelt. Aber auch die moderne, teils vom Atheismus geprägte, moderne Literatur kommt gebührend zu Wort. Dabei werden die zahlreichen gegenseitigen Verschränkungen und Verzahnungen deutlich, in der all diese Kulturkreise über die Jahrhunderte hinweg zueinander standen und bis heute noch stehen. Überraschend stellen sich dabei die Ähnlichkeiten der jeweils "orthodoxen" Fassungen dieser drei Religionen untereinander häufig als stärker ausgeprägt heraus als die zu ihrer jeweils mystischen Version - wie auch in gleicher Weise diese mystischen Versionen - die jüdischen Propheten und sonstigen "Gotteskritiker", die christlichen Eremiten und Märtyrer insbesondere des frühen Christentums sowie die tanzenden Derwische, Narren und Dichter des islamischen Sufismus - untereinander jeweils starke Ähnlichkeiten aufweisen - nicht zuletzt in der massiven Ablehnung als Ketzer, die sie von ihren orthodoxen Pendants regelmäßig erfahren haben.

Die beiden Hauptschwerpunkte der Betrachtung sind einerseits das Werk des frühislamischen Mystikers Attar und andererseits die Gotteskritik der - ursprünglichen - Hiobsgeschichte.

Eine Ebene tiefer als der abendländische Atheismus, der aus dem oben skizzierten Widerspruch zwischen Güte und Allmacht Gottes zu dem Ergebnis kommt: also gibt es ihn gar nicht, schlägt Karmani eine andere Auflösung vor: vielleicht, so sein Vorschlag, schuf Gott (Jhwe, Allah) den Menschen nicht primär deswegen, damit dieser ihn erkenne sondern umgekehrt: Vielleicht bestand der ursprüngliche Sinn der Schöpfung des Menschen durch Gott darin, daß Gott sich ein Gegenüber schaffen wollte, ein Objekt für seine Launen, aber auch für seine Gnade und seine Allmacht. So gesehen, ist es keineswegs ausgeschlossen, daß Gott gerade den Menschen besonders liebhat, der ihm zürnt, der ihn anschreit, der ihn beleidigt - da er sich hier am stärksten widerspiegelt bzw. von diesem die intensivste Resonanz erfährt.

Kurzum: eine höchst lesenswerte Präsentation gesamt-orientalisch-europäischer Geistesgeschichte auf höchstem Niveau, gleichzeitig eine tiefgreifende Aufbereitung zentraler religiöser Fragen, deren Lektüre man jedem Interessierten nur dringend empfehlen kann, und schließlich - indirekt - ein Plädoyer an alle drei Kulturen, sich gegenseitig zu respektieren - indirekt, weil es erfrischenderweise darauf verzichtet, dies auch nur an einer einzigen Stelle ausdrücklich auszusprechen!
Nur noch eine Warnung zum Schluß: dieses Buch ist (fast) alles, nur eines nicht: eine leichte Feierabendlektüre!

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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll und anregend, 30. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte (Gebundene Ausgabe)
Eine ausgesprochen anregende Lektüre, die sehr anempfohlen werden kann.

Im Zentrum des Buches steht zwar ein moslemischer Dichter, und der islamische Ansatz zur Rechtfertigung Gottes ist der Ausgangspunkt der Überlegungen. Das Buch ist aber keine islamtheoretische Abhandlung, sondern viel breiter angelegt. Es wendet sich an anspruchsvolle Leser, die an Literaturgeschichte, Philosophie und, ja, auch an Theologie ein tiefergehendes Interesse haben.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Das liegt nicht am Schreibstil. Ganz im Gegenteil. Kermani schreibt elegant und argumentativ bestechend. Überflüssiges wird weggelassen. Die Ausdrucksweise ist treffend, präzise und prägnant.

Das heißt aber auch, daß man jeden Satz aufmerksam lesen muß. So manches Mal muß man zweimal lesen (ich zumindest), über das Gelesene nachdenken und den Inhalt sacken lassen, bevor man umblättert.

Dieses Buch zu lesen fordert also Zeit und Muße.

Man sollte es sich vornehmen, wenn man entspannt und geistig offen genug ist, um sich mit der Materie zu befassen. Und die ist schwierig genug.

Es geht um die Frage der Theodizee.

Kermani geht von dem persischen Dichter Attar des 12. Jahrhunderts aus, der das menschliche Leiden mit großer Eindringlichkeit beschreibt und dabei der Frage nachgeht, wie Gott es zulassen kann, daß ein solches Leiden auf der Welt existiert.

Dabei läßt es Kermani aber nicht bewenden, sondern zieht als Zeugen jüdische, christliche und atheistische Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart von Maimonides über Leibniz und Heinrich Heine bis hin zu Erich Fromm und Hans Jonas hinzu, um nur ein paar herausragende zu nennen. Er zitiert ihre Schriften und stellt dabei aufschlußreiche Parallelen zu dem Moslem Attar im 12.Jahrhundert fest, die er argumentativ sehr schlüssig darlegt. Mich haben die Verweise dazu angeregt, mehr zu lesen. Vor allem Heinrich Heine, der mit dem wunderbaren Satz zitiert wird: "Gottlob, daß ich jetzt wieder einen Gott habe, da kann ich mir doch im Übermaße des Schmerzes einige fluchende Gotteslästerungen erlauben; dem Atheisten ist eine solche Labung nicht vergönnt".

Kermani stellt folgende Attribute Gottes fest: Güte, Allmacht und Erkennbarkeit. Dem Attribut Allmacht ist der besprochene Band gewidmet. Muß man seine Dissertation mit dem wunderbaren Titel "Gott ist schön" (die erheblich akademischer abgefaßt ist, als das besprochene Buch) so verstehen, daß sie dem Attribut, der Erkennbarkeit gilt? Dann dürfen wir auf den dritten Band dieser "Trilogie" gespannt sein, der die Frage der Güte Gottes aufnimmt. Sicherlich wird es eine ebenso anregende und weiterführende Lektüre sein, wie das Buch über Attar.
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