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Schloss aus Glas Taschenbuch – 6. Juni 2006

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Diana Taschenbuch; Auflage: 11. Auflage (6. Juni 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453351355
  • ISBN-13: 978-3453351356
  • Originaltitel: The Glass Castle
  • Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 3,1 x 18,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (203 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 6.503 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Der innere Konflikt der Autorin, der sie jahrelang schweigen ließ, wird bereits in der Einleitung deutlich. An einem stürmischen Märzabend befindet sich die bekannte Kolumnistin Jeanette Walls auf dem Weg zu einer Party. Ihre Vorfreude weicht schlagartig, als sie vom Taxi aus die zerlumpte alte Frau mit dem verfilzten Haar erblickt, die gerade einen Müllcontainer durchwühlt. Sie erkennt die vertrauten Bewegungen, die Art, wie sie den Kopf schieflegt, um ihren Fund zu begutachten. Schockiert und beschämt kehrt Jeanette Walls in ihr nobles Appartment auf der Park Avenue zurück. „The Party is over!“ -- Die Vergangenheit war zurückgekehrt. Die Pennerin auf der Straße war Jeanette Walls eigene Mutter. Eine Kindheit der etwas anderen Art zieht noch einmal vorüber.

„Wir türmten ständig, meistens mitten in der Nacht!“ -- Ob solche Eltern für Jeanette und ihre beiden Geschwister (ein viertes kam später hinzu), eher Segen oder Fluch darstellten, mag der Leser entscheiden. Mit einer Art Hippie-Philosophie und einem nonkonformistischen Besserwissertum, das zuweilen nervt, ausgestattet, hatten Rex und Rose Mary Walls beschlossen, allem Konsum den Kampf anzusagen. Ein naturhaftes Leben „on the road“ sollte den Kinder „echte Werte“ vermitteln. Ein zwiespältiges Unterfangen bei einem Vater, der in lichten Momenten seinen Kindern die Welt erklärte, Sterne vom Himmel holte und ihnen ein „Schloß aus Glas“ versprach, dann wieder klaute wie ein Rabe, und sich in den finstersten Phasen seiner Trunksucht gar in einen regelrechten Berserker verwandeln konnte.

Auch die Mutter, eine vor jeder Arbeit zurückscheuende verhinderte Künstlerin, bot kein rechtes Gegenmodell. Jeanette Walls indes beschloss rückblickend, die positiven Aspekte ihrer „Erziehung“ herauszustellen. Die ständige Flucht vor „den Handlangern, Blutsaugern, der Gestapo“, wie der Vater seine Verfolger verwünschte, die Nahrungsaufnahme aus Müllcontainern, die zerschlissene Kleidung -- das gewählte Außenseitertum gerät bei ihr nicht zum Mangel sondern zum Lebensgewinn.

Wie das elterliche Fantasiegebäude erste Risse bekam und die allmähliche Abspaltung erfolgte, wird mit leisem Humor, großer erzählerischer Kraft und (nicht immer nachvollziehbarer) Liebe abgehandelt. Nach Nick Flynns literarisch schrofferen Bullshit Nights das zweite große Buch dieses Frühlings zum Thema Kindheitsbewältigung. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe.

Pressestimmen

"Ein komisches, anrührendes Buch." (Stern)

"Geschichten erzählen kann Walls. Bald will man das Buch gar nicht mehr zuklappen." (Frankfurter Neue Presse)

"Jeannette Walls berichtet mit Liebe, aber auch mit Wehmut, jedoch ohne Bitterkeit von dieser seltsamen Kindheit in einer unangepassten Familie." (Elke Heidenreich)

"Lange zögerte Jeannette Walls, ihre Vergangenheit preiszugeben. Wie gut, dass sie sich dafür entschieden hat, denn sonst wäre uns ihre spannende, anrührende Geschichte entgangen." (Gala)

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47 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Anis Keks am 25. April 2007
Format: Taschenbuch
Dieses Buch hat mich ganz schön aufgewühlt und ich konnte es kaum mehr aus der Hand legen. Beim lesen ist man so zwiegespalten - mag man die Eltern, mag man sie nicht? Jeannette Walls beschreibt ihre Familie - trotz aller chaotischen Zustände - mal sehr liebevoll, mal bewertungsfrei. Es bleibt meist dem Leser überlassen, Sympathien zu entwickeln - nur um sie im nächsten Moment wieder umzuschmeissen...

Man bedauert Jeannette und ihre Geschwister, die zeitweise in Pappkartons schlafen und oft nicht wissen, wo die nächste Mahlzeit herkommen soll. Und im nächsten Moment beneidet man sie wieder, weil sie das Glück hat, einen Vater zu haben, der ihr die Natur nahe bringt, ihr die Venus zum Geburtstag schenkt und der ihr so oft das Gefühl gibt, an sie zu glauben.

Ein wirklich schönes, unter die Haut gehendes Buch - das leider viel zu schnell zu Ende ist!
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176 von 184 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Zaunkoenigin am 3. April 2005
Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Das Leben sollte ein einziges großes Abenteuer sein. Jeannettes Walls' Eltern hassen Regeln und Konventionen. Sie sind ständig mit den vier Kindern unterwegs, oft auf der Flucht vor Gläubigern und Krankenhausrechnungen. Sie leben bewusst jenseits aller gesellschaftlichen Normen. Die Mutter, eine ausgebildete Lehrerin, arbeitet nur im äußersten Notfall, wenn die Familie finanziell gar nicht mehr weiter weiß. Sie sieht sich als Malerin und Schriftstellerin. Der Vater wird als genialer Bastler und Tüftler dargestellt, der an einer Goldsuchmaschine arbeitet. Im Endeffekt ist er ein notorischer Trinker, der ständig seine Arbeit verliert und das letzte Haushaltsgeld versäuft. Die Kinder wachsen sehr frei auf, ihr Leben wirkt zunächst aufregend, ungewöhnlich und spannend. Die Eltern bringen ihnen vielerlei Dinge bei und fordern ihren Intellekt. So muss die Erzählerin ihre Mathe-Hausaufgaben in binären Zahlen schreiben, weil sie sonst zu einfach wären. Sie lernt schießen und wie man in der Wüste überlebt. Das Prinzip der Eltern: Wer es in der Jugend schwer hat, ist später widerstandfähiger. Die Erzählerin lernt schwimmen, indem der Vater sie immer wieder an der tiefsten Stelle eines Sees ihrer Angst überlässt. Im Haus stehen nachts alle Fenster und Türen offen, damit die Luft zirkuliert. Die Kinder müssen eben mit ihrer Angst fertig werden, dass sich Fremde ins Haus schleichen. Und das geschieht nicht nur einmal.... Oft ist der Kühlschrank leer, die Kinder klauen, essen Katzenfutter, Margarine mit Zucker oder suchen in den Abfallkörben der Schule. Die Eltern weigern sich aus ideologischen Gründen, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen.Lesen Sie weiter... ›
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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von zeilensprung am 5. Mai 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Tatsächlich drängt sich bei der Lektüre dieses Buches der Vergleich mit der Bausparvertragswerbung auf: "Wenn ich groß bin möchte ich Spießer werden", denn Jeannette Walls beschreibt eine Kindheit, in der es weder Rituale, Regeln noch ein geordnetes Familienleben gibt. Eindringlich beschreibt sie, wie die Familie, in der die Eltern in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind, in immer tiefere Abgründe stürzt, sowohl materiell als auch emotional.
Was wie ein großes Abenteuer beginnt, wird zunehmend zum Alptraum für die heranwachsende Jeannette und ihre drei Geschwister. Dabei sind ihre Eltern keineswegs Dummköpfe, lediglich fehlt es ihnen an der Fähigkeit, Regeln einzuhalten, ein fest strukturiertes Familienleben zu führen. Umso intensiver vermitteln sie ihren Kindern intellektuelle Werte, lehren sie, die Schönheiten der Natur wahrzunehmen. Dafür sind sie unfähig, Mahlzeiten zuzubereiten und für angemessene Wohnverhältnisse zu sorgen. Da der Vater immer wieder seine Jobs hinschmeisst, befindet sich die Familie stets auf dem Sprung, bereit innerhalb weniger Stunden ihre Zelte abzubrechen.
Die Autorin beschreibt in einfachen Worten und damit ungeheuer eindringlich die Gefühle der mittleren Tochter, einer ausgesprochenen Vater-Tochter, die aber irgendwann nicht mehr bereit ist, die Eltern und ihre Lebensunfähigkeit zu decken. Zunehmend eigenverantwortlich versucht sie, den bedrückenden Verhältnissen zu entkommen...
Jeannette Walls hat ein wunderbares Buch geschrieben, dass den Lesern tiefe Einblicke in eine zerbrechende Familie gewährt - ohne jemals voyeuristisch zu sein.
Ein Buch, dem viele Leser zu wünschen sind.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von MissVega am 12. Dezember 2011
Format: Taschenbuch
Was mag es wohl für ein Gefühl sein, wenn man im Taxi sitzt und gerade auf dem Weg zu einer Party ist, und dann seine Mutter, eine Obdachlose, direkt neben sich am Straßenrand in Mülleimern wühlen sieht? Nun, wenn man Jeannette Walls heißt, dürften die Emotionen zwischen Scham und Resignation schwanken. Und Scham keineswegs nur deswegen, weil die eigene Mutter zerlumpt und verlottert im Müll wühlt, sondern auch, weil man es soviel weiter gebracht hat als sie und deswegen immer noch ein schlechtes Gewissen hat. Resignation deswegen, weil Rose Mary Walls immer noch stur und unbelehrbar ist und meint, genau das Leben zu führen, das sie führen will, und zu stolz ist, Geld oder andere Arten der Unterstützung von ihrer Tochter anzunehmen.

Jeannette Walls hat wohl eine der ungewöhnlichsten Kindheiten hinter sich, die man überhaupt erleben kann. Und nach der Lektüre von "Schloss aus Glas" ist man sich immer noch nicht sicher, ob dies mehr Fluch oder Segen für die 1960 geborene und heute als Journalistin in New York arbeitende Schriftstellerin ist. Auf 400 überaus ereignisreichen und dramatischen Seiten lässt uns Walls teilhaben an ihrer Kindheit, die irgendwo zwischen kindlichem Schlaraffenland und Missbrauch liegt, zwischen unkonventioneller elterlicher Hingabe und schwerer emotionaler Vernachlässigung, zwischen Unbeschwertheit und Lerneifer und traumatischen Schockszenarien, die man keinem Kind jemals wünscht. So beachtlich Walls Weg aus diesem emotionalen Minenfeld auch ist, so wenig überrascht er, wenn man erst einmal einen Einblick in die Welt der Familie Walls gefunden hat.
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