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Schmerznovelle
 
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Schmerznovelle [Taschenbuch]

Helmut Krausser
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 4 (2. Mai 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499232146
  • ISBN-13: 978-3499232145
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 241.817 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Helmut Krausser
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Helmut Kraussers Arbeit an der Schmerznovelle wird durch zahlreiche Tagebucheinträge dokumentiert. Diese belegen, dass der Autor sich bereits im Dezember 1999 intensiv mit dem Werk beschäftigt hat: Die Notizen oszillieren zwischen totaler Verzweiflung ("Habe nachts in Sachen Schmerznovelle total versagt", 8.12.1999) und beinahe grenzenlosem Optimismus ("Die Schmerznovelle könnte dein bestes Buch werden. Das Allerbeste", 9.12.1999). Krausser, der sich längst jenseits der Popliteratur in der deutschen Literaturszene etabliert hat, bezeichnet die Schmerznovelle als einen "Mysterythriller auf dem Gebiet der Psychopathia Sexualis, erweitert um essayistische Elemente", bei dem seine eigentliche Intention die Beschreibung des "schmalen Grats zwischen Erotik und Pornografie" ist.

Weil sich die schmale Novelle rasch zu einem spannenden Krimi entwickelt, sei vom Plot nur wenig verraten: Der Protagonist und Erzähler -- Wissenschaftler und Psychiater -- besucht in einem mondänen österreichischen Badeort seinen einstigen Doktorvater, der ihm von einem besonders interessanten Fall, dem Ehepaar Palm, erzählt. Nach und nach erarbeitet er sich die obsessive Geschichte des Paares -- bis er feststellt: Johanna Maria Palm und ihr Mann sind eine Person.

Doch was ist so fesselnd an dieser traumatischen Persönlichkeitsspaltung, die dem Leser als eine sexuell aufgeladene Novelle präsentiert wird? Zunächst steht für den Erzähler das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund: Er ist Analytiker und -- wie vor ihm auch schon Max Frischs Homo Faber -- gewohnt, die "Dinge so zu sehen, wie sie sind", was sich in einer möglichst objektiven Erzählperspektive ausdrücken sollte. Jedoch: In dem Maße, in dem der Erzähler sich mit aufklärerischem Impetus dem Fall annimmt, desto mehr verfällt er der wahnsinnigen Aura der Johanna Maria Palm, ohne am Ende noch zu wissen, ob er sie als Heiland erlösen oder aber sich in den dunklen Abgründen ihrer Psyche verlieren will -- oder: ohne noch fähig zu sein, Wahn und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden und letztlich dazu beizutragen, den eigenen Verfall (als Protagonist und in der Folge als Erzähler) kontinuierlich voranzutreiben.

Wie bei Schnitzler in der Traumnovelle die Ehekrise, so dient hier die individuelle psychische Erkrankung der Protagonistin als Motor, das Verhältnis von faktischer und psychischer Wirklichkeit zu exemplifizieren. Und dies ist auf geradezu irritierende Weise gelungen. --Kristina Nenninger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Von tief drinnen

Helmut Kraussers «Schmerznovelle»

Wenn ein nicht mehr ganz junger Mann «die Erotik vierzigjähriger Frauen» entdeckt, ist Vorsicht geboten – umso mehr, wenn der Mann aus der Feder eines nicht mehr ganz jungen Schriftstellers namens Krausser stammt. Helmut Krausser, seit «Melodien» und «Thanatos» als Verfasser trivialmythosophischer Wälzer bekannt, hat sich in letzter Zeit eher der handlichen Form gewidmet. Nach «Der grosse Bergotzky» legt er nun erneut ein schmales Exempel seiner todestrunkenen und pornographischen Obsessionen vor. Die «Schmerznovelle» ist einmal mehr angesiedelt auf dem hauchdünnen Grat zwischen schwarzer Romantik und manieristischer Attitude, sie spielt im therapeutisch gestützten Milieu eines noblen Badeorts an einem bayrischen See, und Krausser hat sich auch diesmal den Topoi von Blut, Wahn und Tod sowie dem stets aktuellen Doppelgängermotiv verschrieben. Oder um mit dem Klappentext-Dichter und Filmregisseur Tom Tykwer zu sprechen: «Helmut Kraussers ‹Schmerznovelle› ist das beste Krimipornomelodram aller Zeiten.» Das ist, in Anbetracht dessen, dass diese aparte Gattung mit Kraussers Novelle wohl erst erfunden wurde, womöglich nicht einmal falsch.

«Jenseits alles jemals Gesehenen»

Der Kunststoff, aus dem seine Träume sind, ähnelt denn auch dem dämonisch-pompösen Dekor von Stanley Kubricks Verfilmung der schnitzlerschen «Traumnovelle»; und auch Tom Cruise wäre der Darstellung dieses Helden vermutlich gewachsen. Für die unerhörte Begebenheit, die das Genre vorschreibt, ist der Ich-Erzähler zumindest beruflich bestens gewappnet; als führender Spezialist für sexuelle Abweichungen mag ihm das von seinem Doktorvater lüstern annoncierte «Phänomen jenseits alles jemals Gesehenen» so unerhört darum nicht mehr scheinen; und auch das Wetter – «ein schwerer September lastete auf dem See» – spielt mit. Die Begebenheit heisst Johanna Maria Palm und befeuert («bis auf ein paar Krähenfüsse war ihr Gesicht faltenfrei, doch abgelebt, verschattet») die oben genannte erotische Irritation.

Ausgerüstet mit einer massiven Persönlichkeitsspaltung, hält sich Frau Palm mal für ihren verstorbenen Gatten, mal für sich selbst – wobei auch die Todesumstände des angeblich einer Selbstverbrennung erlegenen Künstlers Ralf Palm zunehmend ins Zwielicht geraten. Hat Johanna Maria den Mann, der sie im hauseigenen Hobbyraum in bizarre Gerätschaften zwang und darin den Honoratioren des Städtchens zur Verlustierung anbot, womöglich selbst um die Ecke gebracht? Und weshalb ereilt den «renommierten Psychiater» angesichts der Patientin in spe nicht bloss der unwiderstehliche Drang, ihr Schmerz zuzufügen, sondern sogleich eine existenzielle Krise, ja gar ein poetischer Schub? «Wie der letzte Schimmer einer untergehenden Sonne leuchtete die Frage tief in mich hinein: Wer bist du? Und warum bist du so?» Wohl weil es, und dies ist die mit allen Mitteln der Trivialpsychologie inszenierte und von «tief drinnen» gespeiste Trieblehre dieser Albtraumnovelle, mehr Dinge zwischen mahagoniverkleideten Partykellern und geschändeten Gräbern gibt, als die psychiatrische Schulweisheit sich träumen lässt. Schon als Johanna dem Arzt bei der ersten Begegnung die blosse Brust darreicht, pariert der Doktor in einer Weise, die fortan das Geschehen diktiert: «Ich antwortete nicht, verbeugte mich, gab ihren freigelegten Brüsten einen Kuss, empfahl mich, trat ins Freie. Verwirrt, verscheucht und wie im Traum.»

Zwar hat der Wunsch, von der Hand eines Weibes zu sterben, den Seelendoktor schon früher ereilt, doch wird der Impuls nun von jenen okkulten Kräften genährt, deren schauerromantische Herkunft das literarische Kapital sind, aus dem Krausser seine «entsetzlichen Bücher» schöpft. Die Lust, die sich dem Eros der Schmerzbereitung verschreibt, ist seit je das Spezialgebiet unseres bayrischen Thanatologen; mehr oder weniger sind seine Helden sämtlich «verdorben, geschult, der Grausamkeit nah». Der «Sex mit dem Engel, der einen seiner Flügel an uns abgibt» und meistens in einem Tötungsakt gipfelt, ist ein Motiv, das sich durch Kraussers mit Sachverstand und Gelehrsamkeit komponierte Bücher zieht; in diesem hat der Fachjargon der akademischen Uneigentlichkeit allerdings mehr als sonst seine unschönen Spuren gezeitigt. Wenn der Ich-Erzähler seine «Unsicherheit zu konservieren» versucht, weil sie «erregend war, wie jedes Symptom eines Phänomens, das vordergründig undurchschaubar scheint», mag das zwar von seiner zeitweiligen Verwirrung, nicht aber von seinem Stilwillen zeugen. Wie überhaupt die holzige Sprechzimmerprosa sich seiner «theomantischen» Reflexionen allzu häufig bemächtigt.

Hobbyraum-Porno

Ja, «wenige Glanzlichter genügen, um einem beliebigen Leben die Illusion einer parabolischen Signifikanz zu verleihen», doch gilt das nun einmal nicht für die parabolische Literatur. Man hüte sich freilich auch vor dem Umkehrschluss, nachdem dieser Hobbyraum-Porno Schlaglichter auf seinen Schöpfer wirft. Denn Kunst «entsteht aus so vielen, chronologisch oft weit auseinander liegenden Ursprungsfaktoren, samt deren immanenten Negierungen, Bearbeitungen, Synekdochen und Ironisierungen, dass aus ihr absolut nichts Privates abzulesen ist. Basta. Punktum.»

Das wollen wir, Freuds Theorie der Verneinung punktum beiseite lassend, für alle Beteiligten hoffen. Allemal aber gilt auch für dieses Buch: «Der Versuch, dem Ganzen eine komische Note zu verleihen, misslang.» Denn wenn am Schluss – «der durchstossene Hals, das Blubbern der klaffenden Wunde» – das «stossweise hervorprasselnde Blut» den Helden im Augenblick höchster Lust besudelt, ist auch dies «ein Moment erhabenster Grausamkeit». Doch wissen wir spätestens seit Schnitzlers «Traumnovelle», dass «die Wirklichkeit einer Nacht, ja dass nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet». Überdies ist die Vorliebe für die Erotik vierzigjähriger Frauen, wie der Doktorvater aus eigner Erfahrung versichern kann, ein vorübergehendes Phänomen. Der Geschmacklosigkeit aber ist kein Alter gesetzt. «Ein Buch, nach dem man sich fühlt wie nach einer langen Nacht des Fremdgehens: verschwitzt, schuldig, erregt, delirös, betrunken, hungrig, erschöpft», dichtet Tom Tykwert weiter. Da bleibt nur eins: duschen, essen, schlafen. Oder einfach ein anderes Buch lesen.

Andrea Köhler -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Als eingefleischter Krausser-Fan bin ich von dieser Novelle sehr enttäuscht. Irgendetwas, was mich aus seinen anderen Büchern immer angesprungen und begeistert hat, ist hier nicht (mehr?) vorhanden. Kein grosser Erzählbogen wie in 'Melodien', keine glaubwürdige und einen heftigen Sog entwickelnde Tragödie wie in 'Thanatos' bloss lieblose, kleine Einträge und 'sexuelle Aberrationen', die mich überhaupt nicht aufregen oder berühren. Dass die Einträge kleine Mosaiksteinchen sind ergibt am Ende noch kein schönes Mosaik, höchstens Fetzen. Ich weiss, dass Krausser das viel besser kann, aber gerade die Romane, in denen es um psychologische Studien geht ('Der grosse Bagarozy' 'Schmerznovelle') sind seine schwächsten Texte. Vielleicht liegt das daran, dass Krausser immer beschreibend am besten ist (eine Landschaft, ein Szenario, Menschen) aber unglaubwürdig und teilweise hanebüchen wird, wenn er erklärt und Theorien abgibt über Charaktere oder eben diese 'Aberrationen'. Ohne Theorien käme er eleganter hin und ihm würde bestimmt ein literarischer Bogen einfallen, der diese Theorien überbrückte (zum Beispiel das Motiv Musik oder griechische Mythen...). Krausser hat in der neuen deutschen Literatur die allerschönsten Bücher geschrieben und ich hoffe, dass er in diese Richtung zurückfindet.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schwarze Flügel 2. Mai 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Psychiater versucht, fragile Persönlichkeit zu heilen. Da er ein Mann ist und sie eine Frau und wir es hier mit Literatur zu tun haben, kommen beide nicht umhin, sich immer mehr ineinander zu verstricken. Gefangen in alten Mustern, zieht ihn vor allem an, was sie krank gemacht hat; sie tut alles, damit er sie noch kaputter macht. Die Kämpfe werden in halbdunklen, verhangenen Zimmern, düsteren Diskotheken und moderen Wohnungen ausgetragen -nicht immer sind beide liebenden Gegenspieler körperlich anwesend ... .
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein Spaziergang wird es nicht.
Eher eine Wanderung durch steiniges, unwegsames Gelände. Einem wunderschönen Ausblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Ein Picknick im Schatten der sexuellen Aberrationen und ein kalter, dunkler, ein furchteinflößender Heimweg.

Wieder einmal stellt Helmut Krausser sein uneingeschränktes Genie unter Beweis. Die Schmerznovelle ist fesselnd und abstoßend zugleich. Sie will gelesen werden und brennt sich in die Seele eines jeden Lesers.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
Die neuesten Kundenrezensionen
Danke
Den Artikel habe ich am nächsten Tag bekommen und er war wie neu!! Besser als das kann ich mir einen Einkauf bei Amazon nicht vorstellen. Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von client de mayence veröffentlicht
Interessant!
Zu erst einmal: Das ist kein Buch fuer Leute die auf Bluemchensex und langweilige Geschichten ohne Tiefe stehen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 25. Oktober 2006 von Lauri Lauren
Das beste Krimipornomelodram aller Zeiten
Wer sich als offener und vielseitig orientierter Leser versteht, schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor zunächst irritierenden Rezensionen und Aussagen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 15. Mai 2005 von Johannes Heger
tiefschwarz
es ist klar, warum diese hochpoetische Novelle die Leserschaft
polarisiert. Hier geht es um einen gefuehlsverschlossenen Arzt, der eine Patientin missbraucht, um mit ihrer... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 26. Oktober 2003 von carlos kazantzakis
Es geht immer noch eine Stufe höher.
Immer wenn man denkt, dass kann nicht sein Ernst sein, geht Krausser noch einen Schritt weiter.
Bis es weh tut!
Sonst wäre es ja keine Schmerznovelle. Lesen Sie weiter...
Am 5. Januar 2002 veröffentlicht
langweilig und nichtssagend
Der Autor agiert in einem luftleeren Raum. Wenn er überhaupt Position bezieht, dann diejenige einer subtilen Frauenverachtung, gespeist aus innerer Leere. Lesen Sie weiter...
Am 24. September 2001 veröffentlicht
krausser kanns besser
Als großer Fan von Kraussers Melodien und Thanatos hab ich mich sehr auf die Schmerznovelle gefreut, muß aber gestehen, daß ich diese Erzählung nur... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 25. Juni 2001 von Nina (chevall@gmx.de)
Flache Story
Wegen der recht guten Bewertung bei AMAZON habe ich dieses Buch gekauft - Entgegen anderen Rezensoren finde ich die Story an sich sehr flach und kann mich mit der sehr postiven... Lesen Sie weiter...
Am 14. Juni 2001 veröffentlicht
Die Geschichte eines Kontrollverlustes
Ein Psychiater, nicht nur nach eigenem Verständnis der in Deutschland führende Spezialist auf dem Gebiet sexueller Aberration, verliert die Distanz zu einem seiner... Lesen Sie weiter...
Am 7. Juni 2001 veröffentlicht
Mitreissende Novelle in glänzendem Stil
Von Helmut Krausser werden wir noch viel hören und lesen. Mit der Schmerznovelle hat er meines Erachtens die nächste Ebene seines Könnens erreicht. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Juni 2001 von slautenbacher@bea.de
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