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Schoscha: Roman
 
 
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Schoscha: Roman [Taschenbuch]

Isaac Bashevis Singer , Ellen Otten
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423191406
  • ISBN-13: 978-3423191401
  • Originaltitel: Shosha (New York 1978)
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 606.752 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Mehr über den Autor

Isaac Bashevis Singer
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein romantisches Märchen auf einer Bühne für Zeitstücke.«
Hedwig Rohde, Stuttgarter Zeitung

»Der Roman spielt im Herzen von Singers epischer Welt und bietet sich insofern wie kaum ein zweites seiner Bücher als ›Einstieg‹ an … Das dominierende Gestaltungselement ist der Dialog, den er mit hinreißender Meisterschaft zu führen weiß.«
Albert von Schirnding, Stuttgarter Zeitung

Kurzbeschreibung

Warschau in den frühen dreißiger Jahren ist der Schauplatz dieser Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schriftsteller Tsutsik und Schoscha, der naiven, in ihrer irrealen Welt lebenden Gespielin aus den Tagen der Kindheit. Die Beziehung stößt auf Unverständnis, vor allem bei den Frauen, die Tsutsik für sich gewinnen wollen: Betty, die amerikanische Schauspielerin; Celia, eine ältere verheiratete Frau; Thekla, das Zimmermädchen vom Lande; Dora, die leidenschaftliche Kommunistin. Doch Schoschas wegen verzichtet Tsutsik sogar auf die Flucht in die Vereinigten Staaten, als Polen von Hitlers Blitzkrieg bedroht wird. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Eine schöne Liebesgeschichte - allemal richtig.

Mein ganz persönliches Leseerlebnis....

Der Roman erschien 1974 in New York unter dem Titel "Seelenreisen " und ich glaube, der Titel kommt viel eher hin als Schoscha - weil Schoscha nur eine von sechs zentralen Figuren des Romans darstellt - die sicherlich Bedeutendste zwar - aber auch die am schwersten zu verstehende - rätselhafteste - niemals ergründliche - aber eben nur eine von mehreren Frauen um Arel, oder mit Spitzname Tsutsik - so heißt der "Held" des Romans.

Tsutsik ist ein verarmter Sohn eines Rabbiners in Warschau, am Anfang des letzten Jahrhunderts geboren - ein gebildetes Schreibtalent dass von seinen Chassiden ( den frömmelnden Juden ) Abstand gewinnen will - sich selbst gerade mal so durchs Leben schlägt - ab und an mal einen Artikel an eine Zeitung verkaufte - seine Zeit in Literatencafes mit anderen verarmten Poeten verbrachte - über Faschismus - Kommunismus und Stalinismus sinnierte - das macht er ( Isaac Singer ) teilweise autobiografisch ( aber auch etwas unglaubwürdig für mich..) mit solch einer visionären Kraft, dass er die KZs, die Ausrottung in Polen - die Verdammnis des Kommunismus und alles das schon Mitte der 30er Jahre prophezeit - in einigen Passagen liefert Singer aber auch scharfe Munition warum Juden in Galizien oder in Warschau nicht gerade sehr beliebt sind - hätte Möllemann das gleiche geschrieben wäre der Aufschrei " Antisemitismus" recht groß, denke ich.

Singers Beschreibungen vom Ghetto in Warschau sind anfänglich ( 1900 bis 1930 ) wildromantisch - seine Kindheit, sein strenger Vater, seine Nachbarschaft, die Armut aber auch Bescheidenheit. Es kam, dass die Tochter seines Nachbarn, " Schoscha " sein liebster Spielkamerad wurde als er fünf Jahre alt war - sie wohnten Hof an Hof - und ein Besuch war jederzeit unauffällig. Als Schoscha mit ihren Eltern aber einige Häuser weiterzog brach die Beziehung jäh ab - als Sohn eines Rabbis war es nicht statthaft Mädchen zu besuchen.

Singer beschreibt das Aufwachsen in dieser Ghettowelt ähnlich wie z.B. Frank Mc Court in " Die Asche meiner Mutter " - sehr eindringlich, folkloristisch gefärbt - sehr plastisch und mit großer Wehmut.

Fast 80 Seiten lang liest man aber kein Wort von mehr Schoscha - es passieren alle möglichen Schriftstellergeschichtchen und recht komische, abgefahrene aber lose Frauenbeziehungen - dann aber - tritt eine Betty in Warschau in die Handlung - eine amerikanische Schauspielerin mit einem irrsinnig vermögenden alten Mann als " Sponsor und Lover " an der Seite ( er ist bald 70 ) - die beiden kommen zusammen und Bettys Mann bestellt ein Drama bei Tsutsik - bezahlt viel im Voraus - endlich ist Tsutsik ein richtiger Schreiber - kann gut leben - klar verführt ihn diese Betty auch, aber das nur nebenbei ......

Das Stück soll in jüdischem Milieu handeln und mehr aus Zufall oder Langeweile führt er Betty mal in sein altes jüdisches Viertel - hier wohne er mal und er trifft tatsächlich auf Schoscha - nach 20 Jahren ! Sie ist jetzt 26, sieht aber aus wie magere 14 - ist aufgrund einer mysteriösen Krankheit im Wachstum stark zurückgeblieben, körperlich wie geistig. Trotzdem aber sind die alten Funken aus der Kindheit sofort da - sie verabreden sich - und es beginnt die fünfte Frauenbeziehung von Tsutsik in diesem Roman - eine wahre Liebesbeziehung. Die zu verstehen ...nun ja...ist mir anfänglich nicht gelungen denn....

Mit Dora, einer glühenden Kommunistin hatte Tsutsik so sein nettes Ding - besuchte sie wöchentlich - sie landeten meist in der Kiste, aber Tsutsik wollte nie so weit gehen sie zu heiraten oder gar nach Russland zu emigrieren - ihr sehnlichster Wunsch...

Mit Cilia - einer wahrhaften Gönnerin der Kunst in Warschau und einem hohen Männerverschleiß hatte Tsutsik auch so sein Ding - spielte ab und an mal ihr Schosshündchen - ein recht banales aber angenehmes Verhältnis....nichts war verbindlich, sie immer gönnerhaft...

Mit Thekla - der bäurischen Dienstmagd seiner Wirtsleute war das schon etwas anderes - Theklas Verlobter war verschollen - ohne schlechtes Gewissen fielen die beiden ab und zu übereinander her - eine Dienstmagdverhältnis aber von ganz besonderer, liebevoller Natur - Thekla war kerngesund - gut gebaut - sie diente ihren Herrschaften leidenschaftlich gerne - Tsutsik fühlte sich für sie verantwortlich, fühlte etwas für sie - und Thekla schien ihn gar zu lieben...obwohl er vor allem intellektuell aus einer ganz anderen Welt war..

Und Betty ? - Nun ja - Eine verwöhnte aber meist depressive Schauspielerin - fast ein Star - etwas abgetakelt aber durch ihren reichen und gleichzeitig sehr toleranten älteren Freund ungeheuer machtvoll - Betty beschwor Tsutsik mehrfach ein legales Dreiecksverhältnis einzugehen - gar zu heiraten - auch nach USA auszuwandern - ihre Abhängigkeit von Tsutsik war sogar so groß, dass sie ein paralleles Verhältnis zu Schoscha geduldet hätte... Aber Tsutsik konnte zu all diesen Frauen in Hinsicht auf Heirat immer nur nein sagen - Schoscha, die rätselhafte hatte es ihm angetan...

Deswegen noch mal zu Schoscha - ihre Kindlichkeit im Gemüt - sie konnte weder lesen noch schreiben - und ihre Kindlichkeit im körperlichen Sinne weckten in Tsutsik, dem gebildeten Philosophen ganz merkwürdige, durchaus auch begierliche Gefühle ( fast päderastisch anmutend..) Befriedigenden Sex oder gar Kinder würde er nie mit ihr haben können, das wusste Tsutsik - Verständnis von irgendjemanden auch nicht - dennoch fühlte Tsutsik eine so starke Zuneigung dass er gar nicht anders konnte als ihr irgendwann seine Kindheitsversprechen zu wiederholen - sie zu heiraten. Schoscha wäre ohne ihre Mutter oder Tsutsik völlig lebensuntüchtig - in manchen depressiven Momenten wo Tsutsik gar an Selbstmord denkt, weiß er dass er Schoscha "mitnehmen " muss. Schoschas Mutter, die Tsutsik liebevoll monatelang mit jüdische/polnischen Gerichten bekocht hatte war im Paket sozusagen mit dabei - Tsutsik wollte der Verantwortung nicht entfliehen trotz aller anderen attraktiven Offerten und trotz aller Widrigkeiten....

Die Hochzeitsnacht war wohl eine wahre Metzelei - Schoscha hatte von nichts einen Schimmer - so manch einmal wurden sie im Hotel als Vater / Tochter Beziehung eingestuft. Erstaunlicherweise fand Schoscha bald gefallen am Eheleben - auch an der körperlichen Liebe - fing an sich besser zu pflegen, die Gespräche wurden weniger kindlich, fingen an sich um seine Arbeiten zu drehen...Schoscha fand Erfüllung in kleinen Hausarbeiten und im Warten auf Tsutsik.

Und das Ende des Romans ? Als Theklas verschollener Verlobter auftaucht - ziemlich gewalttätig seine Rechte einfordert, flieht Thekla und sucht bei Tsutsik Hilfe - ( Ja , der Tsutsik dieser Charmeur hatte tatsächlich sein altes Zimmer nie gekündigt, seine Schoscha glauben lassen, er schliefe im Verlag wenn er mal nächtens nicht auftauchte - er lebte eigentlich zwei bis drei Leben nebeneinander ohne je ein mieses Gewissen dabei zu haben..)

Das Ende ist dann aber doch sehr abrupt - er beschafft Thekla eine neue Dienststelle bei Celia - ( wie praktisch für ihn....jetzt wohnten zwei seiner "Freundinnen" unter einem Dache...) und möglicherweise würde er sogar Celias Angebot annehmen auch mit Schoscha dort hinzuziehen.. aber Platsch - der Roman ist zu Ende. Sehr frustrierend.

In einem 20 Seitenepilog beschreibt Singer eine Begegnung mit einem alten Warschauer Freund in Tel Aviv - 13 !! Jahre später - wir erfahren im Stenostil wer alles überlebt hat und wer nicht - Schoscha ist 1940 einfach gestorben aus Kraftlosigkeit , aus Kummer oder mangelnder Perspektive vielleicht bei der Bemühung sich mit Tsutsik ins russische Ausland abzusetzen ...

Für mich - zunächst ein völlig unbefriedigendes Ende. Noch Tage nachdem ich den Roman zu Ende hatte, wühlte es in mir und dann kam mir ein rettender Gedanke - kann sein dass ich damit richtig liege:

Die kleine kümmerliche Schoscha ist eine Metapher für Israel - und all die anderen attraktiven Frauen sind Metaphern für andere attraktive Ausländer wie Australien, England, USA, Frankreich oder Schweden - jetzt wurde mir auch klar, warum sich Tsutsik für Schoscha - also Israel entschieden hatte - trotz aller Widrigkeiten, trotz aller Warnungen von allen Seiten, trotz der Unfruchtbarkeit, trotz dieser schon äußerlich komisch anmutenden Paarung, hier und nur hier fühle er sich zu Hause, fühle er ein schier übermenschliches blindes Urvertrauen.

So gesehen, konnte ich dem Roman sehr viel abgewinnen....

Stefan Bohr

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