Mit Bukowski werden Sex, Schweinkram und Gossensprache in Verbindung gebracht. Buk hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und mit seiner stilsicheren Beschreibung des Amerika von 1950 - 1985 war er immer am Puls der Zeit. Schon zu Lebzeiten Bukowskis zu erkennen, dass hier ein ganz Großer die Reiseschreibmaschine klappern lässt, das haben die wenigsten geschafft. Für viele Leser war Buk gleichbedeutend mit Pornografie und Gewalt. Auch wenn ich das nie so sah, so sind Bände wie Fuck-Machine oder Leben und Sterben in Uncle Sams Hotel nicht jedermanns Sache. Jedenfalls nicht zum Einstieg bei Bukowski. Dafür empfehle ich Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend. Hier zeigt Bukowski, dass er als Erzähler wirklich etwas taugt. In einer Sprache, die jeder versteht, auch ohne ein Philosophiestudium in der Tasche zu haben, berichtet der Außenseiter über die Schwierigkeiten seiner Kindheit. Vom versoffenen, autoritären Vater über eine schwache Mutter und die Anfeindungen in der Schule. Buk ist schonungslos und offen, wie immer, aber in diesem Band breitet er ein schriftstellerisches Spektrum vor uns aus, dass der Amerikanischen Erzählung in Romanform am Nähesten kommt. Fast eine Jugend fesselt den Leser, der Bukowski noch nicht kennt. Und seine Fans gehen mit ihm zurück zu den Wurzeln. Mit einem Augenzwinkern werden sie feststellen: Buk, du alter Hund, du warst schon als Kind ein seltsamer Typ.