Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Reiseführer zu schreiben, eine weit verbreitete bewährte und eine schwierige. Die bewährte Methode beginnt mit Geschichte, Erdkunde, Festen und Feiern, ehe das Land Ort für Ort abgehakt wird. Die andere, höchst komplexere Methode, die öfter misslingt als gelingt, verzichtet auf jede Einleitung sondern versucht, reisend und kommentierend das Panorama des Reisegebietes wie ein sich ständig vervollständigendes Puzzle zu entwickeln, so das der Leser das Land erst dann richtig kennen wird, wenn er dem Autor getreulich durch alle Regionen gefolgt ist. Peter Sager wählt den zweiten Weg, und um es gleich zusagen: es ist der Königsweg durch Schottland daraus geworden- für Anfänger wie fortgeschrittene gleichermaßen geeignet. Auf dem Hintergrund geradezu enzyklopädischer Kenntnisse weiß der Autor bei jedem Hügel und jedem Stein, jedem See und jeder Burg die schottische Geschichte und Kultur zum Sprechen zu bringen. Man reist auf diese Weise in der Frosch- und Vogelperspektive gleichzeitig durch den hohen Norden Europas, eine Brechung, die das Buch zu einer faszinierenden Lektüre macht. Noch beeindruckender ist, dass es dem Autor gelingt, bei all der Vielzahl der Geschichten und Informationen, die er ausbreitet, niemals ins rein Lexikalische abzurutschen. Sein Stil ist immer geschliffen, manchmal fast literarisch, nirgendwo langweilig und immer im besten Sinne unerhaltend und belehrend zugleich. Möglicherweise der beste Schottlandführer auf dem deutschsprachigen Markt - nur die Schwarzweißabbildungen könnten etwas aktueller und brillanter sein.