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Luca und sein Bruder Reto waren nicht unvorbereitet. Vor vier Monaten hatte Paul Salamun jede weitere Behandlung an seinem schweren Blasentumor verweigert. "Lebenssatt", so hatte Franca, seine Frau, ihren Zustand beschrieben. Zufrieden, ohne Probleme, alles Wichtige gesehen, gehört, gefühlt. Lebenssatt, eben. Luca, versorgt mit den täglich eintrudelnden Tagebuchskizzen seines Vaters, vertieft sich in die Rätselwelt seiner Eltern, die zwischen Symbiose und schierer Unmöglichkeit oszillierte -- und die nun an ihrem (natürlichen?) Endpunkt angelangt war. Der geniale Schweizer Bridge-Meister und Mathematiker Paul (der merkwürdige Romantitel bezieht sich auf den eingedeutschten Bridge-Terminus "Slam") -- und seine schöne Franca. Welches Geheimnis verbindet die beiden bis in den Tod?
Zwischen den Kindern entbrennen heftige Diskussionen. Christina, Lucas Schwägerin, ist strikt dagegen. "Wozu braucht es mehr Mut? Alt werden und bis zuletzt kämpfen oder frühzeitig Schluss machen?" Sie hält die Angst der Mutter vor dem Altern lediglich für "das Problem einer besonders schönen Frau." In der eisig klaren Luft des Engadin werden die letzten großen Denkgebäude über Leben und Tod errichtet. Montaigne, Jean Améry, Seneca und Franz Werfel assistieren. In maßvollem und nachdenklichem Ton, der keine schrille Note zulässt, verfasst Nicola Bardola das beeindruckende Requiem zu Ehren seiner Eltern, die ihm längst abhanden gekommen schienen. Und -- er lernt, den "Schlemm" zu begreifen. Ein literarisches Debüt, vor dem man den Hut zieht. --Ravi Unger
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das wahre Leben,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schlemm (Gebundene Ausgabe)
In Zeiten, in denen die öffentliche Diskussion um Sterbehilfe geprägt ist von diffusem Wissen, Betroffenheitskapriolen und moralischem Gefuchtel erscheint dieser Roman wie eine Erlösung: Der Autor Nicola Bardola fegt sämtliche Vorurteile vom Tisch, indem er einen Blick auf das wahre Leben eines Menschen wirft, der sich nichts mehr verbittet als Mitleid und theologische Seelenchirurgie. Dieser Mann, Paul Salamun, beschließt nach der Diagnose Blasenkrebs sich allen Operationen zu verweigern und sein (unabwendbares) Ende selbst zu bestimmen. Seine Frau Franca teilt seine Entscheidung, nicht nur aus Liebe, sondern vor allem aus tiefer Überzeugung. Für die erwachsenen Söhne des Ehepaares beginnt eine Phase der Ratlosigkeit, des Unverständnisses, des Zorns und des allmählichen Begreifens. Nicola Bardola erzählt ebenso nüchtern wie packend, nichts Pastoral-Belehrendes prägt sein Erstlingswerk, vielmehr gelingt ihm eine Geschichte von großer Wahrhaftigkeit, die zu lesen für jeden, der sich mit dem Thema Sterbehilfe auch nur am Rande beschäftigt, Pflicht sein sollte.
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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So eigenartig,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schlemm (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch macht fassungslos. Einerseits durch den Inhalt, andrerseits durch die Form. Man will erschüttert sein, und ist es nicht. Man will die Menschen, die da leben und sterben, packen und rütteln - und kann es nicht. Man will begreifen - und fasst es nicht. Und merkt Seite für Seite, dass der ewig präsente Tod kaum auszuhalten ist, man ihn am liebsten gar nicht mehr lesen möchte.Der Autor scheint selber nicht zu begreifen, was da passiert. Er wirkt beunruhigend emotionslos, wie abgespalten, wenn er über das Unbegreifliche schreibt. Wir Leser könnten schreien. Aber es ist nicht unser Leben, es ist nicht unsere Familie, die so entscheidet. Und doch könnte es unsere sein ... Ein komponiertes, kluges, kalkulierendes Buch. Als Bridgespieler würde man noch mehr in die Tiefen der Symbolik und Anspielungen hinabsteigen können. Aber es reicht auch so schon. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Berührend,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schlemm (Gebundene Ausgabe)
Berührend, aber nicht rührselig ist dieses Familienportrait von Nicola Bardola, das ein brandheißes Thema aktualisiert, ohne auch nur im geringsten sensationslüstern damit umzugehen. Im Gegenteil, der Roman zeichnet sich durch Sachlichkeit und eine hohe literarische Qualität aus und empfiehlt sich allen, für die das Sterben kein Tabu-Thema ist, mehr noch allerdings jenen, die es aus ihrem Leben auszuklammern hoffen.
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