Aus der Amazon.de-Redaktion
Drogen sind ein Riesengeschäft. Dass da die Regierungen mancher ärmeren Länder mit den Verbechern gemeinsame Sache machen, verblüfft wohl nur noch ganz naive Zeitgenossen. Dass aber auch die Führungen westlicher Staaten, die dem Drogenhandel den Krieg erklärt haben, in solche Machenschaften involviert sind, überrascht eher. Andererseits: Politiker sind keine Übermenschen und wo eine solche Menge Geld lockt, fallen moralische Schranken.
Aber nicht nur finanzielle Gewinne bewegen Politiker und Strafverfolger dazu, ein Auge zuzudrücken, oft ist es auch die Staatsräson. Jürgen Roth beschreibt ausführlich den Fall des Drogenhändlers Monzer Al Kassar, der wegen seiner guten Beziehungen im Nahen Osten von deutschen und französischen Behörden mit Glacéhandschuhen angefasst wurde, obwohl er laut Bundeskriminalamt "einer der gefährlichsten Männer der Welt" ist. So sind laut Roth "die großen Drogendeals Teil der Außen- und Sicherheitspolitik westlicher wie östlicher Staaten" geworden.
Die von Roth als "Drogenstaat" bezeichnete Türkei steht exemplarisch für das Dilemma westlicher Politiker: Man weiß um die unlauteren Geschäfte bestimmter Kreise, braucht das Land aber als politischen und militärischen Verbündeten. Hier zeigen sich die Grenzen politischer Leistungsfähigkeit, aber auch die Grenzen von Roths Buch. Der Autor kann für diesen Konflikt keine Lösung anbieten, er kann nur Sachverhalte aufzeigen.
Provozierende Erkenntnisse über Staaten rund um den Globus präsentiert Jürgen Roth hier. Was er Land für Land ausführlich darstellt, ähnelt sich letztlich jedoch sehr. Mögen zwar der Grad und die Beweggründe für die Kooperation mit Verbrechern unterschiedlich sein, so ist das Endergebnis immer dasselbe: die erschreckende Verquickung von Politik, Geschäft und Verbrechen. Und die Beweisführung seiner Aussagen bleibt -- typisch Enthüllungsjournalismus -- schwammig, denn allzu viel von seinen Quellen offenbart Roth nicht. --Joachim Hohwieler
Kurzbeschreibung
Weltweit führen Regierungen scheinbar einen unerbittlichen Kampf gegn Drogenkartelle. Doch warum steigt nach wie vor die Zahl der Drogenkonsumenten und -toten? Warum schlüpfen dennoch jährlich zig Tonnen Heroin, Kokain und Marihuana durch die vermeintlich dichten Netze der Fahnder? Ist der propagierte 'Kampf den Drogen' doch nicht so ernst gemeint? Wer hat wirklich seine schmutzigen Hände im Spiel? Jürgen Roth hat für dieses Buch in jahrelanger Arbeit unzählige interne Dokumente von Polizeibeamten, BKA-Verbindungsleuten und Berichte von Drogenfahndern gesichtet. Zudem hat er selbst in den USA, in Südamerika, in der Türkei, in Spanien und Deutschland recherchiert - und hat damit einen der größten Skandale der letzten Jahre aufgedeckt. Er bringt Beweise dafür, daß Nachrichtendienste, hohe Regierungsstellen und der Polizeiapparat mit den internationalen Drogenbossen gemeinsame Sache machen und dabei kräftig abkassieren.