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Schlemm
 
 
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Schlemm [Gebundene Ausgabe]

Nicola Bardola
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kein gewöhnlicher Termin, sondern eine Deadline, hatte der Vater gesagt. Mit dieser wortwörtlich grausamen Zeitvorgabe beginnt für die Kinder eine neue Zeitrechnung. Und für den Leser das außergewöhnliche Dokument eines Abschieds. Eben hat Luca den ominösen Anruf erhalten. Am 9. Dezember werden die Eltern gemeinsam aus dem Leben scheiden. Die Schweizer Option. "Elf Tage lang wird Luca noch Sohn sein." Was im Roman "ROWS" genannt wird -- Right of Way Society, das Recht auf den eigenen Weg -- heißt im realen Schweizer Leben "Exit", eine Sterbehilfeorganisation. Der Autor Nicola Bardola weiß, wovon er redet. So verabschiedeten sich die eigenen Eltern aus ihrem Leben. Ein schwerer Gang, am schwersten für die Kinder, wie es scheint!

Luca und sein Bruder Reto waren nicht unvorbereitet. Vor vier Monaten hatte Paul Salamun jede weitere Behandlung an seinem schweren Blasentumor verweigert. "Lebenssatt", so hatte Franca, seine Frau, ihren Zustand beschrieben. Zufrieden, ohne Probleme, alles Wichtige gesehen, gehört, gefühlt. Lebenssatt, eben. Luca, versorgt mit den täglich eintrudelnden Tagebuchskizzen seines Vaters, vertieft sich in die Rätselwelt seiner Eltern, die zwischen Symbiose und schierer Unmöglichkeit oszillierte -- und die nun an ihrem (natürlichen?) Endpunkt angelangt war. Der geniale Schweizer Bridge-Meister und Mathematiker Paul (der merkwürdige Romantitel bezieht sich auf den eingedeutschten Bridge-Terminus "Slam") -- und seine schöne Franca. Welches Geheimnis verbindet die beiden bis in den Tod?

Zwischen den Kindern entbrennen heftige Diskussionen. Christina, Lucas Schwägerin, ist strikt dagegen. "Wozu braucht es mehr Mut? Alt werden und bis zuletzt kämpfen oder frühzeitig Schluss machen?" Sie hält die Angst der Mutter vor dem Altern lediglich für "das Problem einer besonders schönen Frau." In der eisig klaren Luft des Engadin werden die letzten großen Denkgebäude über Leben und Tod errichtet. Montaigne, Jean Améry, Seneca und Franz Werfel assistieren. In maßvollem und nachdenklichem Ton, der keine schrille Note zulässt, verfasst Nicola Bardola das beeindruckende Requiem zu Ehren seiner Eltern, die ihm längst abhanden gekommen schienen. Und -- er lernt, den "Schlemm" zu begreifen. Ein literarisches Debüt, vor dem man den Hut zieht. --Ravi Unger

kulturnews.de

„Elf Tage lang wird Luca noch Sohn sein, Kind seiner Eltern, mit Vater und Mutter, die man jederzeit anrufen kann. Dann werden sie sterben." Was für ein Auftakt. Nicola Bardola erzählt in seinem Erstlingswerk die Geschichte von Luca und seinen Eltern, die sich nach der Krebsdiagnose des Vaters für den gemeinsamen Freitod entschieden haben. In einer Collage aus Erinnerungen, Briefwechseln und Zeitungsartikeln entwickelt Bardola - vor autobiographischem Hintergrund - ein außergewöhnliches Familienporträt. Sensibel nähert sich der Autor, mit sanfter und intimer Sprache, den Figuren und ihren Geschichten, so dass man trotz Reizworten wie Patientenautonomie und Sterbehilfe weit entfernt ist von pauschalen Urteilen und vorschnellen Meinungen. Sehr vielschichtig und mit Zitaten von bekannten Schriftstellern ergänzt, setzt sich Bardola mit Alter, Tod und freiem Willen auseinander. Ein gelungenes Debüt und ein beachtenswerter Beitrag der Literatur zu einem großen, gesellschaftlich relevanten Thema. (ass)

Pressestimmen

"Nicola Bardola nähert sich den Themen Sterbe- und Freitodhilfe in ausgefeilter Form und Sprache (...) Dieser Roman ist wichtiger Zündstoff für eine mündige Gesellschaft, die Ethik und Menschenwürde äußerst ernst nimmt ..." (Ute Hoffahrth, Nachtkultur, Südwest Fernsehen)

"Bardolas Buch spielt in der Schweiz - und trifft in Deutschland einen Nerv. Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt der Autor das Drama dieses angekündigten Todes. Und rückt gerade dadurch, dass er sich entfernt, seine Leser ganz nah an die Eltern heran. Ihre Entscheidung wird verständlich und die Trauer der Familie beinahe körperlich spürbar ..." (Jobst Ulrich Brand, Focus)

"Gerade die Zurückhaltung des Autors bringt dem Leser die Figuren nahe: Nach ein paar Seiten befindet er sich derart in der Geschichte, dass er beginnt, die Positionen abzuwägen, so als müsste er sich am Ende selbst entscheiden. Der Blickwinkel auf den Tod verschiebt die Sicht auf das Leben, bringt scheinbar Banales in kausalen Zusammenhang und weckt Erinnerungen an längst vergangene Abschiede. Der Tod kommt dem Leben sehr nahe, nicht in seiner Bedrohung, sondern in der Art des Sterbens, die so überraschend stark von der Person abhängt, die gehen muss ..." (Laura Weissmüller, Süddeutsche Zeitung)

literature.de, September 2005

Die Kindheitserinnerungen Lucas ebenso wie die Gedankengänge setzen sich einfühlsam mit dem schwierigen Thema auseinander und erzeugen eine melancholische, sehr private Atmosphäre, die den Leser schnell in ihren Bann zieht. Birgit Erwin

Abend Zeitung, 5. Oktober 2005

„Schlemm“ ist die literarische Chronik eines angekündigten Todes. (...) Nicola Bardola nähert sich dem heiklen Thema Sterbehilfe behutsam an, mit feinem Gespür für Fragen, die der selbstbestimmte Tod aufwirft. Michael Stadler

Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 13. Oktober 2005

Hat ein Todkranker das Recht auf Sterbehilfe? Nicola Bardola stellte seinen Roman einem sichtlich bewegten Publikum in der Münchner Traditionsbuchhandlung Lehmkuhl vor. Andreas Trojan

Schweizer Buchhandel, 17/2005

Der Schweizer Nicola Bardola mit Münchner Wohnsitz greift ein aktueller werdendes Thema auf: Sterbehilfe und wie die nächsten Verwandten damit umgehen. Mit seinem ersten Roman betritt der Journalist die literarische Bühne und überzeugt auf Anhieb. Carlo Bernasconi

Sonntag Aktuell, 16. Oktober 2005

Nicola Bardola hat auf diesen 200 Seiten die selbst gewählte Aufgabe übernommen, die Position der Eltern zu erklären. Vor allem aber hat er Einblicke in das Dazwischen gegeben, in die Gefühle und Wahrheiten, die sich hinter den großen Argumenten verstecken. Hilke Lorenz

Focus, 49/2005

Trifft in Deutschland einen Nerv.

Spiegel, 50/2005

Klar montiert ... authentisch erzählt.

Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2005

Dieser Blickwinkel auf den Tod verschiebt die Sicht auf das Leben.

Stuttgarter Nachrichten, 11. Januar 2006

Bardola, der Meister des epischen Präsens.

Kurzbeschreibung

Von der Liebe über den Tod hinaus
Das Ehepaar Paul und Franca Salamun stiftet vor seinem selbstbestimmten Tod eine stille Konspiration der Liebe. Eingeweiht werden zunächst nur die Söhne und deren Frauen. Der Sohn Luca Salamun - selbst Vater eines neunjährigen Kindes - spürt der Vergangenheit nach. Nachdem er vor Jahren den Kontakt zu den Eltern fast abgebrochen hat, versetzt er sich nun umso intensiver in die Lage seines Vaters, eines Bridgemeisters und Mathematikers, der mit 75 Jahren nach einem Krebsbefund beschlossen hat, sich nicht operieren zu lassen. Luca versucht, auch seine Mutter zu verstehen, die ein Geheimnis mit sich trägt, das sie nicht preisgeben will. Welche Gedanken gehen dem frei gewählten Doppel-Tod voraus? Und wie reagieren die Hinterbliebenen? Der Vater Paul Salamun lässt im winterlichen Engadin während der letzten Wanderung mit seiner Frau Franca sein Leben Revue passieren. Schlemm, der Kontrakt, bei dem der Bridgespieler zwölf Stiche machen muss, stellt ein Ziel in seinem Denkgebäude dar. Luca hofft, die Beweggründe Pauls und Francas zu begreifen, um seiner Tochter eines Tages erklären zu können, was mit den Großeltern geschehen ist. Doch zu seiner Überraschung entdeckt er, dass er selbst Teil der elterlichen Verschwörung ist. Aufgeteilt in zwei dominierende Perspektiven, die des Sohnes Luca und die des Vaters Paul, nähert sich der Autor wie in einer literarischen Partie Bridge den entscheidenden Ereignissen und entwirft dabei ein fesselndes Familienporträt, das einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion um die Patientenautonomie am Lebensende leistet, ohne sich in den Dienst der Debattierenden zu stellen.

Klappentext

»Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt Bardola das Drama dieses angekündigten Todes.«
Focus

»Wie gute Literatur immer sensibilisiert dieser Roman und lässt den Horizont offen.«
Neue Zürcher Zeitung

»Selten hat ein Buch derart nachhaltige Diskussionen ausgelöst.«
Frankfurter Rundschau -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Nicola Bardola, geboren 1959 in Zürich, arbeitet nach Stationen als Redakteur und Verlagslektor seit 1999 als freier Journalist und Übersetzer. Seit 1985 verfolgt er engagiert die Entwicklung des Kinder- und Jugendbuchmarktes und setzt sich auch für die Leseförderung ein.

Auszug aus Schlemm Roman von Nicola Bardola. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Luca spürt den Stoß im Rücken, wehrt sich gegen den Fall, will sich umdrehen, nicht um zu sehen, wer ihn stieß, sondern um Gewissheit zu bekommen, ob seine Eltern mit dem Stoß einverstanden sind.

Das Telefon klingelt. Die Tochter schläft. Die Frau sieht im Wohnzimmer fern.
Mit dem Hörer in der Hand ist er sofort Sohn. Vor etwa einer Stunde hatte er seiner neunjährigen Tochter noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen.
Der Vater fragt, ob er den Termin wissen wolle. Es ist kein gewöhnlicher Termin, sondern eine Deadline. Der neunte Dezember.

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