Da schaut er grimmig drein auf dem Buchdeckel, und genau so grimmig ist dann auch der Inhalt. Ich habe mir die Mühe gemacht, das Werk durchzulesen und bin auf einen Berg von Kulturpessimismus, Asketismus und penetranter religiöser Ansichten gestoßen.
Zunächst mal fällt an Hahnes Stil das nahezu zwanghafte Zitieren auf; überall ist das Buch durchsetzt mit irgendwelchen Wortschnipseln mehr oder weniger prominenter Institutionen, die dem Geschriebenen einen Hauch von Wichtigkeit und allgemeiner Lebensweisheit verleihen sollen.
Dann zeigt er ellenlang seine Verachtung für all die Dinge, die unserer Zeit (noch, heute weniger als zur Erscheinenszeit des Buches) ihre Lebensqualität verleihen: Soziale Absicherung, weitgehend freie Medien, Spiel und Spaß und das Leben eines individuellen Lebensstils, anstatt sich überall einfügen und beschränken zu müssen. Recht schnell beschreibt er, was ihm lieber wäre: er listet die Arbeitszeiten auf, die in den USA, Japan und Korea mehr als anderthalb mal so lang sind wie in Deutschland, klagt unsere ach so vielen Urlaubstage an und erwähnt lobend Länder, wo es im Jahr nur 10 Tage Urlaub gibt.
Was es daran zu beklagen gibt, kann er nicht begründen, aber für ihn ist offenbar grundsätzlich Leid und Beschränkung gut und Spaß schlecht. Und folglich werden auch die USA lobend erwähnt, wo einem im Supermarkt die Ware von Packern in Tüten gesteckt wird, das US-"Jobwunder", wo Leute 2 oder 3 Jobs nur zum blanken Überleben brauchen und auch nach 70 Stunden Arbeit pro Woche noch in einer öffentlichen Suppenküche essen müssen und keine Krankenversicherung haben. Fragwürdige Märchen liest man, wo er schreibt, dass auch der Burgerverkäufer mit 6 Dollar pro Stunde (immerhin ein gesetzlicher Mindestlohn!) noch ein angesehener Mann ist und sein Dienst geschätzt wird. Abgesehen davon, dass er von Wertschätzung weder Essen, noch Haus oder ärztliche Versorgung kaufen kann, sind Burgerverkäufer und Tütenpackerinnen in den USA genau so wenig angesehen wie bei uns.
Klischees über andere Länder prägen auch sein Türkei-Bild, wo er sich so grobe Schnitzer leistet, wie man sie macht, wenn man den türkischen Staat mit Kreuzberg oder der Dortmunder Nordstadt gleichsetzt: Er bemängelt fehlende Trennung von Kirche und Staat, obwohl die Türkei seit Ende des 1. Weltkriegs ein absolut säkularer Staat ist, wo Religion in der Politik nichts zu suchen hat und es eine Staatskrise auslöst, wenn die Frau eines Präsidentschaftskandidaten ein Kopftuch trägt. Und was er von anderen Ländern fordert, will er für Deutschland ganz und gar nicht umsetzen.
Was Hahne propagiert, ist klar: er will viele billige und willige Sklaven, die bis zum Umfallen schuften und auch nicht den leisesten Anspruch auf Vergnügen und gutes Leben anmelden. Passend dazu sein Bedauern für die ach so armen Unternehmer, die ob der Steuerlast aus Deutschland fliehen, weil sie nicht wollen, dass die abgeschöpften Leistungserträge der Mitarbeiter etwa nicht nur ihnen, sondern via Steuer auch wieder dem Bürger zu Gute kommen.
Und wie kriegt man die Leute zu solchem Spaßverzicht? Ganz klar: weg mit Cannabis und Ecstasy, her mit dem Opium für's Volk! Den 11. September sieht er dabei als Zeitenwende und als Anlass, sich doch vom Islam eine Scheibe abzuschneiden. Bewundernd schaut er auf die strenggläubigen Moslems, verachtungsvoll auf die westlichen Wischiwaschi-Christen, die ihren eigenen Glauben "nicht ernst nehmen". Der islamische Fundamentalismus ist für ihn nicht etwa der Anlass, die Grund- und Freiheitswerte, die elementarer Bestandteil der "Spaßgesellschaft" und somit Gegenpol zu den repressiven, sexual- und lebensfeindlichen Haltungen der Fundamentalisten sind, zu verteidigen.
Nein, er fordert, die Bibel als feste Grundlage für verbindliche gesellschaftliche Normen, er fordert die Abschaffung der individuellen Moral und weit reichende gesellschaftliche Norm- und Moralvorschriften. So, wie er es schreibt, sollen die Normen der Bibel absolut sein und nicht etwa kritisch hinterfragt und gegebenen Falls aufgehoben und ignoriert werden. Zwar schreibt er es nicht im Klartext, aber die Absolutheit seines Pochens auf die Bibel lässt vermuten, dass er gerne die Schöpfungsgeschichte wörtlich genommen und die rigide Sexual"moral" vergangener Jahrhunderte wieder eingeführt haben will. Er schreibt von fester Grundlage und Fundament, und was heraus kommt, ist: Fundamentalismus. Vielleicht nicht mit heiligem Krieg, Steinigen und Hexenverbrennungen, aber in der geforderten Gesellschaftsstruktur totalitär. Statt dem islamischem Fundamentalismus Freiheitswerte, Lebensfreude und individuelle Lebensbestimmung entgegen zu setzen, will er das Gleiche auf Basis des Christentums aufziehen!
Was dieses Verdammen von Spaß und Vergnügen und die Aufnötigung religiöser Vorgaben dem Leser bringen sollen, wird nirgendwo erwähnt, es werden immer nur düstere Katastrophenszenarien gesponnen: keine Kinder, Überalterung, moralischer Verfall, der Islamismus, der sich nur deswegen ausbreitet, weil wir mit dem Christentum nicht dasselbe machen. Ebenso düstere wie nebelhafte Bedrohungen werden an die Wand gemalt, gegen die nur Askese, Zucht und Ordnung und Rückbesinnung auf den Glauben aus nicht näher geschildertem Grund der einzige Ausweg sein sollen. Es geht nicht um glückliche Individuen, sondern es wird im Nebel gestochert und "die Gesellschaft", "der Staat" und "die Kultur" in den Mittelpunkt gestellt.
Das Buch hat keinen nennenswerten intellektuellen Wert, aber es ist eine typische Äußerung aus einer korrupten Landeselite, die dem "gemeinen Volk" die Lebensqualität nehmen, sie mit religiöser Scharlatanerie gefügig und folgsam machen und zum Sklavenheer ohne geistige und handlungsmäßige Freiheit machen will. Es ist auch der gleiche Mist, auf dem Programme wie die "Agenda 2010", nach korrupten Politikern benannte Armutsreformen, das Lobbyistengerede über den zu hohen Lebensstandard der Deutschen (außer dem dieser Agitatoren), Computerspiel-Verbote und Internetzensur, Hetzberichte über "Sozialschmarotzer" mit Flachbildschirmen und "sexuelle Verwahrlosung" durch Pornografie wachsen.
Und in dieser Rolle hat das Buch dann doch einen gewissen Wert, denn es zeigt, in welche Hölle auf Erden uns professionelle Spaßverderber gerne stürzen wollen.