Aus der Amazon.de-Redaktion
Luca und sein Bruder Reto waren nicht unvorbereitet. Vor vier Monaten hatte Paul Salamun jede weitere Behandlung an seinem schweren Blasentumor verweigert. "Lebenssatt", so hatte Franca, seine Frau, ihren Zustand beschrieben. Zufrieden, ohne Probleme, alles Wichtige gesehen, gehört, gefühlt. Lebenssatt, eben. Luca, versorgt mit den täglich eintrudelnden Tagebuchskizzen seines Vaters, vertieft sich in die Rätselwelt seiner Eltern, die zwischen Symbiose und schierer Unmöglichkeit oszillierte -- und die nun an ihrem (natürlichen?) Endpunkt angelangt war. Der geniale Schweizer Bridge-Meister und Mathematiker Paul (der merkwürdige Romantitel bezieht sich auf den eingedeutschten Bridge-Terminus "Slam") -- und seine schöne Franca. Welches Geheimnis verbindet die beiden bis in den Tod?
Zwischen den Kindern entbrennen heftige Diskussionen. Christina, Lucas Schwägerin, ist strikt dagegen. "Wozu braucht es mehr Mut? Alt werden und bis zuletzt kämpfen oder frühzeitig Schluss machen?" Sie hält die Angst der Mutter vor dem Altern lediglich für "das Problem einer besonders schönen Frau." In der eisig klaren Luft des Engadin werden die letzten großen Denkgebäude über Leben und Tod errichtet. Montaigne, Jean Améry, Seneca und Franz Werfel assistieren. In maßvollem und nachdenklichem Ton, der keine schrille Note zulässt, verfasst Nicola Bardola das beeindruckende Requiem zu Ehren seiner Eltern, die ihm längst abhanden gekommen schienen. Und -- er lernt, den "Schlemm" zu begreifen. Ein literarisches Debüt, vor dem man den Hut zieht. --Ravi Unger
kulturnews.de
Pressestimmen
"Bardolas Buch spielt in der Schweiz - und trifft in Deutschland einen Nerv. Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt der Autor das Drama dieses angekündigten Todes. Und rückt gerade dadurch, dass er sich entfernt, seine Leser ganz nah an die Eltern heran. Ihre Entscheidung wird verständlich und die Trauer der Familie beinahe körperlich spürbar ..." (Jobst Ulrich Brand, Focus)
"Gerade die Zurückhaltung des Autors bringt dem Leser die Figuren nahe: Nach ein paar Seiten befindet er sich derart in der Geschichte, dass er beginnt, die Positionen abzuwägen, so als müsste er sich am Ende selbst entscheiden. Der Blickwinkel auf den Tod verschiebt die Sicht auf das Leben, bringt scheinbar Banales in kausalen Zusammenhang und weckt Erinnerungen an längst vergangene Abschiede. Der Tod kommt dem Leben sehr nahe, nicht in seiner Bedrohung, sondern in der Art des Sterbens, die so überraschend stark von der Person abhängt, die gehen muss ..." (Laura Weissmüller, Süddeutsche Zeitung)
literature.de, September 2005
Abend Zeitung, 5. Oktober 2005
Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 13. Oktober 2005
Schweizer Buchhandel, 17/2005
Sonntag Aktuell, 16. Oktober 2005
Focus, 49/2005
Spiegel, 50/2005
Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2005
Stuttgarter Nachrichten, 11. Januar 2006
Kurzbeschreibung
Das Ehepaar Paul und Franca Salamun stiftet vor seinem selbstbestimmten Tod eine stille Konspiration der Liebe. Eingeweiht werden zunächst nur die Söhne und deren Frauen. Der Sohn Luca Salamun - selbst Vater eines neunjährigen Kindes - spürt der Vergangenheit nach. Nachdem er vor Jahren den Kontakt zu den Eltern fast abgebrochen hat, versetzt er sich nun umso intensiver in die Lage seines Vaters, eines Bridgemeisters und Mathematikers, der mit 75 Jahren nach einem Krebsbefund beschlossen hat, sich nicht operieren zu lassen. Luca versucht, auch seine Mutter zu verstehen, die ein Geheimnis mit sich trägt, das sie nicht preisgeben will. Welche Gedanken gehen dem frei gewählten Doppel-Tod voraus? Und wie reagieren die Hinterbliebenen? Der Vater Paul Salamun lässt im winterlichen Engadin während der letzten Wanderung mit seiner Frau Franca sein Leben Revue passieren. Schlemm, der Kontrakt, bei dem der Bridgespieler zwölf Stiche machen muss, stellt ein Ziel in seinem Denkgebäude dar. Luca hofft, die Beweggründe Pauls und Francas zu begreifen, um seiner Tochter eines Tages erklären zu können, was mit den Großeltern geschehen ist. Doch zu seiner Überraschung entdeckt er, dass er selbst Teil der elterlichen Verschwörung ist. Aufgeteilt in zwei dominierende Perspektiven, die des Sohnes Luca und die des Vaters Paul, nähert sich der Autor wie in einer literarischen Partie Bridge den entscheidenden Ereignissen und entwirft dabei ein fesselndes Familienporträt, das einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion um die Patientenautonomie am Lebensende leistet, ohne sich in den Dienst der Debattierenden zu stellen.
Klappentext
Focus
»Wie gute Literatur immer sensibilisiert dieser Roman und lässt den Horizont offen.«
Neue Zürcher Zeitung
»Selten hat ein Buch derart nachhaltige Diskussionen ausgelöst.«
Frankfurter Rundschau
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Auszug aus Schlemm Roman von Nicola Bardola. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das Telefon klingelt. Die Tochter schläft. Die Frau sieht im Wohnzimmer fern.
Mit dem Hörer in der Hand ist er sofort Sohn. Vor etwa einer Stunde hatte er seiner neunjährigen Tochter noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen.
Der Vater fragt, ob er den Termin wissen wolle. Es ist kein gewöhnlicher Termin, sondern eine Deadline. Der neunte Dezember.