Liest man die Texte von Alexandra Behrendt weiß man nicht, ob die Autorin nicht weiß wovon sie schreibt oder sich einfach nur nicht ausdrücken kann. An einigen Stellen wird deutlich, dass beides zutrifft. Nehmen wir als Beispiel den hübschen blauen Kasten Vorsicht Parasiten" auf Seite 8. Darin warnt Frau Behrens, dass Schnecken Parasiten von Planarien, Egeln oder deren Larvenformen übertragen können." Das wäre super! Parasiten die Egel und Planarien befallen - ganz gratis mit der Schnecke zusammen! Offenbar findet Frau Behrendt das aber schlecht. Sie gibt den Rat, dass Schnecken, die aus einem Gesellschaftsbecken stammen, zunächst sechs bis acht Wochen in Quarantäne gehalten werden. So stellen Sie sicher, dass eventuell vorhandene Parasiten abgestorben sind." Das geht natürlich nur, wenn in dem Quarantänebecken keine Planarien und Egel sind von denen die Parasiten zehren können. Egel und Planarien als Parasiten an Schnecken kann sie wohl kaum meinen, denn mit den Schnecken im Quarantänebecken haben die ja genug Futter und sterben nicht einfach so ab.
Die Aussage, dass eine Apfelschnecke mit ihrem Sipho Sauerstoff aus der Luft veratmen" (S. 8) oder einatmet und verarbeiten kann" (S. 20) ist schlichtweg falsch. Das Hämoglobin im Blut der Posthornschnecken dient zwar dazu Sauerstoff zu binden, aber das hilft der Schnecke in keiner Weise Trockenzeiten zu überbrücken (S. 10). Interessant ist auch, dass Schnecken ihr Blut laut Behrends nicht in der Niere, sondern im Herzbeutel filtern (S.14). Dass Schnecken häufig sowohl Kiemen als auch Lungen besitzen (S. 14) ist falsch. Sie haben entweder Kiemen oder eine Lungenhöhle. Lediglich die Apfelschnecken haben beides.
Da ist es zu verschmerzen, dass ständig davon gesprochen wird, dass Schnecken weiche oder harte Zähne haben und darum Pflanzen fressen können oder eben nicht. Die Zähne auf der Radula der Schnecken sind unterschiedlich groß und geformt. In der Härte unterscheiden sie sich nicht. Den Unterschied machen die Kiefer der Tiere, die unterschiedlich kräftig sind und sich nicht immer gut zum Abbeißen eignen. Merkwürdig ist, das die Autorin dass nicht weiß. Denn in dem Kurzporträt, das hinten im Buch zu finden ist, steht, dass sie sie sich seit langem mit Studien über die einzelnen Schneckenfamilien" beschäftigt. Es wäre vielleicht nicht schlecht auch mal was Allgemeines über die Anatomie von Schnecken zu lesen. Dann würde sie wissen, dass Vivipariden keinen Sipho besitzen und darum damit auch nicht ihren Geschlechtspartner finden können (S. 15). Sie besitzen allerdings ein Osphradium, ein chemosensorisches Organ in der Mantelhöhle.
Außerdem ist die Einteilung der Schnecken nach Aufgabenbereichen unsinnig. So landen zum Beispiel die Apfelschnecken in der Gruppe der Aasverwerter (S. 8). Das ist eine ziemlich ungünstige Einordnung, denn laut der Autorin ist eine Zusatzfütterung bei reinen Nutzschnecken nicht erforderlich (S. 7). Wer also kaum Aas im Aquarium hatte sollte sich lieber eine andere Schnecke zulegen. Liebhaberschnecken dürfen aber zum Glück auch gefüttert werden. Man muss sich aber bereits vor dem Kauf überlegen, welchen Zweck die Wasserschnecke erfüllen soll. Werden sie als Nutztier gehalten? Oder sollen sie in erster Linie als Augenweide im Becken dienen? In den meisten Fällen nämlich schließt das eine das andere aus" (S. 6). Das klingt als würden Schnecken, die Algen fressen, dadurch irgendwie hässlich.
Völlig unverständlich ist mir auch die deutsche und lateinische Namensgebung in diesem Buch. Hauptsächlich die Rennschnecken haben hier unter der Willkür der Autorin zu leiden. Während sie in der Einleitung noch angibt, dass sie in die Gattung Clithon und Neritina gehören, wird aus der Zebrarennschnecke im Artenteil Vittina turrita. Die ständig wiederkehrende Bezeichnung Napfschnecke" für die Neritiden ist und bleibt falsch.
Warum die Autorin die Apfelschnecken als Apfelschnecken und ihre Verwandtschaft" bezeichnet weis ich nicht. Wahrscheinlich weiß sie einfach nicht, dass auch Marisa eine Apfelschnecke ist. Das würde zumindest erklären warum sie im Artenteil den Sipho von Marisa cornuarietis als Besonderheit hervorhebt und angibt die Tiere würden Apfelschnecken fressen (nicht andere Apfelschnecken). Bei den Pomacea-Arten findet der Sipho aber keine Erwähnung. Insgesamt ist der Artenteil sehr enttäuschend.
Da wird der vorhandene Platz leider nicht genutzt um spezielle Kennzeichen der Arten für ihre Unterscheidung hervor zu heben, zum Beispiel bei den Arten aus der Gattung Pomacea. Dabei wäre es durch aus interessant die Rasenmäher" von den Nicht-Pflanzenfressenden unterscheiden zu können. Die Angaben sind auch nicht unbedingt richtig. Zum Beispiel kann P. canaliculata bereits nach zwei Monaten geschlechtsreif sein und nicht erst nach sechs (S. 21). Ich wüsste auch nicht, dass Turmdeckelschnecken atmosphärische Luft veratmen können (S. 24). Die Schnecken vermehren sich durch Parthenogenese, dabei entstehen aber keine Klone. Die Nachkommen sind genetisch nicht identisch mit dem Muttertier.
Die Unkenntnis der Autorin zeigt sich auch beim Thema Fütterung. Die Empfehlung Eiweiß zu füttern um den Kalkbedarf zu decken (S. 20, S.48) kann man kaum ernst nehmen. Eine dichte Schicht Wasserlinsen ist auch nicht ein absolutes Muss" für die erfolgreiche Aufzucht von jungen Apfelschnecken (S. 39). Die Angaben zur Geselligkeit von Schnecken sind schlicht lächerlich. Als ideale Kombination empfiehlt die Autorin zum Beispiel Gruppen von drei Weibchen und einem Männchen bei Apfelschnecken. Offenbar weil sie die Beanspruchung eines Weibchens durch Kopulationsversuche mehrerer Männchen für zu anstrengend hält. Leider verrät sie uns nicht, wie man die Geschlechter unterscheidet (S.8), so dass es dem Zufall überlassen bleibt ob man Männchen und Weibchen oder überhaupt Schnecken der gleichen Art bekommt.
Das Buch ist - obwohl es leider eines der wenigen zum dem Thema ist - als ziemlich überflüssig erwiesen. Es wird aber helfen, die von A. Behrendt verbreiteten falschen Artnamen zu zementieren. Es ist sein Geld nicht wert.