Mit Begeisterung habe ich nach "Romantik" und "Cézanne" den dritten "Schnellkurs" von Heinz-Georg Held gelesen, eine mitreißende Darstellung des Expressionismus als Aufbruch in die Moderne.
Der äußerst wortgewandte Literatur-, Religions- und Kunstwissenschaftler Heinz-Georg Held, der an der Universität Pavia Deutsche Sprach- und Kulturwissenschaften lehrt, beschreibt in einem großen, fächerübergreifenden Wurf die Parameter für den Aufbruch der Moderne in Deutschland. Beginnend mit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg spannt sich der thematische Bogen über bildende und darstellende Kunst zu Literatur und Film. Umfassende Kenntnisse in den Bereichen Geschichte, Soziologie, Philosophie und Psychologie ermöglichen es Heinz-Georg Held, ein konkretes Bild des "Modernen Menschen" vor den beiden Weltkriegen in Deutschland zu entwerfen, wobei die Genese vieler Kunstwerke des Expressionismus vor den Augen des Lesers lebendig wird. In dem sorgfältig strukturierten, angenehm flüssig zu lesenden "Schnellkurs" gelingt es dem Autor, die Zusammenhänge in einer sehr komplexen Phase der Kunstgeschichte so zu formulieren, dass sie sich auch dem interessierten Laien verständlich und plausibel darstellen. Nicht zuletzt seien die kenntnisreich ausgewählten Illustrationen erwähnt: sie dokumentieren im Sinne des Expressionismus perfekt "die sichtbare Gestalt dessen, was menschliches Dasein in seiner Gesamtheit ausmacht" (S. 199).
Fazit: Ein überaus informatives, anregendes und wunderbar formuliertes Buch, das man wegen der hervorragenden Reproduktionen und des geschickten Layouts mit Freude lesen und verschenken kann!