Wer die anderen Krabbeltierspiele von Drei Mager Spiele wie z.B. Kakerlakensalat, Kakerlakensuppe, Tarantel Tango oder Karkerlakenpoker kennt, der weiß das sich hinter diesen kleinen Spielen oftmals einfache, aber höchstspaßige Perlen verbergen. Genau dies ist auch bei Mogel Motte der Fall welches auf der Messe in Essen 2011 erschienen ist. Das oberste Credo dabei ist, das Schummeln ausdrücklich erlaubt ist - jedoch gilt es auch dabei sich an Regeln und an einen Ehrenkodex zu halten!
Der Spielablauf ist eigentlich sehr simpel. Ich als Spieler muss versuchen alle meine Handkarten loszuwerden. Bin ich an der Reihe muss ich eine Karte auf den Ablagestapel legen, wobei der Wert um eins höher oder niedriger sein darf als der der Karte die oben liegt (also auf eine 3 eine 2 oder 4 und auf eine 1 eine 2 oder 5). Soweit so einfach. Manche Karten haben Tiere aufgedruckt z.B. die Spinne. Spiele ich die Spinne aus darf ich eine meiner Handkarten an einen anderen Spieler verschenken. Spiele ich die Mücke aus müssen alle Spieler so schnell wie möglich mit der flachen Hand auf die Karte schlagen, wer zu langsam ist bekommt von jedem Spieler eine Karte geschenkt. Wird eine Kakerlake ausgespielt, versuchen ALLE Spieler eine Karte mit dem gleichen Wert auf den Stapel zu legen. Wer am schnellsten ist darf seine Karte auch wirklich liegen lassen. Bei der Ameise schließlich müssen alle Spieler eine Karte nehmen.
Okay, das klingt ja noch sehr banal. Was jedoch auffällt ist das fast alle Aktionen allen Spieler etwas Aufmerksamkeit abverlangen. Man ist in dem Moment meistens sehr auf die Aktion an sich konzentriert und genau an dieser Stelle kommt der Mogelfaktor ins Spiel. Während alle gleichzeitig auf die Mückenkarte schlagen kann ich ganz dezent einfach eine Karte aus meiner Hand fallen lassen - schwupps, weg ist sie und ich habe schon eine oder zwei Karten weniger. Dies ist ausdrücklich erlaubt. Ich kann Karten fallen lassen, hinter mich werfen, im Kragen verschwinden lassen, sie in meinen Ärmel schieben, sie hinter der Chipstüte verstecken - was auch immer mir kreatives einfällt um eine Karte loszuwerden - ich darf es tun. Selbst aufessen ist prinzipiell erlaubt, allerdings muss man abwägen ob man die Spielehersteller wirklich SO reich machen will.
Der Haken bei der Sache ist das ein Spieler die Wächterwanze zugeteilt bekommt. Dieser Spieler darf selbst nicht mogeln, vielmehr muss er aufpassen und versuchen die anderen Spieler beim Mogeln zu erwischen. Gelingt ihm dies, darf er dem erwischten Spieler eine Karte von seiner Hand schenken und außerdem wird dieser Spieler dann der neue Wächter. Der Wächter ist übrigens der einzige Spieler der die Mottenkarte auch offen auf den Auslagestapel spielen darf - alle anderen MÜSSEN diese Karte irgendwie anders verschwinden lassen - sie darf, außer vom Wächter - nie ausgespielt oder verschenkt werden, daher sollte man sich dieser Aufgabe früh widmen.
Es gilt natürlich ein gewisser Ehrenkodex. Man darf nie mehr als eine Karte auf einmal wegmogeln und in der Zeit in der der Wächter einen Spieler anklagt und man klärt ob zu recht oder zu unrecht darf keiner eine Karte wegmogeln. Das kann natürlich letztlich niemand überprüfen, aber selbst bei einem Mogelspiel sollte man ehrlich spielen ;)
Spielt man mehrere Durchgänge kann man Punkte zählen. Jede Zahlenkarte zählt dabei einen Minuspunkt, jede Aktionskarte fünf Minuspunkte und jede Mogel-Motte 10 Minuspunkte.
Meinung:
Beim Lesen der Rezension mag der Funke vielleicht nicht überspringen. Auch wenn man das Spiel erklärt geht einem der Witz oftmals ab. Spielt man es dann aber sieht es ganz anders aus. Nach einer Partie denkt man sich: "Okay alles verstanden, ab sofort wird natürlich jeder erwischt" - und dann spielt man und wundert sich wieso der Mitspieler so fix fertig ist und ist dann ganz verwundert wie er es doch wieder hinbekommen hat alle Karten loszuewrden. Daher ist eine aufmerksame Wächte-Wanze natürlich sehr hilfreich, aber das Spiel macht echt Spass und ist echt witzig.
Oftmals sind die Leute dann überrascht das das Spiel von zwei Kindern erfunden wurde - Emily und Lukas Brand sind die Kinder des Ehepaares Brand welches z.B. für Spiele wie Im Schutze der Burg, Das Haus der 1000 Spiegel, The Village uvm. mehr verantwortlich sind. Die Legende besagt das die beiden sich das Spiel selbst ausdachten als ihnen eines Abends langweilig war, wo auch durchaus ein wahrer Kern dran sein dürfte, ich gehe jedoch davon aus, das Mami und Papi beim Feinschliff dann doch noch etwas geholfen haben.
Aber davon ab ist das Spiel weit davon entfernt ein Kinderspiel zu sein, auch große sind aufgefordert Kreativ zu Schummeln und ihre Karten loszuwerden.
Mogel Motte ist somit immer wieder ein netter Absacker oder ein schönes Zwischendurchspiel, das bisher jeden mit dem ich es gespielt habe begeistert hat und dass das Potential hat ein ähnlicher Dauerbrenner wie Kakerlakensalat zu werden - ob das wirklich der Fall sein wird wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Ich werde berichten :)
Das Spiel ist von 3-5 Spielern spielbar und dauert ca. 25 Minuten, je nachdem wieviele Durchgänge man spielen will