Die vom amerikanischen Buchautor James Gleick unternommene „Zeitreise durch die Turbogesellschaft" (Untertitel) beeindruckt durch die kenntnisreiche Darstellung verschiedener Lebensbereiche, in denen Beschleunigungsentwicklungen feststellbar sind. Aus dem ökonomischen Bereich verweist er z.B. auf die Verkürzung von Produktionszyklen und auf die Just-in-Time-Produktion. Und mit dem Beispiel von kaufbaren Computerzeiten stützt er seine These, dass heute Zeit und nicht mehr Geld die Hauptrolle in der Wirtschaft spiele. Zudem vermittle jedes zeitsparende Gerät heute seinem Käufer ein hohes Prestige. Kritisch beurteilt Gleick die immer kürzeren Zulassungsfristen für Medikamente und die „Gute-Nacht-Geschichten für 1 Minute", und amüsiert verweist er auf das Coca-Cola-Unternehmen, das zu Beginn seiner Firmengeschichte sein koffeinhaltiges Getränk als Mittel gegen die „Langsamkeit des Denkens" anpries.
Der rasende Geschwindigkeitsanstieg hat nach Gleick unbestreitbar viele Vorteile mit sich gebracht, auch wenn es uns manchmal so vorkomme, „als würde die Information mit Lichtgeschwindigkeit an unseren Ohren vorbeizischen, zu schnell, um aufgenommen zu werden." (S. 93) Mögliche Nachteile langsamer Kommunikation verdeutlicht er an einem tragischen historischen Beispiel von zweitausend Menschen, die in der Schlacht von New Orleans sterben mussten, obwohl bereits 14 Tage zuvor der diesbezügliche Friedensvertrag in London unterzeichnet worden war.
James Gleick verzichtet weitgehend auf philosophische und politische Überlegungen zu den von ihm anschaulich und unterhaltsam beschriebenen Beschleunigungsprozessen. Seine Bilanzierung von Vor- und Nachteilen der Turbo-Gesellschaft fällt eher nüchtern aus; an eine Rückkehr zu einer romantisch verklärten Entschleunigungsgesellschaft glaubt er nicht: "Wenn wir nicht Masochisten sind oder Lemminge, müssten wir eigentlich etwas wissen, was wir uns nicht eingestehen. Wir mögen E-Mail. Wir mögen Vernetzung. An einer Kehrtwendung in Richtung des einfachen Lebens, an das wir uns in diesen rosigen, nostalgischen Farben erinnern, scheinen wir kein Interesse zu haben." (S. 98)
Insgesamt ist das Buch durchgängig unterhaltsam und gur verständlich geschrieben.