Wie die Sachsen nun einmal sind, frech und mit der Gusche immer vorne weg, so kommt der Leipziger STERN-Journalist Holger Witzel in seinem Buch rüber. Als jemand, der die politische Wende im Herbst '89 und die Zeit danach bewusst miterlebt hat, gebe ich ihm als Ossi in vielen Gefühls- Emotions- und vielleicht auch Sachfragen recht, aber ich frage mich wozu dieses Buch, jetzt und heute?
Die 30 hier gesammelten Kolumnen sind alle längst im Stern veröffentlicht worden, also was wollen der Autor und der Verlag jetzt und heute mit diesem frechen Stück Literatur? Ein noch immer gespaltenes Land nicht zusammenwachsen lassen? Den Ossis ein Buch in die Hand geben, in dem ihnen gesagt wird: Jawohl, so sind sie die Wessis?
Der Autor, der auch mal als "Spalter, Hetzer, Zonenlümmel." beschimpft wurde, will selbst keinesfalls in der Schublade für DDR-Nostalgie landen, er lässt ganz einfach mal Dampf ab, trifft dabei die Gefühlsebene vieler Ossis und falls das Büchlein auch von einem Wessi gekauft wird, trägt Witzel ja vielleicht sogar für ein besseres Verstehen der Deutschen bei, auch wenn viele diese Hoffnung bereits aufgegeben haben.
Es gibt keine gesellschaftlichen Themen vor denen Holger Witzel Respekt hätte. Egal ob es ums Kinder kriegen geht, um Wirtschaftsthemen oder um das Bild der Kanzlerin über seinem Schreibtisch, er nimmt alles aufs Korn. Vieles beschreibt er so humorvoll, dass man wirklich herzhaft darüber lachen kann, aber mir ist es zu billig, dieses Buch als Blödelbuch zu sehen.
Komik und Ernst sind Geschwister. Witzel zeigt Jahrzehnte nach dem Mauerfall wie weit wir noch voneinander entfernt sind und das kann kein Politiker wegdiskutieren!