Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
56 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Diagnose: Hedonismus - Therapie: (Religiöse) Werte, 9. Januar 2006
Man kennt die 'zwei Gesichter' des Peter Hahne: Einerseits sehr professioneller Sprecher der "heute"-Nachrichten, der seine Meldungen ohne erkennbare Meinungsäußerung in Verbal- oder Körpersprache verliest; andererseits bekennender protestantischer Christ, dessen Meinungsstärke man wöchentlich in der Bild am Sonntag nachprüfen kann. In der vorliegenden kurzen Schrift (ca. 140 S. Kleinformat Großdruck) tritt nur letzteres in Erscheinung. Peter Hahne beklagt den Zustand unserer Gesellschaft. Er empfindet sie als labil und orientierungslos. Man traue sich aus Indifferenz und falsch verstandener Toleranz nicht mehr, Gutes gut und Schlechtes schlecht zu nennen. Weil dies so sei, werden positive Dinge und Entwicklungen nicht mehr verteidigt bzw. gefördert, Verirrungen werde freien Lauf gelassen. Mangels Maßstäben gehe die allgemeine Moral verloren. Die Eliten stellen in ihrem Handeln keine Vorbilder (mehr) dar. Aus Mangel an Orientierung ergehe man sich in einer Kultur oberflächlicher (Massen-)Unterhaltung und ironiegeladener Bespaßung. In der Beobachtung dieser Sachverhalte muss man dem Autor in erheblichem Maße recht geben. Tatsächlich kann man eine Reihe von Fehlentwicklungen kaum übersehen. Es findet eine langsame, aber stetige Entsolidarisierung statt, sei es durch eine Auflösung des Familien- und Nachbarschaftsverbandes oder durch die zunehmende Betonung der Selbstverwirklichung, der Eigenverantwortung und der Suche nach dem persönlichen (materiellen) Vorteil. Wenn man sich ansieht, was so im Fernsehen läuft, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen, kann einem schon schlecht werden. Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. Als Therapie schlägt Peter Hahne die Rückkehr zu traditionellen Werten vor, und zwar nicht zu irgendwelchen, sondern zu denen des kirchlichen Christentums, der konfessionell gebundenen Theologie, der Bibel. Doch er geht noch weiter: Er fordert nicht nur die Rückkehr zu den Werten, sondern auch die Rückkehr zum Glauben selbst. Und darin ist er kompromisslos. Er fordert zwar nicht ausdrücklich Missionierungskampagnen in Deutschland, aber das ist dann auch schon alles. Seiner Meinung nach ist ohne einen festen christlichen Glauben keine Orientierung in der Welt möglich - weder was die Moral, noch was die Lebensziele angeht. Diese Ansicht hat mich persönlich schon getroffen. Ich bin nicht religiös, habe also weder Gottglauben, noch Gottvertrauen oder Gottesliebe, glaube aber trotzdem für mich in Anspruch nehmen zu können, sozialkompatible Moralvorstellungen zu haben und mich im Leben zurechtfinden zu können. Aber für Peter Hahne ist das nicht möglich. "Es gibt keine Ethik ohne Religion." "Holt Gott zurück in die Politik - das heißt dann: Holt das Maß zurück. Den Maßstab, an dem sich alles messen lassen muss. Denn wenn Gott weichen muss und der Mensch an die erste Stelle tritt, sind Extremismus und Fanatismus die Folge." Da fragt man sich schon, ob nicht umgekehrt ein Schuh draus wird. Wenn der Glaube im Zweifel alles dominiert und der Mensch an die zweite Stelle tritt, führt nicht gerade das zu Extremismus und religiösem Wahn? Aber nein: "Der atheistische Fundamentalismus ist die größte Bedrohung unserer Gesellschaft" - "Christus oder Chaos". Es fällt auch auf, was Hahne nicht aufführt. Die Werte der Aufklärung, die säkular begründeten Freiheiten und Rechte der Menschen und der Bürger, auf der nicht nur unsere Verfassung gebaut ist, finden keine Erwähnung. Dieses Buch ist ganz klar eine Streitschrift, in weiten Teilen sogar eine Polemik, die den Boden einer nüchternen Analyse klar verlässt. Peter Hahne bringt seine tief sitzende Abneigung gegen die gesamte gesellschaftliche Entwicklung der letzten 40-50 Jahre zum Ausdruck, vor allen Dingen gegen die 68er-Bewegung. Bei der Begründung seiner Thesen nutzt Hahne gerne Binsenweisheiten sowie Zitate, die vom Wortlaut her gerade gut in den Text passen, deren Autoren mit der jeweiligen Verwendung jedoch häufig wohl kaum einverstanden wären. Warum habe ich für dieses Buch drei von fünf Sternen vergeben? Die Sterne sollen angeben, ob es sich lohnt, es zu lesen. Wenn man eine ausgewogene und logisch begründete Meinung zu einem gesellschaftlichen Thema wünscht, ist dieses Buch aus den geschilderten Gründen keine gute Investition. Doch man soll ja nicht nur das lesen, von dem man weiß, das es der eigenen Meinung nahekommt. Peter Hahne hat das, was er publiziert hat, sicherlich mit bestem Willen und in ehrlicher Sorge um unsere Gemeinschaft geschrieben. In diesem Sinne gibt das Buch eine gute Einsicht in das, was in praktizierend christlichen Kreisen gedacht und sicherlich von einem erheblichen Teil unserer Gesellschaft goutiert wird. In einer Demokratie muss es möglich sein, auch ein solches Buch zu schreiben - und man sollte es ernst nehmen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
44 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
In der Beobachtung oft treffend, insgesamt aber fragwürdig, 16. Mai 2005
Von Ein Kunde
Ein äußerst zwiespältiges Buch. Meine Haltung dazu ist letztlich doch ablehnend, auch wenn so einiges von dem, was Hahne schreibt, zutrifft. Ich fange mal mit dem Positiven an. In seiner Bestandsaufnahme der Spaßgesellschaft sind Hahnes Beobachtungen und Aussagen oft sehr treffend. Die Jagd nach Adrenalinkick, ständigem Lustgewinn und frustrationsfreier Sofortbefriedigung hat etwas ungemein krankes an sich. Die authentischen Gefühle, die ihrer Natur nach nicht nur angenehm sein können, werden ständig übertüncht durch Reize, Reize und noch stärkere Reize. Statt in ihrem Leben wirklich anzukommen, wollen viele Menschen ihrem Leben nur noch entfliehen. Die Gründe dafür liegen auch darin, daß die heutige Welt (wie Hahne richtig feststellt) von einem Verlust bzw. Bedeutungsverlust vieler gewachsener Strukturen gekennzeichnet ist. Es ist (fast) alles erlaubt, nichts durch Tradition und Überlieferung bestimmt, so manches grenzüberschreitend und global. Die Folge ist, daß der Einzelne heute einem hohen Maß von Orientierungslosigkeit ausgesetzt ist. Die Angst, die dadurch entsteht, ist unangenehm und muß durch "Spaß" beiseite geschoben und so unfühlbar gemacht werden.Soweit Hahne dies konstatiert, hat er Recht. Aber die Lösung, die er anbietet, kann so nicht der wahre Jakob sein. Es ist aus seiner christlichen Sicht zwar verständlich, daß er eine Rückbesinnung auf Gott und die Bibel vertritt. Meiner Meinung nach ist dies jedoch keine Antwort, die wirklich zu einer Lösung der Probleme unserer Zeit führt. Hahnes "Lösung" kommt darin zum Ausdruck, daß er alle verloren gegangenen alten Strukturen wieder aufgebaut sehen möchte, - insbesondere die Autorität von Kirche, Eltern und Lehrerschaft. Das ist eindeutig konservativ-reaktionär und nicht progressiv (wie Hahne behauptet). Sicher, nicht alles, wogegen die 68er angegangen sind, war schlecht. Das traditionell Gewachsene hat auch seine guten Seiten. Aber Hahne begreift nicht, daß es angesichts der barbarischen Dinge, die im christlich geprägten Deutschland während des Dritten Reiches Realität wurden, absolut notwendig war, alles zu hinterfragen, was nach dem Krieg so einfach weitergehen sollte. Die seit '68 verlorenen Strukturen sind Vergangenheit. Die Antwort auf die daraus resultierende Situation kann nicht in einer Restaurierung des Alten bestehen. Aus meiner Sicht kann die Lösung nur darin bestehen, daß wir endlich selbst aktiv werden, für unser Leben selbst die Verantwortung übernehmen und unsere Orientierung aus eigenen, selbst aufgebauten, neuen Strukturen schöpfen. Wir müssen uns selbst geben, was wir brauchen. Aber dafür müssen wir erst mal wahrnehmen, was wir wirklich brauchen und das bedeutet, sich um das von Hahne so sehr geschmähte Selbst zu kümmern. Hahnes Buch krankt daran, daß er vieles völlig undifferenziert hinwirft. Auch stimmen viele seiner Prämissen einfach nicht. Er will z.B. die Autorität von Eltern und Lehrern wiederherstellen, ohne ein differenzierendes Wort darüber zu verlieren, welche Art von Autorität er meint. Er hat recht, Eltern und Lehrer brauchen Autorität, aber nicht eine Autorität der Marke "Du tust jetzt gefälligst, was ich sage!" sondern eine, die Kinder als eigene Menschen respektiert und unterstützt und sie nicht, wie es früher üblich war, unterdrückt. Ein anderes Beispiel: "Selbst" heißt bei Hahne automatisch "grenzenloser Egoismus". Aber das ist ein sehr eingeengtes und vereinfachtes Verständnis. Wenn wir mit uns selbst wirklich verbunden wären und uns selbst geben könnten was wir brauchen, dann würde sich die zwanghafte Gier nach "Spaß" und Konsum erübrigen. Aber dem christlichen Menschenbild liegt es fern, den Menschen als seiner Natur nach zum Guten fähig anzusehen. Welch großes Mißtrauen in dieser Sicht auf den Menschen zum Ausdruck kommt und wie sehr dies zu Abneigung gegen sich selbst führen muß, ist Hahne nicht im entferntesten bewußt. Er scheint auch nicht die leiseste Ahnung zu haben, daß daraus ein hohes Maß an psychischem Geschwächtsein und die dies kompensierende Neigung resultiert, sich an eine äußere Autorität zu klammern (statt mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und auf die eigene Kraft zu vertrauen). Sein Leben ernst nehmen heißt für mich, sich seinen Bedürfnissen und Gefühlen zu stellen, anstatt vom Staat oder von Gott oder sonstwem zu erwarten, daß er das eigene Leben richten soll. Aber wenn man keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen hat, weil man sein Leben lang Karriere machen mußte, dann ist das natürlich schwierig. Ich möchte Hahne nichts unterstellen, aber die Tatsache, daß sein Buch vor Widersprüchen nur so strotzt, kann einen schon nachdenklich machen. Vieles wurde von anderen Rezensenten schon genannt, beispielsweise, daß er sich über das Wehklagen beklagt, aber selber das ganze Buch hindurch wehklagt! Ein anderes und mir besonders sauer aufstoßendes Beispiel ist das folgende. Auf Seite 70/71 schreibt Hahne im Hinblick auf Toleranz: "So kann ich um des anderen willen selbst Überzeugungen achten, die ich nicht teile." Nur um schon im übernächsten (!) Satz zu schreiben: "Und wenn ich's mit meinem Gegenüber gut meine (und das sollten wir ja als tolerante Menschen!), dann werde ich versuchen, sie ihm auszureden. Das nennt man Mission." Also, ich finde, das spricht für sich selbst. Soll das etwa die "Achtung" sein, nach der wir unser Leben ausrichten sollen?! Nein, wir müssen uns auf uns selbst und vor allem unsere wahren Gefühle und Bedürfnisse besinnen und aus diesem Kontakt zum eigenen Selbst heraus unsere Orientierung im Leben schöpfen. Als wirklich selbstbestimmte Menschen. Hinzuzufügen ist noch, daß das Buch aus Vorträgen entstand, die der Autor ohne festes Manuskript gehalten hat. Das mag die etwas unstrukturierte Aneinanderreihung von "Informationshäppchen" und die fehlende Differenzierung vieler Begriffe erklären. Aber nicht entschuldigen. Denn wenn man etwas zu so wesentlichen Fragen sagen will, dann sollte man das nicht oberflächlich und vereinfachend tun. Insgesamt hat Hahne zwar mit vielen Feststellungen zum Status Quo der Gesellschaft recht, zu den wahren Ursachen erfährt man jedoch so gut wie nichts. Vielleicht hält er das für nicht so wichtig, weil er ja vor allem seine gute Botschaft von Gott unters Volk bringen will. Wenn ihn die tieferen Ursachen nicht interessieren, dann soll er aber - bitte schön! - auch keine populistischen Bücher fabrizieren.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
85 von 120 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Schlagt sie alle ans Kreuz!, 20. Januar 2005
Von Ein Kunde
Da hat der permanent lächelnde Liebling aller Schwiegermütter aber eine wahrhaft christliche Protestschrift verfaßt. Seine Analyse der Dinge, die im Argen liegen ist zweifelsfrei richtig. Allerdings beschränken sich die Lösungsansätze, die der praktizierende Christ Hahne zu bieten hat auf billige Polemik jenseits von christlicher Nächstenliebe. Hahne schlägt sie alle ans Kreuz. Seine Feindbilder sind dabei klar umrissen: Es sind alle Nicht-Christen. Die nämlich sind ganz allein verantwortlich für den Werteverfall, das Wehklagen, das Angstmachen sowie die Kompromiß- und Spaßgesellschaft. Das Vokabular seiner stellenweise sehr durchschaubaren Hetze, beginnt dabei schon ab Seite 20 sich zu wiederholen. Moslem-Extremisten, Moslem-Terroristen, zwischendurch mal einen Seitenhieb auf Rot-Grün (denn schließlich möchte Hahne ja nicht einsilbig erscheinen) Eine Textstelle, die im Besonderen zu denken geben sollte und einmal mehr die wahren Absichten und die wahre Weltanschauung des Herrn Hahne zeigt, ist auf Seite 17 zu finden. Es geht um das Massaker eines Schülers am Erfurter Gutenberg Gymnasium: „... Die Suche nach Gründen erwies sich als schwierig. ... Die Schule war ein Elitegymnasium, der Junge ein Sohn aus dem Bürgertum. Es könnte also auch bei uns passiert sein!..." Bei UNS? Lieber Herr Hahne, es ist bei UNS passiert. WER oder WAS ist für Herrn Hahne uns? Meint Herr Hahne vielleicht: Bei UNS im Westen hätte das auch passieren können? Und nicht nur bei EUCH im Osten?<
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|