Seminare und Kurse benötigen neben einer guten Durchführung und Gestaltung ein gut arrangiertes Ende, damit sie schlußendlich wirklich nachhaltig wirken können. Der Professor für Wirtschafts- und Sozialpädagogik Karlheinz A. Geißler macht sich in diesem Weiterbildungsbuch auf die "Suche nach dem guten Ende", wie der Untertitel lautet.
Dass das Buch schon fast zwanzig Jahre auf dem Markt ist und zweimal neu ausgestaltet wurde, spricht schon fast für sich. Dennoch mag hier auch auf einzelne Details eingegangen werden, welche die große Nachfrage nach dem Buch und dessen Nutzen erklären helfen. Geißler schreibt sein Buch sehr abwechslungsreich und verbindet Information hervorragend mit weiterführender Bildung und Humor. Textsprachliche Nuancen, prägnante Zitate, humorvolle Bildsprache sowie pointierte Cartoons und Fotos wechseln fortwährend, so dass die Lektüre ausgesprochen kurzweilig ist (So gibt es eine Fototrilogie, bei der plötzlich ein Mensch im Meer verschwunden ist, Lucky Luke reitet in den Sonnenuntergang oder eine Abschiedsszene am Bahnsteig wird gezeichnet).
Zudem greift Geißler Informationen aus unterschiedlichen Epochen auf und versteht es, nicht einem neueren Trend nachzueifern, sondern seinen persönlichen Stil zu pflegen. Er verknüpft psychologische, pädagogische, soziologische, literarische und künstlerische Elemente miteinander zu einer Gesamteinschätzung von Schlußsituationen. Damit betrachtet er die Seminarschlußphasen nicht isoliert, sondern bezieht sie in die Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden mit ein.
Das Buch selbst ist gegliedert in die Bereiche "Ein Teilnehmer macht Schluß", "Trennung: zur Soziodynamik von Schlußsituationen", "Übergänge gestalten" sowie die tatsächlichen Schlußsituationen beim einzelnen Teilnehmer/-in und bei der Seminarleitung. Beim Literaturverzeichnis hätte man sich zwar die Berücksichtigung von mehr neueren Titeln gewünscht; dennoch wird man ob der Bandbreite der Literatur- und Bildquellen begeistert sein. Ein Stichwortverzeichnis hätte das Buch noch für den täglichen Gebrauch sinnvoll ergänzt.
Ansonsten aber ist dieses Buch jeder Seminarleitung als Literatur zu empfehlen; zumal der gesellschaftliche Trend ja einer klaren Schlußsetzung entgegensteht, wie Karlheinz A. Geißler in seinen Ausführungen über Trennungen eindrücklich verdeutlicht: "Es geht in Schlußsituationen auch nicht mehr um eine möglichst präzise Vermittlung von Erkenntnissen und Detailwissen, es geht um Erfahrungen und um Erlebnisse sowie die Entwicklung, die Verarbeitung und das Ausdrückenkönnen von Gefühlen und Stimmungen." (S. 67) So sollen schlußendlich "genügend Freiräume für die nur zum Teil absehbaren Trennungsdynamiken zur Verfügung stehen" (ebd.)
Damit wird deutlich, dass in Seminaren nicht das Austeilen von Feedbackbögen alleine genügt, um das Ende des Seminars passend zu gestalten.
Einzelne Übungen und Denkaufgaben unterfüttern diesen so praxisnahen, kenntnisreichen Band; wobei zuallererst die Grundhaltung des Seminarleiters ausgesprochen ansprechend in den Mittelpunkt gerückt ist.
Und wie heißt es so ironisch in der VErlagsinformation am Ende des Buches:
"Und wer jetzt nach dem Schluß wieder anfangen will, für den gibt es die "Anfangssituationen" von Kh. A. Geißler)..." selbstredend!