In Zeiten, in denen die öffentliche Diskussion um Sterbehilfe geprägt ist von diffusem Wissen, Betroffenheitskapriolen und moralischem Gefuchtel erscheint dieser Roman wie eine Erlösung: Der Autor Nicola Bardola fegt sämtliche Vorurteile vom Tisch, indem er einen Blick auf das wahre Leben eines Menschen wirft, der sich nichts mehr verbittet als Mitleid und theologische Seelenchirurgie. Dieser Mann, Paul Salamun, beschließt nach der Diagnose Blasenkrebs sich allen Operationen zu verweigern und sein (unabwendbares) Ende selbst zu bestimmen. Seine Frau Franca teilt seine Entscheidung, nicht nur aus Liebe, sondern vor allem aus tiefer Überzeugung. Für die erwachsenen Söhne des Ehepaares beginnt eine Phase der Ratlosigkeit, des Unverständnisses, des Zorns und des allmählichen Begreifens. Nicola Bardola erzählt ebenso nüchtern wie packend, nichts Pastoral-Belehrendes prägt sein Erstlingswerk, vielmehr gelingt ihm eine Geschichte von großer Wahrhaftigkeit, die zu lesen für jeden, der sich mit dem Thema Sterbehilfe auch nur am Rande beschäftigt, Pflicht sein sollte.