Ich lerne im Moment mit diesem Buch Altgriechisch an einem Universitätskurs - oder auch nicht.
Eine Lektion in diesem Buch besteht aus einer Ladung Übungssätze, gegebenenfalls ein paar Hinweisen (Erklärungen möchte ich das nicht nennen) auf neue grammatische Phänomene in dieser Lektion und schließlich einer Liste mit neuen Vokabeln. Dadurch bietet das Buch im wesentlichen eines: Für einen Griechisch-Lehrer eine Orientierung, in welcher Reihenfolge er den grammatischen Stoff vermitteln soll und immer gleich dazu passende Übungssätze und eine Reihe von Vokabeln.
Das Buch wird abgerundet mit einem sehr guten Anhang, in dem tabellarisch Paradigmen, Formen usw. enthalten sind.
Was ich als Lernender jedoch sehr vermisse sind drei Dinge:
- Es gibt keinen Lösungsteil.
- Die Übungen bestehen nur aus vollständigen Sätzen. Es fehlen einzelne Übungen zu grammatischen Phänomenen, also z.B. Formbestimmungen.
- Und dementsprechend fehlen auch längere Texte zur Übersetzung, die mit der jeweils bereits bekannten Grammatik übersetzt werden können.
Das Fehlen grammatischer Erläuterungen macht den Kauf einer Grammatik oder eines ausführlicheren Lehrbuches unbedingt erforderlich. Wer es von modernen Lehrbüchern gewohnt ist, dass auch intensiv mit dem Layout gearbeitet wird, um z.B. wichtige Phänomene hervorzuheben usw., wird hier maßlos enttäuscht sein - schlichter geht es kaum. Zu verschmerzen ist auch, dass die alphabetische Vokabelliste nur Verweise auf die Lektionen enthält, in denen die Vokabeln zu finden sind, anstatt einer deutschen Übersetzung.
Die Vokabelmenge pro Lektion scheint mir sehr hoch zu sein, problematisch ist, dass durch das Fehlen einfacher Formbestimmungsübungen usw. die Vokabeln "sitzen" müssen, damit man sich beim Übersetzen auf die neue Grammatik konzentrieren kann und nicht dauernd Vokabeln nachschlagen muss. Die Lektionen beginnen auch zwar mit den Übungssätzen, aber für mich hat sich als empfehlenswert herausgestellt, dennoch erst die Grammatik nachzuschlagen, dann einen ersten Durchgang durch die neuen Vokabeln zu machen und mich dann erst an die Übersetzung zu wagen.
Aufgrund der Schwächen des Buches kann ich nur 2 Sterne vergeben. Immerhin muss man diesem Buch aber zugute halten, dass obwohl es aus dem Jahre 1951 stammt, die späteren Bearbeiter sich allen modernen pädagogischen und didaktischen Entwicklungen und Erkenntnissen widersetzt haben und diesem, ja, ich möchte fast sagen: diesem didaktischen Relikt die Treue halten und in den Vorworten wert darauf legen, nichts großartig verändert zu haben. So viel Loyalität muss respektiert werden.