Zunächst war ich lediglich des Titels wegen interessiert an Astrid Lingners Leidensbiographie. In „Schmerzen zerstörten mein Leben" erwartete ich die Lebensgeschichte einer Frau, die mir - geboren und erzogen in der DDR, verwurzelt und beruflich engagiert in einem intoleranten, menschenfeindlichen Gesellschaftssystem - fremder kaum sein konnte.
Zeile um Zeile offenbarte sich mir dann allerdings nachvollziehbar ein auswegloses Schmerzschicksal, das mich betroffen machte. Insbesondere entdeckte ich in zunehmendem Maße Übereinstimmungen zwischen der Autorin und mir, trotz vermeintlich trennender, unterschiedlichster Lebenswege. Aufgrund der sensiblen, ausdrucksstarken Schilderungen der Autorin wuchs nicht nur mein Mitgefühl bei jeder erneuten Schmerzattacke, sondern vor allem die starke Hoffnung, daß sich nach der „Wende" - dank westdeutscher High-Tech-Medizin - alles zum Guten wenden möge. Aufgrund dieser von mir intensiv empfundenen Erwartung steigerte sich die hoffnungsvolle Spannung mit jeder gelesenen Seite.
Fesselnd ist Astrid Lingners Biographie aber auch vor dem Hintergrund einer weder von Ost- noch von Westmedien verfälschten DDR-Darstellung. Niemals habe ich deutlicher die Empfindungen, Hoffnungen und Wünsche, aber auch die Enttäuschungen unserer ostdeutschen Mitbürger seit der Wiedervereinigung nachvollziehen können.
Darum aus mehreren Gründen fünf Sterne: Ein lesenswertes Schicksal!