Nachdem mich der hübsche Einband schon seit Längerem neugierig machte, kaufte ich mir das Buch vor einer Weile tatsächlich, und ich wurde in keinster Weise enttäuscht!
Frances de Pontes Peebles beschreibt das eng mit einander verwobene Schicksal zweier gegensätzlicher Schwestern, von denen jede auf ihre eigene Art versucht, ihr Glück zu finden.
Im Brasilien der Zwanziger Jahre wachsen die Waisen Emilia und Luzia bei ihrer Tante Sofia auf, die ihnen zwar keinen großen materiellen Wohlstand bieten kann, ihnen aber das Schneiderhandwerk beibringt, damit sie ihren Lebensunterhalt später einmal selbst bestreiten können. Doch tolle Perspektiven bieten sich den beiden jungen Frauen nicht -- in ihrem kleinen Dorf im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco können sie entweder einen Bauernburschen heiraten oder Dienstmädchen werden. Emilia hat jede Menge Verehrer, die ihr aber allesamt zu unkultiviert sind. Nur der Nählehrer aus Sao Paulo, der die Bedienung neuen Singer-Nähmaschinen erklärt, lässt ihr Herz höher schlagen, und vielleicht nimmt er sie ja mit in die große Stadt ...?
Luzia dagegen sind solche Schwärmereien fremd, zumal die Folgen eines Unfalls in der Kindheit ihr jegliche Chancen auf eine Heirat genommen haben. Wer will schon einen Krüppel mit einem steifen Arm heiraten?
Als eine Bande Cangaceiros das kleine Dorf heimsucht, gerät das beschauliche Leben der beiden Schwestern in Aufruhr, und bald darauf werden sich ihre Wege für immer trennen.
Die Autorin schafft es, das Brasilien jener Zeit durch detaillierte und farbige Beschreibungen so lebendig werden zu lassen, dass man eine Zeitreise gemacht zu haben glaubt, wenn man das Buch nach gut 750 Seiten zuschlägt (vorher konnte ich es kaum aus der Hand legen). Besonders reizvoll ist dabei der Kontrast der beiden Milieus -- auf der einen Seite das elegante Stadtleben in Recife, auf der anderen der rauhe und unbarmherzige Überlebenskampf in der Caatinga, der Dornsavanne im Norosten Brasiliens. Die Figuren der beiden Schwestern sind wunderbar authentisch, man hofft, bangt, liebt und leidet mit ihnen, und nach der Lektüre bleiben sie noch lange lebendig.
Auch wenn der Roman hier und da ein wenig hätte gekürzt werden können, verdient er seine fünf Sterne voll und ganz, da die Story, die geschickte Konstruktion, die Figurenzeichnung und nicht zuletzt die wunderbar satte Sprache dieses kleine Manko mehr als aufwiegen. Unbedingt lesen!