Trotz seiner Länge hat mich dieses Buch fasziniert. Eyth schreibt keine Biographie des historischen Berblinger. Ihm geht es mehr um die Darstellung einer Epoche, nämlich vom Ende des alten deutschen Reiches mit seinen Reichsstädten, Zünften usw. und vom Anbruch des 19. Jahrhunderts mit seiner Industrialisierung, Fortschrittsgläubigkeit und mit seinem Nationalismus. Zugleich kreist das Buch um die Frage: worin liegt das Heil für die Menschen? In der Tradition, in der Technik, in der Macht, in der Befreiung oder in der Religion? Sympathisch ist, daß der Autor die Antwort offen läßt und man gefordert ist, sich eigene Gedanken zu machen. Die Stärke des Autors ist es, Situationen oder Orte mit wenigen Sätzen plastisch (und oft humorvoll) zu beschreiben. Die Personen gelingen ihm dagegen weniger gut; gerade die Hauptperson bleibt merkwürdig blaß. Aber das läßt der Vorstellungskraft des Lesers um so mehr Raum. Alles in allem: eine lohnende Lektüre, nicht nur für Schwaben. Man lernt eine wichtige Epoche sozusagen von unten kennen und wird zugleich mit Fragen konfrontiert, die heute noch aktuell sind.