Nach einer Reihe Komödien mit ernstem Unterton wie
Harry außer sich,
Celebrity und
Sweet And Lowdown, kehrt Woody Allen mit dem seichten, aber bestechenden
Schmalspurganoven zu einer seiner stärksten Disziplinen, der Farce, zurück: Der sonnigste Film, der von Allen seit Jahren zu sehen war.
Mit einer 180 Grad Wendung kehrt Allen der Figur des jüdischen Intellektuellen den Rücken und spielt Ray, einen einfach gestrickten Ex-Ganoven, der nicht einmal einen Job als Tellerwäscher behalten kann und demzufolge ununterbrochen von seiner Frau Frenchy (Tracy Ullman) unterstützt werden muss. Als Ray ihr seinen Plan unterbreitet, zum Schein ein Geschäft neben einer Bank anzumieten, um einen Tunnel zu graben und den Tresor auszuräumen, ist Frenchy gelinde gesagt skeptisch. Ihre gesamten Ersparnisse in einen halbgaren, illegalen Plan zu investieren, erscheint ihr zu riskant. Erst recht, nachdem sie Rays drei dümmliche Partner kennen gelernt hat (Michael Rapaport, Jon Lovitz und Tony Darrow, allesamt ausgesprochen witzig) und erfährt, dass sie diejenige ist, die die Tarnung liefern soll, indem sie einen Plätzchen-Laden eröffnet. Dennoch steigt sie ein und das Vorhaben, schnell reich zu werden, gelingt im Handumdrehen. Zwar nicht auf die Art, wie sie es geplant hatten, aber plötzlich schwimmen alle Beteiligten im Geld und schlechten Geschmack.
Nach dieser Wende, liefern Allens zahlreiche farcehafte Kapriolen die Basis für die getrennten Wege, die Ray und Frenchy nun einschlagen. Sie entwickelt Ambitionen, an dem kulturellen Leben der Oberklasse teilzunehmen, während er nach wie vor Pizza vor dem Fernseher und Poker mit seinen Freunden bevorzugt. Also engagiert die unbedarfte Frenchy einen Kunsthändler (Hugh Grant), der aus ihr eine Lady machen soll, der aber in Wahrheit nur das Ziel verfolgt, Frenchy ihr Vermögen abzujagen. Unterdessen hat Ray Sehnsucht nach seinem früheren Leben und plant einen Raub in der High Society, wobei ihm Frenchys dümmliche Cousine (Elaine May, bei der Dummheit zur Kunstform gerät) behilflich sein soll.
Nach all den Jahren intellektueller Neurosen, ist es überaus erfrischend, endlich mal wieder einen unbekümmert lustigen Film von Woody Allen zu sehen. Auch Allen selbst wurde in der Rolle des halbgescheiten Schlitzohrs schmerzlich vermisst. Und mit Ullman hat er eine Hauptdarstellerin gefunden, die ihm Zeile für Zeile das Wasser reichen kann. Klugerweise widersteht sie der Versuchung, die Rolle der aufdringlichen Frenchy übertrieben darzustellen und liefert eine filigran ausgearbeitete Charakterisierung der Figur, die die Beziehung zwischen Frenchy und Ray, zum herzlichen Zentrum des Films macht. Man hatte beinahe vergessen, dass Allen so witzig und albern sein kann. Schön, dass dieser Teil von ihm auf die Leinwand zurück gekehrt ist. --Mark Engelhart