Viele Leser loben die schnörkellose, direkte Sprache Hemingways. Es heißt: "Hinter der scheinbar kunstlosen Sprache dieser Stories verdichtet sich erfahrenes Leben zur Wahrheit über Liebe und Tod". Ferner sagt man, daß hinter dieser geradlinigen Sprache trotzdem eine Poesie liegt, die sich mehr und mehr hervorhebt, je weiter man liest.
Lange, nachdem ich "Der alte Mann und das Meer" gelesen habe, nahm ich mir nun den vorliegenden Sammelband "Schnee auf dem Kilimandscharo" vor.
Und es stimmt: Die Geschichten sind klar, sie erzählen vom Leben, vom Tod und sie sind trotzdem poetisch. Mit am meisten beeindruckt hat mich die Titelgeschichte: Ein Mann, der sich in Afrika am Bein verletzt hat, liegt im Sterben; in seinen letzten Stunden blickt der Schriftsteller auf sein Leben zurück, spricht mit seiner Frau, die der Wahrheit nicht ins Auge sehen will. Oder gibt es doch noch Rettung? ... In mancher Geschichte klingt darüber hinaus so viel Melancholie mit, daß man unweigerlich an das selbst gewählte Lebensende von Ernest Hemingway denken muß.
Doch so ausgefeilt der Stil auch sein mag, so sehr wunderten mich die vielen Wortwiederholungen innerhalb aufeinanderfolgender Sätze ("hatte / war / sagte" ...). Ferner überzeugten mich insbesondere die sehr kurzen Geschichten inhaltlich nicht. Am Ende fragte ich mich hier, ob diese oder jene Geschichte eigentlich von Hemingway zu Ende geschrieben wurde oder ob es sich hier um Manuskript-Entwürfe handelt. Bei den längeren Kurzgeschichten wiederum erkennt man eher die in sich abgeschlossenen Handlungsstränge, was ich persönlich bereichernder finde.
Inhalt:
Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber
Die Hauptstadt der Welt
Schnee auf dem Kilimandscharo
Alter Mann an der Brücke
Oben in Michigan
Auf dem Quai in Smyrna
Alles in allem ein schöner Einstieg, um Hemingways Kunst kennenzulernen. "Kilima-ndscharo" auf dem Cover ist übrigens kein Trennungsfehler des Rowohlt-Verlages (rororo), sondern eher der alten Rechtschreibung zuzuordnen; heutzutage stünde dort "Kilimand-scharo".