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Schluss mit der Umerziehung!: Vom artgerechten Umgang mit den Geschlechtern. Wie Frauen in Unternehmen endlich aufsteigen und Jungen in der Schule nicht weiter abstürzen [Broschiert]

Gisela Anna Erler
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

21. Mai 2012
Pragmatisch, erfrischend, ideologiefrei: ein neuer, endlich konstruktiver Beitrag zur Geschlechterdebatte

Warum sind Frauen in Spitzenpositionen so spärlich vertreten? Warum sind Jungen so häufig Bildungsverlierer? Es sind unterschiedliche Anreize, die beide Geschlechter antreiben. Frauen sind nicht für die männlich geprägten Spielregeln der Arbeitswelt zu gewinnen, Jungen nicht für einen Schulalltag, in dem ihre körperliche Energie und Risikofreude ausgegrenzt werden. Schluss mit der Umerziehung: Männer und Frauen sind verschieden, nutzen wir doch ihre unterschiedlichen Stärken, statt sie ihnen abzutrainieren!

Frauenquote, Gendertrainings, Führungs-Coaching für Frauen, Anti-Aggressionstraining für Jungen – es gibt viele Versuche, Frauen den Aufstieg in Unternehmen und Jungen eine erfolgreichere Schulkarriere zu ermöglichen. Von der Umerziehung der Geschlechter erhofft man sich mehr geschlechtsneutrale Gleichstellung. Doch das ist definitiv der falsche Weg. Den unterschiedlichen Antrieben der Geschlechter wird man damit nicht gerecht – so Gisela Erler, seit den 80er-Jahren provozierende Vordenkerin der Geschlechterdebatte und Gründerin eines großen Frauenunternehmens. Grundlegende Veränderungen in der Pädagogik wie in der Unternehmenskultur sind erforderlich. Denn Männer sind anders als Frauen und Frauen anders als Männer. Nicht das, was ihnen fehlt, sondern das, was sie an Verschiedenheit mitbringen, ermöglicht es, beider Potenzial zu entfalten und Gleichberechtigung herzustellen!


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Produktinformation

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (21. Mai 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453182863
  • ISBN-13: 978-3453182868
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 153.560 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Gisela Erler ist es leid, dass so viel weibliches Potenzial verschenkt wird. Wer ihr Buch gelesen hat, denkt: Wären nur alle Firmen Frauenunternehmen." (news.de)

Über den Autor

Gisela A. Erler, Tochter des SPD-Politikers Fritz Erler, war als Studentin 1967 Mitbegründerin des Münchner Trikont-Verlags und forschte später am Deutschen Jugendinstitut zu Geschlechterrollen, Familie und Beruf. 1987 veröffentlichte sie zusammen mit anderen Frauen das vieldiskutierte „Müttermanifest“. 1991 begann sie mit dem Aufbau des Unternehmens pme Familienservice, das binnen weniger Jahre vom kleinen Start-up zu einem Großunternehmen heranwuchs und für mehr als 600 Firmen tätig ist, darunter viele multinationale Konzerne. Bis heute ist es ein von Frauen geprägtes Unternehmen, das mit seinen vielen weiblichen Mitarbeitern erfolgreich eine ganz eigene frauenspezifische Arbeitskultur entwickelt hat. Seit Mai 2011 ist Gisela A. Erler Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in der grün- roten Landesregierung von Baden-Württemberg.

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3.0 von 5 Sternen Ein erster, lange überfälliger Schritt 21. Mai 2012
Von Arne Hoffmann VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
"Wir müssen die Geschlechterfrage neu denken!" verkündet das Backcover von Gisela Erlers jüngst erschienenem Buch "Schluss mit der Umerziehung! Vom artgerechten Umgang mit Geschlechtern" (Heyne 2012). Weiter heißt es dort: "Warum sind Frauen in Spitzenpositionen so spärlich vertreten? Warum sind Jungen so häufig Bildungsverlierer? Es sind unterschiedliche Anreize, die beide Geschlechter antreiben. Frauen sind nicht für die männlich geprägten Spielregeln der Arbeitswelt zu gewinnen, Jungen nicht für einen Schulalltag, in dem ihre körperliche Energie und Risikofreude ausgegrenzt werden. Schluss mit der Umerziehung: Männer und Frauen sind verschieden, nutzen wir doch ihre unterschiedlichen Stärken, statt sie ihnen abzutrainieren!" Das Buch soll unter anderem bei einer Podiumsdiskussion, die der Heyne-Verlag gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung veranstaltet, der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das lässt aufhorchen. Zum einen ist es bemerkenswert, dass "Schluss mit der Umerziehung!" nach den Büchern Ralf Bönts, Kristina Schröders, Roy Baumeisters und den erwarteten Büchern von Monika Ebeling und Professor Gerhard Amendt eine weitere Neuerscheinung im Jahr 2012 darstellt, die sich den starren ideologischen Vorgaben des feministischen Mainstreams widersetzt. Zum anderen verwundert es, dass die Heinrich-Böll-Stiftung dieses Buch vorstellt: eine Stiftung, die (ähnlich wie die Friedrich-Ebert-Stiftung) sonst Schriften in Auftrag gibt, bei denen geschlechterpolitische Gruppen, die von einer Verschiedenartigkeit der Geschlechter und einer Benachteiligung des männlichen Geschlechts sprechen, als "biologistisch" beschimpft und in die Nähe von Rechtsradikalen und Massenmördern wie Anders Breivik gerückt werden. Und wenn beispielsweise Eva Herman ein Buch mit diesem Titel herausgegeben hätte, würde es landauf, landab heißen, dass man den Begriff "Umerziehung" vor allem aus dem Zusammenhang mit der Aufarbeitung der NS-Zeit kenne, was die rechtsradikale Gesinnung der Autorin zweifelsfrei belege. Tatsächlich aber ist Gisela Erler Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in der grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs.

Nun kennt man es von den Grünen schon bei anderen Themen, dass Dinge, für die der politische Gegner verdammt wurde, plötzlich geradezu alternativlos erscheinen, sobald sie von Grünen in der Regierungsverantwortung selbst betrieben werden (beispielsweise Kriegseinsätze). Allerdings berichtet Gisela Erler davon, dass sie in ihrer Partei als Vertreterin einer ökolibertären Position (Umweltschutz nicht durch Verbote sondern marktwirtschaftliche Anreize) keineswegs zum Mainstream gehöre und 1987 für ihr "Müttermanifest", dem zufolge Mutterschaft nicht nur Last, sondern auch Lust bedeute, ebenfalls als "rückwärtsgewandt" und "biologistisch" beschimpft worden war. Das lässt die Hoffnung wachsen, dass sie sich auch in ihrem aktuellen Buch ideologischen Vorgaben mutig widersetzt. Aber ist diese Hoffnung berechtigt?

Zur Beantwortung dieser Frage fällt ein erster Blick in das Literaturverzeichnis von Erlers Buch. Das Ergebnis gerät überaus enttäuschend: Neben zig Büchern mit frauenpolitischen Ansätzen tauchen dort nur zwei Bücher auf, in denen es gezielt um die Anliegen von Männern und Jungen geht: Leonard Sax "Jungs im Abseits" und Professor Walter Hollsteins "Was vom Manne übrig blieb". (Hollstein wird auf der vorletzten Seite von Erlers Buch kurz Erwähnung finden.) Man darf sich hier also nichts vormachen: Auch Erlers Buch ist durch und durch feministisch. Faszinierend allerdings wird sein, wie sie feministische Ziele mit anderen Ansätzen als den gewohnten verfolgt. Hier sei ein Urteil nach der Lektüre des Buches schon einmal vorweggenommen: Die feministischen Inhalte in Erlers Buch, die den weit überwiegenden Hauptteil ausmachen, sind so erfrischend und inspirierend, dass das Buch über die feministische Konkurrenzliteratur um Längen herausragt (was, da die Konkurrenzliteratur in der Regel zum Davonlaufen ist, auch nicht schwer ist). Die jungenpolitischen Passagen hingegen lassen bei jemandem, der mit dieser Thematik vertraut ist, durchaus schon mal den Gedanken aufkommen, ins Wasser zu gehen und diese bekloppte Genderwelt endlich hinter sich zu lassen.

Aber beginnen wir mit den positiven Aspekten des Buches - und davon gibt es zur Genüge. Zunächst einmal nimmt Erler zutreffend wahr, dass es entgegen dem klassischen Feindbild von der patriarchalen Unterdrückung "viele Bemühungen der globalen Wirtschaft" gibt, "Frauen in wirkliche Führungspositionen zu bringen", die allerdings allesamt "hartnäckig und gründlich scheitern". Ebenfalls im klaren Kontrast zum Mainstream rot-grüner Genderpolitik vertritt Erler die Auffassung, dass "die Schaffung des neuen Menschen von oben oder von außen nicht Ausgangspunkt von Politik sein" könne. Um Frauen zu fördern, brauche es Erler zufolge andere Hebel als die derzeit den Bürgern in einer breiten Medienkampagne als Allheilmittel geradezu aufgedrängten Quotenregelungen. Die Konzepte und Rezepte des aktuell praktizierten Gender-Mainstreaming basieren, so Erler, "auf zwei problematischen Annahmen: der Opferrolle von Frauen und dem Wunsch, Frauen wie Männer umzuerziehen". Stattdessen betrachtet es Erler als zentrale Frage, "wie es Frauen und Männern gelingen kann, tatsächlich zu kooperieren, anstatt nebeneinander, gegeneinander, ohne einander zu agieren". Da das Motto der geschlechterpolitischen Initiative AGENS, in deren Vorstand ich bin, "Mann Frau Miteinander" lautet, rennt Erler bei mir mit diesem Vorhaben offene Türen ein. Aber mit welchen neuen Ansätzen will sie es in die Tat umsetzen?

Hier hilft es, dass Gisela Erler ihr Leben nicht allein in der Politik verbracht hat, sondern 1991 das Unternehmen pme Familienservice aufbaute, das innerhalb weniger Jahre zu einem Großunternehmen heranwuchs und inzwischen für mehr als 600 Firmen, darunter viele multinationale Konzerne, tätig ist. Die vom Familienservice gelieferten Dienstleistungen sind dabei klassisch weiblicher Art: Hier geht es um die Vermittlung von Kinderfrauen, Krippenplätzen, Tagesmüttern und Altenbetreuerinnen. Erst im Laufe der Jahre wurden auch immer mehr Männer Teil von Erlers Belegschaft. Die Mehrheit sämtlicher Aufgaben und Hierarchiestufen wird von Frauen besetzt und gestaltet. Das erstreckt sich bis auf den IT-Bereich, wo auch eine Kollegin, die bei ihrer Einstellung die Bedingung formulierte, niemals mit Computern arbeiten zu müssen, schließlich nicht nur die Bedienung eines Rechners lernte, sondern sich auch erarbeitete, wie man das bisherige Dokumentationsverfahren der Firma leistungsfähiger machen konnte. Anderen Mitarbeiterinnen, berichtet Erler, gelinge in diesem Bereich ähnliches, wodurch Geschlechterstereotypen gesprengt würden, ohne dass dies programmatisch bewusst so angelegt worden sei.

Auf der Grundlage dieser und weiterer jahrzehntelangen Erfahrung weiß Erler einiges darüber zu berichten, welche Aspekte einen Arbeitsplatz ausmachen, der es auch Frauen erlaubt, in einer Firma verantwortungsvolle Aufgaben und Positionen einzunehmen. Dazu gehören die folgenden:

- Der Arbeitgeber unterstützt ein glückliches Privatleben seiner Mitarbeiter. Erlers Familienservice etwa stellt bei Beziehungskrisen, Geldsorgen, finanziellen Engpässen und der Pflegebedürftigkeit von Angehörigen die eigenen Dienstleistungen unentgeltlich zur Verfügung. Im Grundsatz gelte: "Dein privates Problem ist nicht allein dein Problem. Wir werden eine Lösug finden, und wir werden dich nicht ins Abseits stellen, weil du ein Problem hast." Wenn eine Frau mehr freie Zeit benötigt, um schwanger zu werden, wird ihr auch dies ermöglicht. (In meinem Buch "Das Kamasutra am Arbeitsplatz" fordere ich ähnliches.) So bleibe die Geburtenrate in Erlers Firma "extrem hoch".

- Bei der beruflichen Kommunkation fließen immer wieder Elemente der persönlichen Ebene ein. Diese, so Erler, "stehen nicht im Gegensatz zur Leistung, sondern sind in einer Frauenkultur untrennbar mit ihr verknüpft". Die so entstehenden "intensiven, produktiven und effektiven Verknüpfungen (...) blockieren nicht etwa die Effektivität, sondern machen sie erst möglich". Zwar gebe es dabei auch eine Schattenseite: "Alle Klischees über Frauen, die einander sabotieren, hintergehen, mit Gerüchten demontieren, anfeinden, schneiden, ausschließen, ablehnen sind vollständig zutreffend." Erler findet es jedoch sinnvoller, Maßnahmen zu entwickeln, diese unschönen Entwicklungen in den Griff zu bekommen, als deswegen auf eine persönlichere Beziehungskultur zu verzichten.

- Beim Einstellen neuer Kräfte sind die Suchsensoren des Famileinservices auch auf schüchterne und ruhigere Frauen eingestellt, gerade auch solche mit kleinen Kindern, bunten Biographien und Berufsunterbrechungen.

- Erfreulicherweise gibt es in Erlers Buch sogar ein eigenes Unterkapitel, das mit "Lob der Schüchternheit" überschrieben ist und in dem Erler berichtet, dass wichtige Anstöße sehr oft von eher stillen Frauen mit echtem Führungspotential eingebracht würden, weshalb sie bedauere, dass Freundlichkeit, Sorgfalt, Bescheidenheit und Schüchternheit immer noch als Indiz für mangelnde Führungseignung und Durchsetzungskraft gälten. Lesen Sie weiter... ›
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3.0 von 5 Sternen Mut zur Ungleichheit 24. Juli 2012
Von M. Hoevermann TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Die reale Gleichstellung von Männern und Frauen ist in Deutschland noch nicht erreicht. In der Schule versagen die Jungen, auf der Karriereleiter die Mädchen. Zumindest schaffen sie es selten in die Top Jobs, denn in Wirtschaft und Politik sitzen mehrheitlich Männer auf den bestbezahlten Stühlen. Im Privatleben stehen gebildete, heterosexuelle Frauen später vor dem Problem, einen passenden Lebenspartner zu finden. Denn die männlichen Bildungsverlierer von heute sind morgen als potentielle Partner unter Umständen nicht interessant.

"Schluss mit der Umerziehung" fordert nun Gisela Erler, seit 2011 Staatsrätin in Baden-Württemberg, und rät zu einem 'artgerechten Umgang mit den Geschlechtern'. Geschlechtsspezifische Stärken sollen wahrgenommen und gefördert, nicht etwa abtrainiert werden.

*

DIVERSITY MANAGEMENT

Gisela A. Erler, Tochter des SPD-Politikers Fritz Erler, bewegt sich damit in Bahnen des Diversity Management bzw. Vielfaltsmanagements.

Diversity Management akzeptiert die die individuelle Verschiedenheit der Mitarbeiter und diskriminiert nicht aufgrund von Alter, Behinderung, Geschlecht, Hautfarbe, Lebensstil, Religionszugehörigkeit, sexueller Orientierung etc., sondern arbeitet mit positiver Wertschätzung. So wird eine produktive Atmosphäre geschaffen.

*

BIOGRAPHISCHER HINTERGRUND

Interessant zu lesen sind besonders die biographischen Teile und die Rückschau der Autorin in die feministischen Debatten zwischen den 1960er und frühen 1980ger Jahren, als der Streit zwischen Gleichheit und Differenz der Geschlechter aufbrandete. Gisela Erler war politisch aktiv, konnte reden und setzte sich vor allem für Frauenthemen ein.

"Du bist viel zu schade zum Kinderkriegen", lautete ein Satz, der sie zutiefst erschreckte, als sie schwanger war. Frauen und Männer in ihrem Umfeld betrachteten ihren Rückzug aus Politik und öffentlicher Sphäre als unumgänglich. Allerdings war Gisela Erler überzeugt davon, dass man auch als Mutter ein produktives und intelligentes Leben führen könne. Am Deutschen Jugendinstitut in München, wo sie als Sozialwissenschaftlerin von 1974 bis 1991 diverse Projekte betreute, setzte sie sich schließlich mit dem Modell der Tagesmutter zwischen alle Stühle: Die Progressiven kritisierten, dass die Kinderbetreuung nicht von Profis sondern von Hausfrauen ausgeführt werde; die Konservativen sahen die traditionelle Familie bedroht. Denn eine Tagesmutter ermöglichte gleich zwei Frauen eine Berufstätigkeit: Auch die leibliche Mutter konnte einer Erwerbsarbeit nachgehen.

1991 erhielt sie von BMW den Auftrag, ein Modell zur Lösung von Kinderbetreuungsfragen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entwickeln. So entstand in München das 'Kinderbüro", das ab April 1992 von den Mitarbeiterfamilien genutzt werden konnte. Andere Unternehmen wurden darauf aufmerksam. Nach und nach entstanden Niederlassungen in anderen Großstädten, das Angebot wurde erweitert und schließlich ein neuer Name gefunden: "Familienservice". Heute heißt es "PME (Partner für Mitarbeiter Effizienz) Famiienservice GmbH". Inzwischen ist es zu einem riesigen Betrieb mit 1200 Mitarbeitern und rund 600 Kunden geworden.

In der Anfangszeit des Unternehmens wurden ausschließlich Frauen beschäftigt; heute sind dort auch Männer beschäftigt. Erlers langjährige Erfahrungen als Unternehmerin, aber auch als Mutter und Großmutter, fließen immer wieder in ihr Buch mit ein. Hier spricht sie als Expertin. Ihr Grundgedanke bei der Unternehmungsgründung war, dass Frauen vor allem andere, flexible Arbeitszeiten brauchen. Die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben, Kinderbetreuung eingeschlossen, schien der Schlüssel zu weiblicher Erwerbstätigkeit zu sein. Heute ist sie überzeugt: Die Unternehmenskultur selbst muss sich verändern.

*

KOOPERATIVE FRAUEN, KOMPETITIVE MÄNNER

Für Frauen zählen laut Erler vor allem Teamgeist und das Miteinander im Betrieb. Sie seien weniger an festen Hierarchien orientiert als Männer. Autorität werde von ihnen hinterfragt und müsse immer wieder bewiesen und verdient werden. Besonders fürchteten sie eine exponierte Stellung, die sie aus der Gruppe der Gleichen hervorhebt. Anders Jungen und Männer: Sie bevorzugten Dominanzhierarchien und dauerhaft verlässliche Rangordnungen. In einer Situation, in der Frauen Anweisungen von einer Führungsperson zu befolgen hätten, verkümmere das Potential vieler Mitarbeiterinnen, die nur noch Dienst nach Vorschrift ableisten. Andere, so Erler, sabotierten das Vorwärtskommen indirekt.

Erler führt aus, dass Frauen anders mit Wettbewerbssituationen umgingen und direkte Konkurrenz, bei denen Kollegen ausgestochen werden müssen, nicht schätzten.

Eine Möglichkeit sei, vorübergehend in geschlechtlich homogenen Gruppen zu arbeiten und die Ergebnisse dann zusammenzutragen.

*

GENERALISIERUNGEN

Dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, wird kaum jemand bestreiten. Heikel wird es, wenn die Ursachen im Spannungsfeld von Neurobiologie und Kultur diskutiert werden.

Auch wenn Gisela Erler immer wieder einräumt, dass es durchaus Ausnahmen gibt, wirkt ihre Trennung der Geschlechter doch stark vereinfachend. Das "Augentier" Mann will Wettbewerb, Statussymbole und Weisungsbefugnis. Die eher auf das Hören orientierte Frau will Kooperation, Wertschätzung und Diskussionen über Entscheidungen. Da regt sich vermutlich bei jedem Menschen, der das Buch in die Hand nimmt, ein: "Ja, aber...!"

*

UNTERNEHMENSKULTUR

Lesenswert ist das Buch aufgrund ihrer Kernthese: Man muss innerhalb eines Unternehmens oder einer Gruppe die Struktur der Zielgruppe anpassen, nicht umgekehrt die Menschen in Strukturen pressen, die für sie nicht funktionieren. Man sollte sich laut Eder bei Angeboten, Anforderungen und Anreizen an dem orientieren, was die Menschen wollen, sie packen bei dem, was sie "antreibt, reizt und motiviert" (S. 14).

Auf dieser Basis funktioniert das von ihr gegründete Unternehmen. Hier einige Einblicke:

- Es wird niemand aufgrund irgendwelcher Merkmale diskriminiert.
- Im Bedarfsfall stehen die Dienstleistungen des Unternehmens den Arbeitskräften gratis zur Verfügung.
- Die berufliche Kommunikation beinhaltet eine persönliche Ebene.
- Stellen/Posten werden möglichst firmenintern besetzt.
- Ruhigere Menschen mit Zickzacklebensläufen und Kindern bekommen eine Chance.
- Frauen trauen sich oft wenig zu. Also werden sie in neue Aufgabenbereiche "hineingeworfen".
- Teilzeitarbeit und auch die Arbeit von zu Hause sind möglich.
- Geführt wird kooperativ. Statt mit Befehlen und Anordnungen wird mit Ermutigung, Inspiration, Unterstützung und Coaching gearbeitet. Den Arbeitskräften wird Wertschätzung entgegengebracht, z.B. durch Gespräche, Mittagessen oder sonstige kleine Gesten.

Klingt gut und sollte Ziel eines jeden zukunftsfähigen Unternehmens sein. Wenn Menschen sich im Betrieb wohl- und wertgeschätzt fühlen, leisten sie mehr. Ihre Motivation zahlt sich für das Unternehmen mehrfach aus: gute Arbeit, Innovationen, weniger Krankheit, weniger Burnout.

*

SCHULE

Wenn die Schule im Fokus von Erlers Überlegungen steht, merkt man, dass ihr schlicht der Einblick in die moderne Institution fehlt. So geht es schon lange nicht mehr um "stille und effektive Einzelarbeit" (S. 244); es wird mehrheitlich stark gruppenbezogen und projektorientiert gearbeitet.

"Warum Lesen weiblich" (S. 160) sein soll, erschließt sich nicht nach der Lektüre des Kapitels. Erler stellt die These auf, dass Jungen keine Lust zum Lesen entwickelten, weil "der Lesestoff, der angeboten wird" (S. 160 f.) sie nicht interessiere. Nun. Angeboten wird alles. Man braucht nur zugreifen. Der Markt ist überaus vielfältig: "Tatsachen, Sachbeschreibungen, Abenteuerberichte, Helden- und Detektivgeschichten" (ebd.) ' es ist alles im Überfluss vorhanden. So einfach kann man es sich leider nicht machen.

Die Schule hat hat bedingt durch ihren Bildungsauftrag auf ein gewisses Niveau und Lerninhalte zu achten. Darum muss das Gelesene zusammengefasst, analysiert und diskutiert werden. Was als verbindliche Lektüre gelesen wird, ist dabei mehrheitlich an Lesevorlieben der Jungen orientiert. Zum einen aus purem Selbstschutz der Lehrkraft heraus. Zum anderen, weil Mädchen eher bereit sind, Geschichten mit männlichen Protagonisten zu lesen als anders herum. Bei Buchvorstellungen (ca. einmal im Jahr) dürfen eigene Lieblingsbücher vorgestellt werden. Bei Referaten haben Schülerinnen und Schüler oft ebenfalls freie Auswahl.

Gisela Erler wirft zwar die Frage auf, ob es Stoffe geben könnte, die Jungen ansprechen, bleibt aber Ideen schuldig. Auch Ansätze, wie sich in der Schule ein für Jungen attraktiveres Lernen gestalten könnte, fehlen. Wie viele andere beklagt die Autorin ' zu Recht - dass der Bewegungsdrang und der Wunsch, die eigenen Grenzen auszutesten, überall blockiert würden. Sogar moderne Spielplätze sind inzwischen so beschaffen, dass sie kaum geeignet sich, sich auszuprobieren und Wagnisse einzugehen. Aber Impulse aus der Jungenpädagogik sind in "Schluss mit der Umerziehung" kaum zu finden. Lesen Sie weiter... ›
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4.0 von 5 Sternen Wider den Gender-Wahnsinn 5. Juni 2012
Von FMA
Format:Broschiert
Erler provoziert nach allen Seiten: Feministinnen und Gender-Vertreter werden viele ihrer Thesen biologistisch nennen. Dass Mann und Frau sich nun einmal durch Dispositionen und Gene, Körperbau und Hormone, neurophysiologische Strukturen und Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster unterscheiden, ist gerade auf der politischen Ebene keine gern gehörte Feststellung mehr, wenngleich sie schlicht der allgemeinen menschlichen Wahrnehmung und wissenschaftlichen Ergebnissen entspricht.

Erler trägt so furchtbar reaktionäre" Feststellungen vor, dass Männer i.A. von Natur aus dominanter, zielstrebiger, prinzipienorientierter sind als Frauen - und noch schlimmer - die meisten Frauen genau das - den dominanten, maskulinen Typus - bevorzugen. Soweit - so Erler - sie nicht durch Einnahme der Pille und damit verbundenem dauerhaft erhöhtem Östrogen-Spiegel in einer Art Dauer-Pseudo-Schwangerschaft leben und ihr Schutzbedürfnis durch ein gut entwickeltes Sozial- und Gesundheitssystem herab gesetzt ist.

Männer seien mehr optisch orientiert, Frauen akustisch - sie hören besser, ihre Sprachkompetenz ist besser ausgeprägt. Sie sind kommunikativer, integrativer, eher empirisch induktiv orientiert - Männer hingegen eher konfrontativ und deduktiv. Eine zweite Eva Herrmann ist Erler nun aber gewiss auch nicht und als eher in dieser Hinsicht konservativer Mensch, wird man mit ihrer doch recht unkonventionellen Haltung zu Ehe und Familie schwerlich konform gehen können.

Dennoch geht ihr Ansatz in eine weit richtigere" Richtung als bisherige Strategien. Gleichberechtigung ist ein erstrebenswertes Ziel. Der Westen ist hier jedoch längst dabei, auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen. Das Gender-Konzept will weismachen, dass Geschlecht nichts biologisch festgelegtes, sondern kulturell Aufoktroyiertes wäre. Man sei nicht das, was man physiologisch ist, sondern das, was man von der eigenen psychologischen Wahrnehmung und sozialen Rolle her wird. Ausgangspunkt solcher Theoriebildungen war das Bedürfnis, die Normalität gleichgeschlechtlicher Orientierung ideologisch zu untermauern. Vor diesem Hintergrund versucht Politik - auch die der CDU - inzwischen aktiv, eine sog. geschlechtsneutrale und geschlechtsnivellierende Erziehung in Kindergärten und Schulen durchzusetzen.

Erler räumt mit diesem Unsinn auf. Es kann nicht darum gehen, einen gesellschaftlichen Konsens zu etablieren, dass rot und blau keine unterschiedlichen Farben wären. Nicht krampfhafte Gleichmacherei ist anzustreben. Vielmehr muss das Ziel sein, dass sich Menschen in ihrer Vielfalt respektieren und anerkennen, nicht auf ihr Anderssein reduziert, sondern in ihren positiven Möglichkeiten wahrgenommen, gefördert und integriert werden. Das typisch Männliche und das typisch Weibliche können einander wunderbar ergänzen.

Dieser Ansatz, der durchaus auch von einer neueren emanzipativen Denkrichtung her gestützt wird - dem modernen, unideologischem Diversity-Management, in dessen Geist bspw. auch die UN-Behindertenrechtskonvention (Stichwort Inklusion) entstand - führt zu praktischen Konsequenzen. Frauen müssen sich als Frauen ebenso voll entfalten dürfen, wie Männer. Es ist auch nicht nötig, Menschen einzureden, dass sie nur kulturell erzwungener Maßen heterosexuell wären, um den vollen Respekt gegenüber homosexuellen Mitmenschen zur Normalität zu machen.

Jungen sollen ebenso in ihrem geschlechtspezifischen Potenzial und Erfordernissen wahrgenommen und gefördert werden wie Mädchen. Es kann nicht um Frauenquoten oder modifizierte Rollenbilder gehen, sondern um natürliche Entfaltung und ein gesellschaftliches Umfeld, dass die sich daraus ergebenen Chancen zu schätzen und zu nutzen weiß. So gelte es bspw. die Kultur in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu verändern, indem der Blick dafür gewonnen wird, dass ein Kommunikationsstil der nicht n u r vom dominant-konfrontativ männlichen schwarz/weiß, richtig/falsch, ganz/garnicht geprägt ist, sondern auch eher weiblichen Kommunikationsmustern (Meinungs- und Perspektivenvielfalt, emotionale Aspekte, noch unfertige Ideen etc.) Raum gibt, etwas ist, von dem in allen Bereichen profitiert werden kann. Dies - so die Autorin - führe zu mehr Bodenständigkeit und Realitätsbezug und hätte schon so manches Verrennen in wunderbar logisch erscheinende Ideen, die dann verheerende Konsequenzen zeitigten, verhindern können.

Dabei weitet sie in guter Diversity-Manier den Blick über die Geschlechter-Thematik hinaus. So werde das Auftreten von Menschen oft zu hoch bewertet und man lasse sich dadurch täuschen, dass sich eine Person gut darstellen und verkaufen kann. Dagegen neige man dazu, das Potenzial eher schüchterner Menschen zu unterschätzen, obwohl diese oft in entsprechende Positionen hineinwachsen und aufgrund ihrer empathischen Begabung hervorragende Führungsqualitäten entwickeln - wenn sie denn die Chance dazu erhalten.

Ein Buch, dass v.a. eines sehr überzeugend aufzeigt - der aktuell von der Politik verfolgte Weg des Gender-Mainstreaming - von verstaubten ideologisch-feministischen Positionen ganz zu schweigen - sollte dringend überdacht werden.

Interessant im Zusammenhang mit der im Buch behandelten Thematik auch:
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