"Erst in diesem Moment realisierte ich das ganze Ausmaß meines Problems. Meines katastrophal grandiosen Problems. Eine Leiche im Haus eines Kunden, in dem ich gestern aus lauter Doofheit vergessen hatte, die Tür zu schließen. Eine Leiche!" (Seite 105/106)
Mit einem Schlag gerät das Leben der Werbekauffrau Corinna Leyendecker, 31, total aus den Fugen. Aus heiterem Himmel wird sie von ihrem Agenturchef betriebsbedingt entlassen und sofort freigestellt.
Wenn es im Vorfeld Warnzeichen gegeben hat, so hat sie sie nicht erkannt. So muss es auch in ihrer Beziehung gelaufen sein, denn als sie nach der Kündigung überraschend früh nach Hause kommt, erwischt sie dort ihren Lebensgefährten Greg mit seiner Kollegin im Bett. Der faselt was von "Liebe auf den ersten Blick" und will, dass Corinna sofort auszieht. Doch so schnell geht das nicht, und so haust sie vorübergehend im ehemals gemeinsamen Arbeitszimmer, während Greg mit der Neuen die restliche Wohnung bewohnt.
Um aus dieser Situation herauszukommen und sich eine eigene Wohnung leisten zu können, braucht Corinna wieder einen Job. Wer in der Werbebranche arbeitet, weiß, was jetzt kommt: Mit 31 hat Corinna das Verfallsdatum bereits überschritten. Sie bekommt in ihrem Job keine Stelle mehr.
Mitten in einem Vorstellungsgespräch, das der potenzielle Vorgesetzte für ein ausgiebiges Telefonat zur Regelung seines Privatkrams unterbricht, hat Corinna einen Geistesblitz: Könnte sie nicht aus ihrem Organisationstalent anderweitig Kapital schlagen - mit einem Wohnungs-Rundumbetreuungsservice? Haben nicht schon ihre Agentur-Kolleginnen immer gespottet, ihr Lebensabschnittsgefährte genieße bei ihr "betreutes Wohnen"?
Ihrer punkigen Freundin und Ex-Kollegin, der Texterin Tabea "Troll" Trollinger, muss sie ihre Geschäftsidee erst erklären: "Ich will Menschen, die keine Zeit haben, sich um ihren Haushalt zu kümmern, genau das abnehmen. Das Kümmern." (Seite 48) Tabea bleibt skeptisch, bietet aber an, die Werbemaßnahmen für Corinnas Startup-Unternehmen zu konzipieren. Sie ist es auch, die auf den Firmennamen "Schmutzengel" kommt.
Die Schmutzengel legen los und erweisen sich bald als Erfolgskonzept. Die Erfolgsgeschichte mutiert jedoch zum Horrortrip, als Corinna, gesundheitlich schwer angeschlagen, eines Abends vergisst, bei einem Kunden die Tür zum Kühlhaus zu schließen. Am nächsten Tag fährt sie hin um das Versäumte nachzuholen. Es soll sich ja kein Unbefugter Zugang verschaffen können. Doch als sie dort ankommt, ist genau das bereits geschehen: Im Kühlhaus liegt die Leiche eines Obdachlosen! Wie soll sie das nur ihrem Auftraggeber erklären, ohne dass der gute Ruf der Schmutzengel zum Teufel geht? Am besten gar nicht. Die Leiche muss weg!
Corinna lädt also den Toten in den Kofferraum ihres Autos und macht sich vom Acker. Doch den Verstorbenen loszuwerden erweist sich ausgesprochen schwierig ... Gibt einen Ausweg aus dieser Situation? Wird Corinnas Leben jemals wieder in normalen Bahnen verlaufen?
Die Geschichte ist hochgradig gaga - und ausgesprochen amüsant, nicht nur für Leute aus der Werbebranche. Für die ist noch der eine oder andere Extra-Lacher drin, wenn sie branchentypische Marotten wiedererkennen - und vielleicht sogar einen Kollegen ...
Zum Kichern ist, wie die rüpelhafte Tabea das Speeddating aufmischt ... wie dieser theatralische Wurzelzwerg von Stilberater die Teilnehmerinnen mit seinem taktlosen Geschwätz fix und fertig macht ... wie hyperaktive Fernsehteams in die bodenständige Welt der Schmutzengel einbrechen ... und wie Lisbeth mit einem Universitätsprofessor über das Saubermachen philosophiert.
So abgedreht und unwahrscheinlich die Story auch ist, sie vermittelt doch eine Botschaft: "Mädels, verliert eure Wünsche und Träume nicht aus den Augen! Und lasst sie euch nicht von Mitmenschen ausreden, die sich auf eure Kosten ein bequemes Leben machen wollen!" Corinna lernt ihre Lektion zum Glück schon relativ früh im Leben. Aus dem ausgenutzten Hascherl wird peu a peu eine selbstbewusste Geschäftsfrau. Ihre Oma hat schon Recht, wenn sie schließlich feststellt: "Du siehst plötzlich so ... erwachsen aus." (Seite 276) Und das liegt nicht nur daran, dass Corinna die Ratschläge eines durchgeknallten Stilberaters umgesetzt hat. Da hat ein Reifeprozess stattgefunden.
Leserinnen mit einer Affinität zu Zahlen werden sich fragen, wie denn eine 57-jährige Oma eine 31-jähige Enkelin haben kann. Und einen Enkel, der zwischen 40 und 50 ist. (Erwähnt wird nur, dass Corinnas Bruder um so vieles älter ist als sie, dass er ihr Onkel sein könnte.) Corinnas Mutter wäre laut Buch 40. Das kann auch nicht sein. Entweder hat sich die Autorin verrechnet oder das Lektorat hat am Alter der Figuren so lange herumkorrigiert, bis gar nichts mehr zusammenpasste. Das ist für die Geschichte nicht weiter wichtig, aber Zahlenmenschen stören solche Ungereimtheiten.
Doch davon abgesehen: Die Geschäftsidee der Schmutzengel ist genial! Wenn sie nicht nur für Männer arbeiten würden - Frauen sind ihnen in Haushaltsdingen zu kritisch - würde ich sie glatt engagieren!