Der Autor hat Recht, Enthusiasmus, Entschlossenheit, Zuverlässigkeit und ein gusseiserner Magen bringen einem an einem Ort wie Neuguinea schon weit. Fähigkeiten als Bergsteiger vielleicht sogar auf den Gipfel des höchsten Berges der Carstensz Pyramid. Genau das plant der Autor 1960 mit 22 Jahren. Er initiiert eine Expedition, die ihn auch an den Fuß des Berges bringt. Er ist aber gezwungen umzukehren, nachdem ein Vorratsabwurf misslingt. Man muss wissen, dass Neu Guineas Hochland ein noch weitgehend unerschlossenes Gebiet ist. Daran hat sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert. Immer noch erfordert der Anmarsch zum Berg eine wochenlange Expedition, bei der man auf die einheimischen Stämme als Träger angewiesen ist. Der Autor befürchtet schon, dass andere ihm bei der Besteigung zuvorkommen. Doch dann erhält er überraschend eine Einladung von Heinrich Harrer, dem berühmten Tibetforscher und Bergsteiger. Der hat von seinem Besteigungsversuch gehört. Unglücklicherweise muss er zunächst absagen, weil er das Geld für die Teilnahme an der Expedition nicht aufbringen kann. Ein Freund setzt sich jedoch für ihn ein.
Doch aus anfänglicher Ehrfurcht vor der Legende Harrer wird bald im Verlauf der Expedition Enttäuschung und Verärgerung. Das Ziel, der Berggipfel wird erreicht, ein abgestürztes Flugzeug entdeckt, das geborgen werden soll, doch dann trennen sich die Wege. Der Autor berichtet über weitere Reiseunternehmen in Neu Guinea und das Zusammenleben mit den Einheimischen, zumeist Danis. Die Spannung bleibt dabei etwas auf der Strecke, zu ähnlich sind sich die Erfahrungen,die man heute noch bei den Reisen durch das Hochland Neu Guineas machen kann.
Der Autor hebt zu Recht die Charakteristiken der Bewohner positiv hervor. Alles andere würde jeden Berichterstatter unglaubwürdig machen. Sein Verhältnis zu seinen kleinwüchsigen Begleitern bleibt immer herzlich, wie er betont. Das spricht für ihn. Es machte mir viel Spaß, mit den Buben Knöchelschnalzen oder Hüpfsteinwerfen zu spielen, und ich hatte mit den jüngeren Männern so etwas wie eine verspielte Freundschaft, bei der wir uns gegenseitig auf den Arm nahmen." Die naive, kindliche Verspieltheit und den manchmal etwas derben Sinn für Humor kann wohl jeder bestätigen, der einmal mit den Danis zusammen war.
Die Befürchtung des Autors, dass man heute nicht mehr dieserart Erlebnisse in Neu Guinea haben kann wie er damals, teile ich nicht. Im Grunde hat sich nicht viel geändert. Die Berge sind immer noch unzugänglich, die Eingeborenen immer noch neugierig Schlangen von Buben und jungen Männern hockten zu beiden Seiten des Zelts und lugten herein, um zu sehen, was wir da machten. Jede Bewegung, jedes Kratzen der Nase oder Zucken mit den Augenbrauen wurde beobachtet." Und schon den Zeltaufbau verfolgen sie so fasziniert, dass sie nicht daran denken ihre Hilfe anzubieten.
Seine Erinnerungen an Harrer sind weniger gut. Er bezeichnet ihn als einen Mann, der schon in der Vergangenheit Menschen und Umstände zu seinem Vorteil ausgebeutet hatte." Eine Behauptung, die er wohl kaum beweisen kann. Harrer hätte nur seine Karriere fördern, sein Status als Berühmtheit wahren wollen.
Da Harrer einmal stürzt und der Autor ihn vor Schlimmerem bewahrt, sieht er sich als Lebensretter und empfindet es als unredlich, dass er von Harrer auch noch zur Kasse gebeten wird, um die Expedition zu finanzieren, obwohl Harrer auch noch die gefährlichen Alleingänge des Autors bei der Erkundung von Wegen für sich ausnutzen kann. Ich war wütend, fühlte mich aber völlig machtlos! Mit einem Gefühl tiefer Verachtung..." muss er auch noch vereinbarungsgemäß Harrer weitgehend die Rechte von Veröffentlichungen überlassen. Aber der Autor wähnt sich im Glück "die Danis am Wendepunkt einer Kultur und einer Umwelt aufzusuchen, die noch weithin unverdorben war."
Er meint dabei die westliche Unterwanderung. Was er vielleicht nicht weiß, ist, dass sich die Danis vor der Ankunft der Missionare dem Brauchtum des gegenseitigen Verfluchens, Mordens, Bestehlens mit großem Nachdruck hingegeben haben und dass Krieg und Krankheit ihr Tagesgeschäft waren. Wer es nicht glaubt, braucht sie nur zu fragen. Es gibt noch heute Zeitgenossen aus jener Zeit, die nicht allzu lange zurückliegt, da die Hochländer Neu Guineas erst in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts mit doch zivilisierteren Formen des Zusammenlebens bekannt gemacht worden sind.
Das Buch ist ein einfach geschriebener, nicht sehr anspruchsvoller Abenteuerreport. Man muss bedenken, dass er auf die Erlebnissen eines jungen Mannes basiert, die nicht immer gründlich reflektiert sind. Und Harrer hat die Geschichte wohl etwas anders erzählt.