Im Grunde kann ich mich der Einschätzung von Herrn Gruber anschließen. Sogar den mir in seinem Ausschließlichkeitsanspruch grundsätzlich unsympathischen Terminus "Referenzeinspielung" würde ich bei diesen Aufnahmen gelten lassen.
Es ist schwer zu fassen und zu beschreiben, welch einen Sog insbesondere die Interpretation des Ersten Violinkonzerts von David Oistrach und Dimitri Mitropoulos ausübt. Es war 1955 die erste amerikanische Aufnahme des Werkes. Wie dem ansprechend bebilderten Booklet mit einer kleinen Fotodokumentation der Aufnahmen - unglaublich, wie gelassen Oistrach in seiner gewohnt perfekten Musizierhaltung dieses brockenschwere Werk gespielt haben muss! - ferner zu entnehmen ist, waren Oistrachs Auftritte in den Staaten damals im Handumdrehen ausverkauft. Kein Wunder, die Intensität, mit der er das ihm gewidmete Konzert damals spielte, sein warmer, voller, dabei edler, nicht süßlicher Ton, die unglaubliche Spannung, sein Gespür für Bögen, Linien, gerade auch in der ausgedehnten Solopassage im unglaublichen dritten Passacaglia-Satz des Konzerts, das alles verschlägt einem auch heute noch die Sprache. Oistrachs Leistung kann man Dank einer guten Mono-Aufnahmetechnik mit breitem Frequenzspektrum und einer ordentlichen Räumlichkeit sehr gut einschätzen, Mitropoulos' Beitrag am Pult ein Quäntchen weniger, auch wenn die Orchesterstimmen noch einigermaßen gut aufgelöst sind. Das was man hört, reißt einen jedenfalls mit, Energie, Klarheit, auch hier das Bewusstsein um Entwicklungen und Steigerungen und die Vermeidung einer Glättung, Einebnung der Schärfen und Brüche dieses Werks.
Ein wenig mehr die Tendenz zum feinen Schliff hatte vielleicht Eugene Ormandy mit seinem Orchester aus Philadelphia vier Jahre später bei der amerikanischen Uraufführung des Ersten Violoncellokonzerts mit Mstislaw Rostropowitsch, dem Widmungsträger, die vor der amerikanischen Musikprominenz stattfand, besser: sich ereignete. Ein wenig jünger war Rostropowitschs Ton damals vielleicht schon noch, aber auch er überwältigt den Hörer geradezu mit seinem Volumen, seiner Wärme und seiner Energie. Man spürt die Hingabe, mit der er dieses Konzert interpretierte, einfach phantastisch. Die Tonqualität ist in dieser Stereo-Aufnahme kaum besser als in der kompilierten Mono-Einspielung des Violinkonzerts, es rauscht sogar etwas mehr, aber Fundament, Spektrum, Durchhörbarkeit und räumliche Auflösung reichen allemal aus, um dieses wahrhaftige Gipfeltreffen zu genießen.
Es gibt hervorragende Aufnahmen dieser Werke in erheblich besserer Tonqualität, ich denke beim Violinkonzert an
Daniel Hope, beim Violoncellokonzert an
Heinrich Schiff, beide von Schostakowitschs Sohn Maxim am Pult begleitet, und man könnte viele weitere nennen. Wer jedoch nicht nur eine ausgezeichnete Aufnahme, sondern ein Ereignis sucht, wird an dieser Einspielung hier wohl nicht vorbeikommen.