Würden die staatlich gefütterten und gehätschelten Kirchen tatsächlich zugrunde gehen, wenn ihnen der Geldhahn zugedreht würde? Nein, sagt Autor Leske, und auch das Gegenteil wäre dem Anwalt wohl auch ziemlich egal. Dieser fühlt sich zum Prediger gegen die Sonderstellung der Kirchen im wohligen Schoss des Staates berufen, und vermag für diesen Rauschmiss auch jede Menge überzeugende Gründe anzuführen: Trotz gesicherten Pfründen gelingt es den Establishment-Religionsgemeinschaften nicht, die Massenabwanderung ihrer Schäfchen aufzuhalten, im Gegensatz zu den USA, wo sich die Hirten auf die freiwilligen Spenden ihrer Gemeinde verlassen müssen und sich auf dem freien Markt prompt zu behaupten wissen. Wohlgemerkt - hier geht es nicht irgendwelchem religiösen Fanatismus, sondern den traditionellen gemässigten Kirchen an sich an den Kragen; weil sie sich hinter einem karitativen Auftrag verstecken, weil ihre Indoktrinationsarbeit nervt, weil sie eine selbstgebastelte Jenseitsangst in bare Münze umzusetzen wissen, weil sie jeden Sonntag brav zum Gebet ins Gotteshaus rufen, obwohl kaum noch eine Seele der Unterweisung folgt und sie keiner für den teuren Leerlauf zu rügen wagt.
In der Schweiz, wo in 18 von 26 Kantonen der Staat selbst juristischen Personen eine Kirchensteuer abzieht, egal welches Kalb ihre Eigentümer anbeten, ist der Zustand leider zur allgemein anerkannten Auffassung geworden. Nur im Kanton Genf sind seit 1907 Staat und Kirche vollständig getrennt, im übrigen Land erhielten sie den Segen des Stimmvolkes an der Urne; entsprechende Volksinitiativen scheiterten 1980 schweizweit mit 78% Nein--Stimmen bzw. im Kanton Zürich 1995 mit 66% Nein-Anteilen. Anzeichen von Besserung wären schon erreicht, wenn sich die subventionierten selbstgerechten Vertreter Gottes auf Erden mal endlich aus den politischen Debatten raushalten würden.
Bissig verfasst, aber leider vor allem bezüglich Zahlen hoffnungslos veraltet, bietet das Buch dennoch etwas Argumentationshilfen für ein Plädoyer für die Trennung von Kirche und Staat. Leider hat Leske, wohl mangels Interesse am eigentlichen Zweck der Glaubensgemeinschaften, den Gedanken nicht weitergesponnen, wie die Kirchen ohne staatliche Klingelbeutelstütze ihr Angebot wie alle anderen Privaten an der Nachfrage orientieren müssten, so wie sich auch die amerikanischen Gotteshäuser und die hiesigen Freikirchen einem Überbietungswettbewerb um die beste Predigt und das beste Kundenglück stellen müssen.