Meiner Meinung nach hat die Autorin Astrid della Giustina diese Lady Ariana sehr feinsinnig dargestellt, mit allen ihren Fassetten. Sensibel und ohne Scheuklappen lässt sich die Autorin, die sicher genauso viel anerzogene Vorurteile wie wir hat, auf dieses Spiel ein und wir können uns hinter sie stellen, ihr über die Schulter schauen und uns notfalls auch verstecken. Selbst wenn peinlich berührt, sie schaut trotzdem hin in diese fremde Welt, die von den Teilnehmern ja eine ungeheure Menge Fantasie und Einfallsreichtum abfordert. Zudem sind die Szenen nicht vulgär, sondern ästhetisch beschrieben, mit wohl gewählten Worten, die - soweit es das Thema zulässt, ohne daran vorbei zuschreiben ' einen nicht die nötige Distanz verlieren lassen.
Okay, ich bin kein SMler, werde es auch nach diesem Buch bestimmt nicht werden, aber ich habe einen Einblick in eine Welt bekommen, der mir ohne dieses Buch verwehrt geblieben wäre. Sadomasochisten gleichzusetzen mit kranken und perversen Menschen, werde ich mir zukünftig verkneifen. Jeder unserer Freunde, Nachbarn oder Verwandten kann einer sein. Es sind gebildete, intelligente Menschen und Normalos, wie du und ich, die einen Tick haben ' wie du und ich ' nur anders. Wie weit der Grat zwischen uns und den SMlern ist, kann nur jeder selbst beurteilen, aber dass Macht und Machtspiele in unser aller Alltag, ob privat oder beruflich, ständig eine Rolle spielen, kann wohl keiner leugnen.
Ich habe jedenfalls in SchmerzLust still beobachten können, wie eine starke Frau ihre lange Entwicklung von der schüchternen Ehefrau zur sadistischen Domina offen und ehrlich mitteilt. Und ich habe gemerkt, dass sie, die mit Leib und Seele eine Sadistin ist, mir trotzdem sehr sympathisch ist. Sie hat genau dieselben kleinen und großen Probleme, wie jeder von uns, sie ist so herrlich humorvoll und menschlich, eine wahrlich mitfühlende Person, die ihren Tick umsichtig und nur mit Gewillten teilt.
Für mich ist dieses Buch ein Lehrbuch für Toleranz.