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Produktinformation
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Egal, ob es Ansje, die Sandkastenliebe ist, ob sie Ria, Hebe, Frederica oder Julia heißen, immer ist Jouri zur Stelle, wenn klar ist, dass sein Freund bis über beide Ohren verknallt ist. Die Freundschaft der zwei, eine seltsame Sache, sind doch beide sehr verschieden. Jouri charmant, frech, „das Lächeln eines Engels“, freundlich, aufgeschlossen, sein Freund eher introvertiert, streng religiös erzogen, laut Aussagen der Mutter „ein schlimmes Bürschchen“ und gestraft mit einer „ungewöhnlichen Verdauung“: ‚den ganzen Tag furzt er wie ein Waldesel’. Aber dann, als Jouri nach Harvard geht, um Mathematik zu studieren, sieht sein Freund, der bezeichnenderweise Parasitologie studiert, seine Chance gekommen: „Jetzt geht’s los, dachte ich, jetzt bin ich endlich frei. Jetzt kann ich....ohne Aufpasser den Mädchen nachsteigen. Oh. Oh, die Hormone donnern durch meine Adern, ich möchte so gern vögeln“.
Es war ja eigentlich nicht anders zu erwarten: wieder so ein richtig schöner, liebenswerter, kluger Maarten’t Hart- Roman: psychologisch fein gestrickten, atmosphärisch dichten und sprachlich wunderbar warmherzig. Eine Geschichte, die an Herz und Seele gehende Momente wie Perlen aufreiht, Stimmungen heraufbeschwört und selbst Buchseiten zum Klingen bringt: die klassische Musik, die zuhause tabu war und als Sünde galt, ist es, die für den streng religiös erzogenen Erzähler zur Offenbarung wird. „Diese Musik spielt man im Himmel“, so empfindet er und erkennt, „dass sich in meiner Seele Kräfte verbargen, von denen ich bis dahin nichts gewusst hatte.“
Vieles, so die große Liebe zur klassischen Musik kommt einem sehr bekannt vor, überall fließt hier immer wieder ein Stückchen Autorenblut und ein Stückchen Biografisches ein. Auf den ersten Blick ist dies eine flüssige, harmonische und wie gegossene Geschichte, aber auf den zweiten Blick ist es eine Hommage an die klassische Musik, die nicht nach Religion fragt, die keine Kriege kennt. „Ein verdammt schönes Stück“ sagt der Erzähler immer wieder, wenn er bei Jouris Vater eine alte Schallplatte in dessen Werkstatt hört, variiert bleibt nur zu sagen: ein verdammt schöner Roman.
- Barbara Wegmann
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zu zynisch?,
Von Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Schneeflockenbaum: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sie versauen dich, deine Mutter und dein Vater.Vielleicht nicht mit Absicht, trotzdem tun sie es. Sie füllen dich an mit ihren eigenen Fehlern. Und geben noch welche obendrauf, nur für dich. Aber sie wurden selbst versaut. Von Narren in altmodischen Hüten und Mänteln, die die Hälfte der Zeit rührselig-streng waren und sich ansonsten gegenseitig an die Gurgel gingen. Der Mensch reicht das Elend weiter an den Menschen. Es ist abgründig wie ein Festlandsockel. Sieh zu, dass du da so bald wie möglich rauskommst, und krieg bloß keine Kinder. Eine Übersetzung des Gedichts von Philip Larkin, welches im Original übrigens etwas derber klingt (siehe Seite 373), findet man am Ende des vorliegenden Romans und es sagt auch viel über die Stimmung des Schneeflockenbaums aus. Bissiger Humor und eine Brise Bosheit würzt die Lebensweisheit, die von dem fiktiven Helden dieses Stückes präsentiert wird. Aber manch fröhlicher Lacher bleibt unversehens im Halse stecken und treue Leser vermissen wohl ab und an das bekannte Augenzwinkern des niederländischen Autors, mit dem er manch bitterer Pointe sonst oft die scharfe Spitze nahm. Ganz festgefahren scheint diese unverbrüchliche Bindung zwischen den beiden Männern, deren Freundschaft bereits im Kindergarten der 1950er Jahre begann, als der gescheite Jouri in den Sandkasten stieg und unserem Helden flugs die Freundin ausspannte. Ein Muster, welches sich künftig sehr häufig wiederholen sollte. Als die Mutter viele Jahre später und nachdem sie bereits zum zweiten Mal Witwe ist, mit ihrem Jungen über die Familie ins Gespräch kommt, macht diese sich mal wieder Gedanken, warum dieser ausgerechnet den völlig unpassenden Jouri zum besten Freund wählte. Der beste Zeitpunkt also für ein Resümee des Lebens und eben dieser Freundschaft, bei der geltende Tugenden wie Vertrauen und Ehrlichkeit auf den Kopf gestellt werden und die trotz allem weiterhin besteht. Dabei gibt es nicht nur das Geheimnis des Schneeflockenbaums... Am Ende des Romans fragt man sich vielleicht etwas irritiert, warum es dem etwas sperrigen, aber durchaus sympathischen Ich-Erzähler nicht gelingt, über seinen Schatten zu springen und sich positiver zu sehen. Selbst der Bewunderung seines besten Freundes scheint er nicht zu vertrauen. Der Schatten des mit Blähungen geplagten Jungen mit der strenggläubigen Mutter scheint ihm ewig anzuhängen. Auch seine Rivalität mit Jouri bezüglich des weiblichen Geschlechts scheint sich in einer Endlosschlaufe weiterzuführen. In den letzten beiden Kapiteln schafft es der Autor zwar noch einmal etwas Begeisterung zu wecken, indem er einige neue Erkenntnisse präsentiert, aber doch bleibt am Ende ein leicht melancholisches Gefühl zurück, welches fast den Eindruck hinterlässt, irgendwie enttäuscht worden zu sein. Die Frage ist nur: Enttäuscht vom Leben oder von dessen Interpretation durch Maarten`t Hart? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Schön erzählt aber Thema weniger begeisternd,
Rezension bezieht sich auf: Der Schneeflockenbaum: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die schöne, flüssige und lebendige Erzählweise haben Marten 't Hart und sein Übersetzer auch in diesem Roman wieder exzellent geschafft. Es ist wie mit einer köstlichen Süßspeise: man möchte einfach nicht aufhören. Ein paar eingewebte Eigenheiten des Autors gehören dabei einfach dazu - wie beispielsweise seine Verehrung klassischer Musik.Der Inhalt der Geschichte ist dagegen weniger begeisternd. Das Motiv vom besten Freund, der immer wieder Freundinnen ausspannt, wiederholt sich etwas ermüdend. In diese Rahmenhandlung werden vereinzelt einige Weisheiten eingebaut - zum Beispiel über Relegion und ob Kinder zu bekommen zu verantworten ist. Egal wie man zu den Themen steht, wirkt die Übermittlung dieser Weisheiten schwach und künstlich angeklebt. Mein Fazit: Fans von 't Hart sollten sich den Roman nicht entgehen lassen, jede Seite ist ein Genuss zu lesen. Wer frühere Werke von ihm noch nicht gelesen hat, sollte sich lieber zuerst mit diesen vergnügen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wieder ein Roman, den man in einem Rutsch durchliest und der einem viel Spaß macht.,
Rezension bezieht sich auf: Der Schneeflockenbaum: Roman (Gebundene Ausgabe)
Da ist er wieder - der große Erzähler der kleinen, engen, niederländischen Welt. Themen, Setting und Motive sind vertraut, auch die Protagonisten kommen einem bekannt vor.Hier treibt es t'Hart besonders weit mit der Distanz zum Erzählten - es wird erzählt, aber nicht kommentiert. Die Mutter des Erzählers darf bis zu ihrem Ende ihre fundamentalistischen Glaubenskuriositäten absondern, der Sohn hält den Mund und hört zu. Auch darf der Ich-Erzähler in diesem Roman mehrfach zum Ausdruck bringen, dass er es durchaus für besser hielte, er wäre nicht geboren worden und dass er sich deshalb auch nicht fortpflanzen werde. Das alles und viel mehr wird völlig ohne Larmoyanz dargestellt. Es ist eben, wie es ist. Man bemerkt wohltuend das Alter des großen Schriftstellers. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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