Vorab: Ich beziehe mich im Folgenden nur auf den Film selbst, nicht auf die DVD.
In froher Erwartung ließ ich mich im Kinosessel nieder, als ich, mit 3D-Brille ausgestattet, die Sneak Preview im Kino besuchte. Dass überhaupt ein 3D-Film in der Sneak gezeigt wird, hätte mich schon früher stutzig machen müssen. Im Nachhinein wurde mir klar: Das war wohl reines Kalkül, denn das dürfte wohl der "erfolgreichste" Abend für den Film "Schock Labyrinth 3D" in diesem Kino gewesen sein...
Der Film lässt sich am besten beschreiben und bewerten, indem man die drei Bestandteile seines eigentlich vielversprechenden Titels einmal genauer unter die Lupe nimmt:
1.: "Schock"
Zugegeben, mich persönlich schockiert nicht unbedingt das, was manch andere, eventuell etwas schreckhaftere Personen schockiert. Stichwort: mehr oder weniger ausgeprägte Horrorfilm-Erfahrung. Nichtsdestotrotz gehören in einen Horrorfilm überhaupt IRGENDWELCHE Schockmomente, ganz gleich ob laut und offensichtlich oder eher subtil und bedrohlich. Und das gilt natürlich besonders für einen Film, der das Wort "Schock" sogar im Namen trägt. Egal, welche der beiden genannten "Schock-Arten" man auch sucht, "Schock Labyrinth 3D" hat keinen einzigen.
Der Film startet mit einer überlangen Phase gepflegter Langeweile, gepaart mit ausgedehnter Inhaltsleere, und endet auf gleiche Weise. Er ist gespickt mit "Dialogen", die in ihrer Sinnlosigkeit, Unbedeutsamkeit und Lachhaftigkeit kaum zu überbieten sind. Nach dem gefühlten 57. Mal "Wo ist Yoki?" und dem geschätzten 69. Mal "Was war das?" driftet der Streifen in die Lächerlichkeit ab und hindert sich selbst daran, irgendwelche Spannung aufzubauen. Diese Lächerlichkeit resultiert aber nicht nur aus den unterirdischen Dialogen, sondern auch aus der erschreckend hölzernen Schauspielerei der Laiendarsteller, deren Mimik und Gestik auch so manchen saalfüllenden Lacher verursacht haben. Wer war da nur für das Casting verantwortlich? Als i-Tüpfelchen sorgt dann auch noch die deutsche Synchronisation dafür, dass jede Spur von Glaubwürdigkeit verloren geht. Ich glaube, selbst die Synchronsprecher konnten nicht glauben, was für einen schlechten Film sie da eigentlich gerade synchronisierten.
Zur angeblich "schockierenden" Story: Ich weiß nicht mehr viel davon. Und das ist kein gutes Zeichen. Ein paar Menschen besuchen ein verlassenes Geisterhaus in einem Vergnügungspark und werden dort von ihrer ach so schrecklichen Vergangenheit eingeholt. Ein namentlich omnipräsentes Mädchen namens Yoki scheint eine große Rolle zu spielen (s.o.), und irgendwie verheddern sich die Protagonisten in etwas Zeitschleife- oder Zeitreise-mäßigem. Ok, ich habe mich nicht wirklich auf die konfuse Story eingelassen, aber das erscheint mir berechtigt angesichts der durchgängigen Langeweile und der schon erwähnten Lächerlichkeit des Films. Nachdem ein Kind zum x-ten Mal eine ebenfalls sehr omnipräsente Wendeltreppe hinuntergefallen ist, würde der Zuschauer am liebsten dasselbe tun, um sich diesem filmischen Machwerk zu entziehen. Die Story ist also sehr verwirrend und seltsam, was "Schock Labyrinth 3D" mit Sicherheit keinen Vorteil verschafft.
Zusammengefasst: Der Film enthält keinen einzigen wirklichen "Schock", dafür aber "schockierend" viel Langeweile und ist in meinen Augen definitiv NICHT als Horrorfilm einzustufen.
Punkt 1: Nicht erfüllt.
2.: "Labyrinth"
Nun ja, ich hatte mir unter einem Labyrinth irgendwie etwas anderes vorgestellt. Das nicht wirklich gruselige Geisterhaus im Vergnügungspark hat zwar so einige Gänge, Türen und Treppen, was daran aber ein Labyrinth sein soll, weiß ich nicht. Eventuell ist damit aber auch das zeitliche Labyrinth gemeint, in dem sich die Charaktere befinden und keinen Ausweg finden.
Wer aber ein Labyrinth im tatsächlichen Sinne erwartet, wird bitter enttäuscht werden.
Punkt 2: Nicht erfüllt.
3.: "3D"
Ja, es gibt 3D-Effekte! Das schon einmal vorweg. Diese sind sogar gar nicht mal so schlecht. Leider hat es den Produzenten aber wohl an Budget gemangelt, sodass sich die Qualität der 3D-Szenen sehen lassen kann, die Quantität der selbigen aber mal wieder zur Lächerlichkeit des Films beiträgt. So gibt es einen ominösen Plüschhasen, der zig Mal schwerelos vor der Kamera herumschwebt (soll wohl creepy wirken, kommt aber eher belustigend rüber), es regnet/schneit/"federt" dutzende Male in 3D, und die Hand, die in Richtung Zuschauer zu greifen scheint, ist auch eine Art running gag. Wie gesagt, die Effekte sind nicht schlecht, aber leider für den Film unnötig und auch einfach zu oft auf gleiche Weise eingesetzt.
Punkt 3: Teilweise erfüllt.
Resümee:
Der Trailer von "Schock Labyrinth 3D" ist ansprechend, aber was man dann im Film geboten bekommt, ist wirklich unterste Schublade. Ich verstehe einfach nicht, wie man heutzutage, bei den derzeitigen Horrorfilm-Standards, so etwas noch dem Publikum vorsetzen kann. Die Macher scheinen gedacht zu haben, dass ein ansprechender Titel in Kombination mit 3D-Technik die Kinogänger anlocken werden, doch schon nach den ersten Vorführungen wird sich schnell herumgesprochen haben, was für ein wirklich mieser Film dabei herausgekommen ist. Dies ist wohl eine Schattenseite des 3D-Booms.
Im vollbesetzen Kinosaal bei der Sneak Preview gab es Lacher am laufenden Band, zum einen wegen der unfreiwilligen Komik des Films, zum anderen vielleicht auch in Form von Galgenhumor. Dass nicht wenige Personen den Saal schon sehr früh verlassen haben, spricht für sich.
Mir tun die Leute leid, die sich den Film als normale Kinovorstellung angesehen und dafür viel Geld (3D-Zuschlag inkl.) ausgegeben haben. Man könnte das sogar eine Frechheit nennen. Den Machern jedenfalls sollte der wahrscheinlich schnell eingetretene Misserfolg von "Schock Labyrinth 3D" eine Lehre gewesen sein - hoffentlich.
Ich persönlich kann behaupten, mit "Schock Labyrinth 3D" eine neue Nr. 1 bekommen zu haben - auf meiner Liste der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe. Es gibt keine Schocks, kein Labyrinth und schon gar nicht einen Horrorfilm. Nur mit den passablen 3D-Effekten rechtfertige ich den einen Stern, den ich vergebe - und bedauere auch gerade irgendwie, Zeit für die Rezension eines solchen Filmes verschwendet zu haben.