1952 nahm sich die 20th-Century-Fox die 30-seitige Hemingway-Story "Schnee am Kilimandscharo" vor und machte daraus einen knapp zweistündigen Film. Dieses leichte Missverhältnis deutet schon darauf hin, dass der Drehbuchautor Casey Robinson einige Phantasie darauf verwenden muste, die karge Geschichte eines im Sterben liegenden Schriftstellers, der sich im Fieber an verpasste Chancen erinnert, sich mit seiner (namenlosen) Frau streitet und stirbt, massentauglich aufzuarbeiten. Während sich die Rahmenhandlung noch eng an die Vorlage hält, sind Harry Streets Erinnerungen Schmalz pur, die nur sehr entfernt oder gar nicht auf der Story beruhen: Er erscheint als ehrgeiziger Schriftsteller, der seine große Liebe Cynthia (Ava Gardner) schließlich nach Dutzenden Missverständnissen (davon lebten ja die großen Melodramen der 1950er) im Spanischen Bürgerkrieg verliert. Zwischendurch hat er eine Affäre mit der ungemein erotischen, aber kaltherzigen Liz (Hildegard Knef alias Hildegarde Neff), bis er schließlich bei Helen (Susan Hayward, die irgendwie überhaupt nicht zur trinkfesten Frau aus der Story passt) Trost findet. Natürlich basteln die Filmleute dem schönen Harry auch noch ein irgendwie überraschendes Happy End. Allein die Tatsache, dass die Kriegserinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg im Film im Spanischen Bürgerkrieg stattfinden, deutet darauf hin, dass hier der Erfolg der Hemingway-Verfilmung "Wem die Stunde schlägt" von 1943 wiederholt werden sollte. Der spielt aber in einer ganz anderen Liga. Gregory Peck bleibt sehr unter seinen Möglichkeiten. Als Hemingway-Macho, der seinen Weltschmerz bei Jagdausflügen in Afrika zu kurieren versucht, ist er für mich nicht unbedingt die Idealbesetzung. Aber er ist sehr schön! Ava Gardner ("Die barfüßige Gräfin"), die eigentliche Hauptperson, spielt die Rolle, die sie am besten kann: die Heldin, die aus Liebe (an zu viel Liebe?) stirbt. Knef und Hayward sind nicht mehr als attraktive Sidekicks.
Insgesamt hat dieser Film mit der Originalstory so viel zu tun wie eine überreife Nektarine mit einem knackigen Apfel. In der Regel bevorzuge ich einen süßsauren Elstar, aber auch dieser Zuckermatsch kann munden, wenn er denn in überragender Bildqualität zu überwältigen verstünde. Schöne Menschen, schöne Landschaften, überschaubare Konflikte, das taugt durchaus für zwei Stunden reuelose Unterhaltung. Aber, aber, "Hollywood Gold" ist leider dafür berüchtigt, Filme in billiger Aufmachung auf den Markt zu werfen. Einzelne Dropouts bringen mich durchaus nicht aus der Fassung, aber die Farben wirken so frisch, als habe ein Ignorant Buntwäsche mit Entfärber gewaschen (das DVD-Cover ist übrigens in Schwarz-Weiß, Zufall?). Überzeugend ist das nur in der Rahmenhandlung, in der der sterbenskranke Peck wirklich gräulich aussieht. In gesunderen Lebensphasen erscheint mir die Gesichtsfarbe eher unpassend. Dass Farb-Kamera und Farb-Ausstattung oscarnominiert waren, nehmen wir mal zur Kenntnis, der Film ist nicht der passende Beleg dafür. Untertitel fehlen sowieso. Dass dies eine "Limited Edition" ist, beruhigt mich. Vielleicht kommt mal eine überzeugendere Fassung auf den Markt, wenn diese endlich ausverkauft ist. Wo bleibt das Positive? Ach ja, der Ton in DD 2.0 ist durchaus in Ordnung, so dass die wunderbare Filmmusik von Bernard Herrmann gut zur Geltung kommt.