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Schlemm [Gebundene Ausgabe]

Nicola Bardola
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, Ungekürzte Ausgabe --  

Kurzbeschreibung

2005
Von der Liebe über den Tod hinaus
Das Ehepaar Paul und Franca Salamun stiftet vor seinem selbstbestimmten Tod eine stille Konspiration der Liebe. Eingeweiht werden zunächst nur die Söhne und deren Frauen. Der Sohn Luca Salamun - selbst Vater eines neunjährigen Kindes - spürt der Vergangenheit nach. Nachdem er vor Jahren den Kontakt zu den Eltern fast abgebrochen hat, versetzt er sich nun umso intensiver in die Lage seines Vaters, eines Bridgemeisters und Mathematikers, der mit 75 Jahren nach einem Krebsbefund beschlossen hat, sich nicht operieren zu lassen. Luca versucht, auch seine Mutter zu verstehen, die ein Geheimnis mit sich trägt, das sie nicht preisgeben will. Welche Gedanken gehen dem frei gewählten Doppel-Tod voraus? Und wie reagieren die Hinterbliebenen? Der Vater Paul Salamun lässt im winterlichen Engadin während der letzten Wanderung mit seiner Frau Franca sein Leben Revue passieren. Schlemm, der Kontrakt, bei dem der Bridgespieler zwölf Stiche machen muss, stellt ein Ziel in seinem Denkgebäude dar. Luca hofft, die Beweggründe Pauls und Francas zu begreifen, um seiner Tochter eines Tages erklären zu können, was mit den Großeltern geschehen ist. Doch zu seiner Überraschung entdeckt er, dass er selbst Teil der elterlichen Verschwörung ist. Aufgeteilt in zwei dominierende Perspektiven, die des Sohnes Luca und die des Vaters Paul, nähert sich der Autor wie in einer literarischen Partie Bridge den entscheidenden Ereignissen und entwirft dabei ein fesselndes Familienporträt, das einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion um die Patientenautonomie am Lebensende leistet, ohne sich in den Dienst der Debattierenden zu stellen.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
  • Verlag: A 1 Verlagsges.; Auflage: 1. Aufl. (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3927743798
  • ISBN-13: 978-3927743793
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 391.015 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kein gewöhnlicher Termin, sondern eine Deadline, hatte der Vater gesagt. Mit dieser wortwörtlich grausamen Zeitvorgabe beginnt für die Kinder eine neue Zeitrechnung. Und für den Leser das außergewöhnliche Dokument eines Abschieds. Eben hat Luca den ominösen Anruf erhalten. Am 9. Dezember werden die Eltern gemeinsam aus dem Leben scheiden. Die Schweizer Option. "Elf Tage lang wird Luca noch Sohn sein." Was im Roman "ROWS" genannt wird -- Right of Way Society, das Recht auf den eigenen Weg -- heißt im realen Schweizer Leben "Exit", eine Sterbehilfeorganisation. Der Autor Nicola Bardola weiß, wovon er redet. So verabschiedeten sich die eigenen Eltern aus ihrem Leben. Ein schwerer Gang, am schwersten für die Kinder, wie es scheint!

Luca und sein Bruder Reto waren nicht unvorbereitet. Vor vier Monaten hatte Paul Salamun jede weitere Behandlung an seinem schweren Blasentumor verweigert. "Lebenssatt", so hatte Franca, seine Frau, ihren Zustand beschrieben. Zufrieden, ohne Probleme, alles Wichtige gesehen, gehört, gefühlt. Lebenssatt, eben. Luca, versorgt mit den täglich eintrudelnden Tagebuchskizzen seines Vaters, vertieft sich in die Rätselwelt seiner Eltern, die zwischen Symbiose und schierer Unmöglichkeit oszillierte -- und die nun an ihrem (natürlichen?) Endpunkt angelangt war. Der geniale Schweizer Bridge-Meister und Mathematiker Paul (der merkwürdige Romantitel bezieht sich auf den eingedeutschten Bridge-Terminus "Slam") -- und seine schöne Franca. Welches Geheimnis verbindet die beiden bis in den Tod?

Zwischen den Kindern entbrennen heftige Diskussionen. Christina, Lucas Schwägerin, ist strikt dagegen. "Wozu braucht es mehr Mut? Alt werden und bis zuletzt kämpfen oder frühzeitig Schluss machen?" Sie hält die Angst der Mutter vor dem Altern lediglich für "das Problem einer besonders schönen Frau." In der eisig klaren Luft des Engadin werden die letzten großen Denkgebäude über Leben und Tod errichtet. Montaigne, Jean Améry, Seneca und Franz Werfel assistieren. In maßvollem und nachdenklichem Ton, der keine schrille Note zulässt, verfasst Nicola Bardola das beeindruckende Requiem zu Ehren seiner Eltern, die ihm längst abhanden gekommen schienen. Und -- er lernt, den "Schlemm" zu begreifen. Ein literarisches Debüt, vor dem man den Hut zieht. --Ravi Unger

Pressestimmen

"Nicola Bardola nähert sich den Themen Sterbe- und Freitodhilfe in ausgefeilter Form und Sprache (...) Dieser Roman ist wichtiger Zündstoff für eine mündige Gesellschaft, die Ethik und Menschenwürde äußerst ernst nimmt ..." (Ute Hoffahrth, Nachtkultur, Südwest Fernsehen)

"Bardolas Buch spielt in der Schweiz - und trifft in Deutschland einen Nerv. Knapp, nüchtern, lakonisch erzählt der Autor das Drama dieses angekündigten Todes. Und rückt gerade dadurch, dass er sich entfernt, seine Leser ganz nah an die Eltern heran. Ihre Entscheidung wird verständlich und die Trauer der Familie beinahe körperlich spürbar ..." (Jobst Ulrich Brand, Focus)

"Gerade die Zurückhaltung des Autors bringt dem Leser die Figuren nahe: Nach ein paar Seiten befindet er sich derart in der Geschichte, dass er beginnt, die Positionen abzuwägen, so als müsste er sich am Ende selbst entscheiden. Der Blickwinkel auf den Tod verschiebt die Sicht auf das Leben, bringt scheinbar Banales in kausalen Zusammenhang und weckt Erinnerungen an längst vergangene Abschiede. Der Tod kommt dem Leben sehr nahe, nicht in seiner Bedrohung, sondern in der Art des Sterbens, die so überraschend stark von der Person abhängt, die gehen muss ..." (Laura Weissmüller, Süddeutsche Zeitung)

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5.0 von 5 Sternen Das wahre Leben 18. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
In Zeiten, in denen die öffentliche Diskussion um Sterbehilfe geprägt ist von diffusem Wissen, Betroffenheitskapriolen und moralischem Gefuchtel erscheint dieser Roman wie eine Erlösung: Der Autor Nicola Bardola fegt sämtliche Vorurteile vom Tisch, indem er einen Blick auf das wahre Leben eines Menschen wirft, der sich nichts mehr verbittet als Mitleid und theologische Seelenchirurgie. Dieser Mann, Paul Salamun, beschließt nach der Diagnose Blasenkrebs sich allen Operationen zu verweigern und sein (unabwendbares) Ende selbst zu bestimmen. Seine Frau Franca teilt seine Entscheidung, nicht nur aus Liebe, sondern vor allem aus tiefer Überzeugung. Für die erwachsenen Söhne des Ehepaares beginnt eine Phase der Ratlosigkeit, des Unverständnisses, des Zorns und des allmählichen Begreifens. Nicola Bardola erzählt ebenso nüchtern wie packend, nichts Pastoral-Belehrendes prägt sein Erstlingswerk, vielmehr gelingt ihm eine Geschichte von großer Wahrhaftigkeit, die zu lesen für jeden, der sich mit dem Thema Sterbehilfe auch nur am Rande beschäftigt, Pflicht sein sollte.
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So eigenartig 16. Februar 2006
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch macht fassungslos. Einerseits durch den Inhalt, andrerseits durch die Form. Man will erschüttert sein, und ist es nicht. Man will die Menschen, die da leben und sterben, packen und rütteln - und kann es nicht. Man will begreifen - und fasst es nicht. Und merkt Seite für Seite, dass der ewig präsente Tod kaum auszuhalten ist, man ihn am liebsten gar nicht mehr lesen möchte.

Der Autor scheint selber nicht zu begreifen, was da passiert. Er wirkt beunruhigend emotionslos, wie abgespalten, wenn er über das Unbegreifliche schreibt. Wir Leser könnten schreien. Aber es ist nicht unser Leben, es ist nicht unsere Familie, die so entscheidet. Und doch könnte es unsere sein ...
Ratlos ist man die ganze Zeit, ratlos steht man auch am Ende da. Wie die Überlebenden. Antworten hat man keine und ist froh und dankbar, "noch" keine haben zu müssen.

Ein komponiertes, kluges, kalkulierendes Buch. Als Bridgespieler würde man noch mehr in die Tiefen der Symbolik und Anspielungen hinabsteigen können. Aber es reicht auch so schon.
"Schlemm" schmeckt eigenartig schal und zugleich bitter. Danach muss man erst einmal wieder eine Portion Leben zu sich nehmen. Fest steht: Dieses Buch wirkt und wer es gelesen hat, wird es nicht vergessen. Und was kann man einem Buch, was kann man Menschen, die in diesem Buch leben, mehr wünschen?

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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührend 2. November 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Berührend, aber nicht rührselig ist dieses Familienportrait von Nicola Bardola, das ein brandheißes Thema aktualisiert, ohne auch nur im geringsten sensationslüstern damit umzugehen. Im Gegenteil, der Roman zeichnet sich durch Sachlichkeit und eine hohe literarische Qualität aus und empfiehlt sich allen, für die das Sterben kein Tabu-Thema ist, mehr noch allerdings jenen, die es aus ihrem Leben auszuklammern hoffen.
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