Wohltuend, wieder einmal ein aktualisiertes Buch zu besprechen, das tatsächlich überarbeitet wurde. Denn oft merkt nur die Marketingabteilung, dass an der Neuauflage etwas geändert worden sein soll. Was 2001 erstmals unter dem Titel "Die alltäglichen Spielchen im Büro" erschien, heisst jetzt anders, ist weiter gefasst und wird auch von Renate Dehner verantwortet. Geblieben ist der Verzicht auf sämtliche Literaturangaben und daher die Bewertung von vier Sternen. Denn dieser indirekte Originalitätsanspruch geht mir einfach auf den Geist. Ausserdem wird es neugierigen Lesern so erschwert, sich gezielt Zusatzinformationen zu holen. Neu sind das Layout, die Grafiken, die inhaltliche Unterteilung sowie einige wertvollen Ergänzungen. Kurz: Die Ausgabe von 2007 gefällt mir sehr gut. Auch wenn ich noch immer nicht alle Meinungen der Dehners teile und die Schwerpunkte anders setze.
Worum geht es? Basierend auf der Transaktionsanalyse zeigen Dehner & Dehner auf, wo und wie im Alltag manipuliert wird, weshalb dieses Verhalten menschlich ist und wie wir uns dagegen schützen können. Didaktisch geschickt und in klarer Sprache führt das Autorenduo seine Leser in die Welt der Psychospiele ein. Und was mir besonders gut gefällt, ist der Verzicht auf nerviges Moralin. Wir Menschen sind einfach so. Statt gegen diese Natur anzukämpfen, sollten wir uns lieber mir ihr vertraut machen. Das führt zu mehr Gelassenheit und fördert das Verständnis für unsere Mitmenschen. Das ist nicht gleichbedeutend mit der Haltung, jedes Verhalten zu akzeptieren und brav zu kuschen. Vielmehr geht es ja auch um Selbsterkenntnis und das Ziel, aus eingeschliffenen Rollenverhalten auszubrechen. Auch wenn ich nach wie vor daran glaube, dass wir unsere verinnerlichten Kindheitsmuster nicht durch die Lektüre eines Buches auflösen können, ist der Extrakt aus 223 Seiten zumindest ein starker Anstoss, mit kleinen Veränderungen zu beginnen. Dieser Ratgeber ist ein probates Starterkit.
Mein Fazit: Basierend auf der Transaktionsanalyse zeigen die Autoren, inwiefern menschliches Verhalten als Spiel aufgefasst werden kann, welches die häufigsten Regeln und Rollen sind und wie wir sachte in das Geschehen eingreifen können. Opfer und Täter, die ihre Rollen für das psychische Überleben brauchen, werden sich allerdings auch nach der Lektüre kaum ändern.