Aus der Amazon.de-Redaktion
Gleich nach seinem Erscheinen wurde Schotts Sammelsurium, eine Ansammlung nützlichen und nutzlosen, teils einfach auch peripheren Wissens, zum Mega-Seller. Was lag da näher, als noch einmal nachzulegen, um an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen? Entstanden ist der Band Schotts Sammelsurium Essen & Trinken, für den sich Autor Ben Schott hin und wieder aus seinem Erstling bedient. Aber selten. Und wenn, dann nur, um seine schon damals wichtigen Erkenntnisse neu aufbereitet oder erweitert zu präsentieren. Das meiste aber ist neu in dem Buch, das sich als Picknickkorb voller kulinarischer Beiläufigkeiten und unbeachteter Konversationshappen versteht. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. So ist Schotts Sammelsurium Essen & Trinken ein unverzichtbares Vademekum für alle geworden, die auf der nächsten Stehparty nicht übers Wetter, sondern übers Essen reden wollen. Und unentbehrlich für alle Schott-Fans ist es sowieso. -- Isa Gerck
Pressestimmen
"Druckfrisch - Neue Bücher mit Denis Scheck" ARD am 18.12.2005
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Schotts Sammelsurium Essen & Trinken von Ben Schott. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die tropische Durianfrucht (Durio zibethinus) erfreut sich der zweifelhaften Ehre, im gesamten öffentlichen Verkehrssystem Singapurs verboten zu sein - wie auch in einer Vielzahl von Hotels, bei einigen Fluggesellschaften und in öffentlichen Einrichtungen. Der einfache Grund dafür ist, dass die große, ovale, stachelige Frucht (duri ist das malayische Wort für "Stachel") in der Tat sehr schlecht riecht - worauf auch ihr deutscher Name "Stinkfrucht" unmissverständlich hinweist. Einige sind sogar der Meinung, das Aroma der Durian sei so überwältigend, dass es selbst nach dem Eindosen noch wahrzunehmen sei. So beschrieb der Meisterkoch Anthony Bourdain das Obst mit einem für ihn typischen bildhaften Vergleich: "Es roch, als habe man jemanden mit einem ganzen Rad Stilton-Käse im Arm begraben und erst ein paar Wochen später wieder ausgebuddelt." Es scheint allerdings, dass der Geschmack den Esser großzügig für den absonderlichen Geruch entschädigt. Noch einmal Bourdain: "Stellen Sie sich eine Mischung aus Camembert, Avocado, und geräuchertem Gouda vor ... Sie schmeckte überhaupt nicht, wie sie roch. Das Aroma war viel weniger penetrant und machte auf eine eigenartige Weise süchtig." Die Frucht wird auf vielerlei Arten zubereitet und gegessen: roh, als Speiseeis, als Gemüse, gebraten mit Zwiebeln, Salz und Essig, in Kokosfett geröstet, als Marmelade oder gezuckert als Süßigkeit. Eine Durian kann bis zu 2 kg wiegen, und da die Bäume oftmals eine Höhe von 30 m erreichen, können herabfallende Früchte eine tödliche Gefahr darstellen. So bemerkte schon Alfred Wallace im Jahr 1869:
Die Durian ist aber auch manchmal gefährlich. Wenn die Frucht zu reifen beginnt, so fällt sie täglich und faststündlich, und nicht selten hört man von Unglücksfällen bei Leuten, die unter den Bäumen gerade gingen oder arbeiteten. Wenn eine Durian bei ihrem Fall jemanden trifft, so verursacht sie eine furchtbare Wunde, die starken Stacheln reißen das Fleisch auf und der Schlag selbst ist sehr heftig; aber gerade darum stirbt man selten in Folge davon, weil die reichliche Blutung die Entzündung, die sonst Platz greifen könnte, hintanhält.
WIE MAN EINE KARAFFE REINIGT
Karaffe mit warmem Wasser ausspülen, zur Hälfte mit heißer Seifenlauge füllen und einen Teelöffel Waschsoda hinzufügen. Zeitungspapier in kleine Stücke reißen und ebenfalls hineingeben. Eine halbe Stunde stehen lassen, hin und wieder schütteln. Ausschütten und mit heißem Wasser auswaschen, ablaufen lassen, Glas außen klar wischen und zum Trocknen der Innenseite stehen lassen.
APHRODISIAKA UND ANTI-APHRODISIAKA
Seit Jahrhunderten schon suchen Männer und Frauen nach Aphrodisiaka und Anti-Aphrodisiaka, und hierfür wurden, wie John Davenport 1859 in seinem Essay Aphrodisiacs & Anti-Aphrodisiacs schrieb,
... die pflanzlichen, tierischen und mineralen Reiche ausgeplündert zum
Zwecke des Aufspürens von Arzneien, die geeignet sind, den Genitalapparat
zu stärken und ihn zum Handeln zu animieren.
Erwähnenswert sind Orchideen (orchis ist das griechische Wort für Hoden), Blaubeeren, Schneeglöckchen, Sellerie, Rebhuhnhirn (zu Pulver verdrückt und mit Rotwein geschluckt) und Trüffeln (die Georg IV so sehr schätzte, dass er seine Botschafter in Europa anwies, alle erstklassigen Exemplare per Staatsboten an die königliche Küche zu liefern). Meeresfrüchte sind auf der Hitliste der Aphrodisiaka prominent vertreten. Die Wirkung von Austern war schon zu Juvenals Zeiten berüchtigt, doch auch Hummer, Krebse, Seeigel und Tintenfisch haben ihre Fürsprecher. Augenscheinlich hatten die alten Römer eine besondere Leidenschaft für Liebestränke: Offen auf Roms Straßen verkauft wurden Mittelchen wie Froschbeine, getrocknetes Knochenmark und abgeschnittene Fingernägel. Auch Pilze standen, angeregt durch Martials Verse, hoch im Kurs:
Wenn beneidenswertes Alter löst den ehelichen Knoten,
dann ist der Genuss von Pilzen und mehr noch von Schalotten geboten.
Viele Menschen sind glühende Anhänger von Aphrodisiaka, was aber noch lange nicht bedeutet, dass jedermann sie gutheißt. Im 17. Jahrhundert war es bestimmten Mönchsorden verboten, Schokolade zu essen oder zu trinken, aus Furcht vor ihrer stimulierenden Wirkung. Ein altes venezianisches Gesetz (Cap. XIV: Dei maleficii et herbarie) erklärte die Gabe von Liebestränken zu einem schweren Verbrechen. Auch wenn man den Eindruck haben könnte, dass alles und jedes irgendwann einmal als Aphrodisiakum eingestuft worden sei, gibt es doch eine Anzahl von Mitteln, die "wirkungsvoll zur Anwendung gebracht werden können, um eine allzu heftige Neigung zur Fleischeslust zu mäßigen oder doch wenigstens in Schach zu halten". Kopfsalat, Gurken, Endivien, Zitronen, Sauerampfer, Kampfer und Milch wurden aufgrund ihrer abkühlenden Eigenschaften als Anti-Aphrodisiaka angesehen. Falls sie sich als wirkungslos erwiesen, rieten sowohl Platon als auch Aristoteles, man solle barfuß gehen, um die fleischlichen Gelüste im Zaum zu halten. John Davenport empfiehlt das Studium der Mathematik ("zu allen Zeiten zeigten Mathematiker eine geringe Neigung zur Liebe") und verweist auf etwas, das selbstverständlich erscheint, nämlich dass Lepra eine antiaphrodisische Wirkung hat.