Wie schwer es ist, einen Ort für sich zu finden, an dem man sich geborgen, am Ende einer langen Wanderschaft fühlt, erfährt Carl Van Ness in Mendocino. Die Amerikaner nennen solche Entwurzelte, für die wir Deutsche nur Worte wie Herumtreiber, Landstreicher finden: Drifters. Sie werden fortgeweht, besitzen keine Haftung. Was bedeutet da schon ein Geschäft, bei dem er eine Ehefrau ermorden soll und gleichzeitig das Startgeld für ein neues Leben einstreicht. Van Ness ist nicht der einzige Drifter in diesem Roman und der Mord nur Anlaß, uns viele Schattierungen bizarrer Gestalten nahe zu bringen. Eine Burleske vom Hippiemädchen über den Drogendealer bis zu poetisch angehauchten Killern und dazwischen soll ein Normaler gesichtet worden sein. Sie alle verdanken es Dennis Johnson sie zusammengebracht zu haben. Dazu paßt das merkwürdige Wetter.
Eigentlich ist es heiß, Sommer, kein Tropfen Regen und doch hält sich dichter Nebel. Der hat in jedem Horrorfilm noch immer den Schrecken angekündigt. Daß es bei Johnson nicht zu einem billigen Zombietreffen kommt, vielmehr vom Leben Angeschlagene ein Auskommen suchen, gehört zu dem großen Vergnügen, mit dem man schon tot liest.
Ein dicker Roman, ein Roman des Angeknackstseins, in dem Van Ness genau das Zuhause findet, das er womöglich Zeitlebens gesucht hat. Nichts ist verwurzelt, aber da es alle nicht sind, läßt es sich einfacher ertragen.