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Der Schmetterlingsdefekt. Turbulenzen in der Chaostheorie
 
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Der Schmetterlingsdefekt. Turbulenzen in der Chaostheorie [Gebundene Ausgabe]

Marco Wehr
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm auslösen? Den "Schmetterlingseffekt" kennt mittlerweile jeder -- ganz gleich, ob er sich mit der Chaostheorie auskennt oder nicht. Und überhaupt ist diese Theorie zurzeit ausgesprochen populär -- ob es um das Wetter geht, um Denkprozesse oder um das Wachstum von Populationen. Doch ist sie wirklich die wissenschaftliche Sensation, als die sie gehandelt wird?

Dieser Frage ist der Wissenschaftler und Autor Marco Wehr nachgegangen. Und um es vorwegzunehmen: Er hält die Chaostheorie für alles andere als eine Sensation. Vielmehr ist sie weder experimentell ausreichend gestützt noch frei von gravierenden inneren Widersprüchen. Ganz zu schweigen davon, dass sie mit der Quantenmechanik unvereinbar ist.

Dieses Buch ist keine populärwissenschaftliche Darstellung einer Theorie, sondern pure Wissenschaftskritik. Der Autor nimmt die Grundlagen ins Visier, auf denen die Chaostheorie basiert. Dazu betrachtet er sowohl die mathematischen Grundlagen als auch die Entwicklung des Computers. Und er geht ausführlich darauf ein, wie wir Erkenntnisse über die Natur gewinnen: Welche Anforderungen müssen Experimente hinsichtlich des Messens und der Überprüfbarkeit erfüllen? Welche Probleme, Fehlerquellen, unzulässige Verallgemeinerungen sind auszuschalten, und wie macht man das?

Nach und nach wird deutlich, dass mathematische Beschreibung und physikalische Realität oft nur wenig gemeinsam haben. Und Computersimulationen sind weit weniger verlässlich, als man landläufig denkt. So sind ihre Ergebnisse sogar von der verwendeten Programmiersprache abhängig!

Die Chaostheorie schneidet in Bezug auf all diese Kriterien nicht gut ab. Ist sie demnach komplett unnütz? Nein, sagt Wehr. Es ist ihr gelungen, in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen strukturelle Ähnlichkeiten aufzudecken. Doch eine wissenschaftliche Sensation? Keineswegs.

Dieses kritische Werk ist verständlich geschrieben, und die Grundaussagen wird jeder interessierte Leser begreifen können. Allerdings sind viele Passagen (und nicht nur die, in denen Formeln eine große Rolle spielen) wohl nur für Leserinnen und Leser mit soliden mathematischen Kenntnissen nachzuvollziehen. Wer die Mühe nicht scheut, wird jedoch belohnt: mit tief greifenden Einsichten darüber, wie Wissenschaft funktioniert -- und wie sie gemacht wird. --Gabi Neumayer

Kurzbeschreibung

Der Schmetterlingseffekt und das fraktale Apfelmännchen sind allgegenwärtige Sinnbilder der Chaostheorie. Von den Medien wurden sie zu Ikonen einer neuen Weltsicht erhoben. Nach dem Siegeszug der Chaostheorie scheint nun plötzlich "alles chaotisch" zu sein. Aber stimmt das? Handelt es sich bei der Chaostheorie wirklich um eine wissenschaftliche Sensation oder um "eleganten Unsinn"? Marco Wehr, Physiker und Philosoph, zeigt, daß sich die Chaostheorie selbst "chaotisch" entfaltete. Nach kurzer Zeit war niemand mehr in der Lage, ihre rasante Entwicklung zu überblicken. Als Folge ergab sich ein "semantisches Sammelsurium" vager Begriffe und mehrdeutiger Definitionen. In der Chaostheorie werden teilweise unbedacht Erkenntnisse aus Physik, Biologie, Informationstheorie, Mathematik und Philosophie miteinander verschmolzen. Typisch für unsere Zeit wird eine solche "Großtheorie" dann zu einer weltanschaulichen Sensation mit universalen Geltungsanspruch aufgebauscht. Hier sind jedoch Zw eifel angebracht. Tief in ihrem Inneren verbergen sich Widersprüche, die kurzweilig aufgedeckt, scharfsinnig analysiert und witzig kommentiert werden. Dabei berührt Marco Wehr eine der geheimnisvollsten Fragen in den Wissenschaften: Die Bedeutung der Mathematik in der Physik. Eine mutige und längst überfällige "Wissenschaftskritik", ein Buch zum Umdenken.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der "Schmetterlingsdefekt" ist gut geschrieben, vermittelt interessante Einsichten über die gar nicht so voraussetzungslose Mathematik. Auch gefällt mir, wie Wehr zeigt, dass Autoren wie Nobert Bolz die Chaostheorie benutzen, um Nebel zu werfen. Und dennoch: Ich habe mir das Buch mit der Erwartung gekauft, mehr über die Grenzen der klassischen Chaostheorie (Briggs/Peat, Rössler, Peitgen etc.) zu erfahren. Hier kann ich dem Autor nicht so ganz folgen. Mir ist nicht klar geworden, wo die "versteckten Widersprüche" der Chaostheorie denn nun liegen sollen. Erst wieder gegen Ende bin ich geistig wieder eingestiegen, als Wehr eine lesenswerte "Ehrenrettung" für den Mathematiker Laplace unternimmt. Dass es "nur" drei Sterne geworden sind, liegt vielleicht an mir. Ich hätte dem Buch gerne mehr gegeben; aber wenn ich der zentralen Aussage des Buches nicht folgen kann, kann ich nicht mehr als drei Sterne vergeben. Dennoch: Wehr kann gut schreiben. Man wird sicher noch mehr von ihm lesen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Laplace
Nachdem ich dieses zugegeben nicht einfach zu lesende Buch ein zweites Mal zur Hand genommen habe, wird mir deutlich, wie weit der Autor seiner Zeit voraus war und wie dringlich die Lektüre gerade heute in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und der Klimadebatte ist. Das Buch ist zwar vordergründig eine berechtigte Kritik an der Chaostheorie. Entscheidend ist aber die exakte wissenschaftstheoretische Analyse im zweiten Teil des Buches, die sich mit den Fallstricken mathematischer Modellbildung auseinandersetzt. Wehr zeigt eindringlich, wie verführerisch und gefährlich es ist, von unzureichend validierten Simulationen auf die Wirklichkeit zu schließen. So werden alle Leser, die bei windigen wirtschaftlichen Prognosen und kühnen Klimavoraussagen ein flaues Gefühl im Magen bekommen, für Wehrs klare und fundierte Analyse dankbar sein. Der Autor entwickelt zudem einen "wissenschaftstheoretischen Werkzeugkasten" mit dessen Hilfe der Leser selbst in die Lage versetzt wird, tragfähige wissenschaftliche Modelle von bloßen Behauptungen und wilden Spekulationen zu unterscheiden. Zugegeben kostet es Konzentration und Ausdauer, dem Autor bei seinen Argumenten zu folgen. Aber die Mühe lohnt sich, da man endlich versteht, wie mathematische Modellbildung und deren numerische Simulationen funktionieren. Wären unsere Politiker mathematisch und philosophisch versierter, würde man Ihnen den "Schmetterlingsdefekt" als Pflichtlektüre empfehlen wollen, damit sie in die Lage versetzt werden, die neuesten wissenschaftlichen Moden richtig zu werten und so bei Bedarf die eine oder andere Steuermilliarde zu sparen.
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