Judith Mair ist eine junge Unternehmerin aus Köln und leitet mit vier Partnerinnen eine Kommunikationsagentur. Sie möchte aufräumen mit modernen Managementmethoden, die verkaufen wollen, dass Arbeit zur Selbstverwirklichung, Unterhaltung und Spaß verhelfen muss. Vielmehr fordert sie: Schluss mit lustig!
Arbeit wird heute als schöne neue Welt präsentiert, in der jeder jung, kreativ und gut gelaunt ist. Populäre Managementkonzepte preisen die flexible, lernende, hierarchiearme oder virtuelle Organisation, die laut Mair jedoch an der Arbeitspraxis vorbeigeht. Für die große Selbstenfaltung ist die Freizeit da! Arbeit ist Arbeit - nicht mehr und nicht weniger.
Die Forderungen nach flachen Hierarchien, hoher Flexibilität und Selbstverwirklichung werden von allen Seiten laut, doch dürfen sie nicht zu orientierungslosen Mitarbeitern, verunsicherten Chefs und sinkender Produktivität führen. Durch zu wenig Struktur wissen Mitarbeiter nicht mehr, was von ihnen erwartet wird und die Verantwortung wird im Team herumgereicht. Emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills sind für die Autorin Schlagworte, die zu Blendung und Selbstdarstellung anregen - und nicht zu effektiverer Arbeit.
Aus den Erkenntnissen, dass sich flexible Arbeitszeiten in Überstunden und Eigenverantwortung in Selbstausbeutung verwandeln können, resultiert für Mair die notwendige Rückkehr zu einer strukturierten Arbeitsgrundlage. Diese muss aus Leistung, Disziplin, klaren Regeln und verbindlichen Umgangsformen gebildet werden. Ein begrenzter und überschaubarer Handlungsspielraum der Mitarbeiter, verbindliche Arbeitszeiten, Hierarchien und klare Regelwerke schaffen Sicherheit und lassen Unklarheiten oft gar nicht erst entstehen.
In ihrem Buch plädiert die Autorin daher für
- klare Arbeitsverhältnisse und Leistungserwartungen statt der Auflösung geregelter Arbeitszeiten
- die Trennung von Arbeit und Freizeit statt der Verwechslung der beiden
- planbare Freizeit statt allzeitige Verfügbarkeit
- Transparenz statt Schönfärberei
- eine klare Basis statt immer neuer Managementmethoden
Der Titel verspricht viel, hält aber nicht alles. Bisweilen wirkt die gezogene Trennungslinie zwischen einerseits emotionaler Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills und andererseits Leistung und Disziplin etwas künstlich. Judith Mair berichtet in erster Linie aus ihrem eigenen Erfahrungshintergrund, da kommt die objektive Betrachtung des Themas etwas zu kurz. Fundierte Belege, dass Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills, fehlen ebenso wie eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Theorieansätzen.
Insgesamt ist das Buch gelungen, auch wenn es wie alle Bücher in diesem Bereich keine allgemeingültigen Handlungsrezepte zur Verfügung stellt. Es ist amüsant geschrieben und das Lesen macht Spaß. Und an der einen oder anderen Stelle mag man sich selbst wiedererkennen und wird zum Weiterdenken angeregt.