Der fingerdicke Band ist ein guter Ausgangspunkt für ein Programm zur Änderung dickmachender Lebensgewohnheiten, erfordert aber eine beträchtliche Eigeninitiative des Lesers, denn das Buch gibt nur die grobe Marschrichtung vor und bleibt die Einzelheiten der Umsetzung schuldig. Das Grundkonzept ist praxisbezogen und ganzheitlich orientiert. Es beschränkt sich nicht auf die Inhaltsstoffe von Speisen, sondern bezieht auch Bewegungsübungen, Motivationstricks, Tipps für Restaurantbesuche, Rezepte für Gäste und praktisches Hintergrundwissen mit ein. Die Lebensmittel werden nach dem "glykämischen Index" eingeteilt, der ihre blutzuckersteigernde und damit fettspeichernde Wirkung misst.
Die Autoren, ein Ärzte-Ehepaar, bleiben jedoch an der Oberfläche. Die Liste empfehlenswerter bzw. zu meidender Lebensmittel ist viel zu kurz, Anleitungen für einfache Konditionsübungen oder Muskelübungen (ohne Hanteln) fehlen und viele Fragen bleiben offen: ab wieviel Prozent Fett ist Milch "fettarm" (schließlich enthält die Milch im Handel bereits weniger Fett als die frische Kuhmilch!), was sind Kohlehydrate, was ist mit "effektivem Einkaufen" gemeint? Auf die säure- oder basenbildende Wirkung der Speisen sowie Magenverträglichkeit (Blähungen etc.) wird gar nicht eingegangen.
Die Präsentation des Programms lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Es beginnt bei unnötigen Fachausdrücken (Metabolismus, antioxidative Wirkung, aerober Stoffwechsel) und teilweise unverständlichen Formulierungen (z.B. "mit 60% der max. Herzfrequenz 15 Min trainieren" - als ob man seine Herzfrequenz bewusst einstellen könnte!). Beim Verweis auf eine Tabelle mit "schlechten" Kohlehydraten wird eine falsche Seitenzahl genannt (222) und auf der richtigen Seite (220) kommt das Wort "Kohlehydrate" überhaupt nicht vor. Widersprüche ergeben sich, wenn z.B. das Fett im Lachs als gesund bezeichnet wird (S.23), später aber geraten wird, Lachs wegen seines hohen Fettgehalts zu meiden (S.223). Eine halbseitige Beschreibung, wie man Brot mit Hüttenkäse bestreicht und mit einer Tomatenscheibe belegt, als Rezept zu präsentieren (S.98) ist schon eine Zumutung. Schließlich ist auch die Formel für den Bodymassindex (BMI) falsch angegeben: "60:1,65x1,65" (bei 60 kg Gewicht und 165 cm Größe). Richtig wäre 60:(1,65x1,65), was 22 ergibt, während bei der falschen Formel 60 herauskommt.
Auch das Layout könnte besser sein. Der eineinhalbzeilige Abstand, viele halbleere Seiten und übergroße Fotos blähen den Buchumfang unnötig auf, die Abbildungen sind prinzipiell an zwei Rändern abgeschnitten und haben teilweise keinen Bezug zum Inhalt. 15 Frauengesichter in Großaufnahme sind zwar nett anzusehen, aber entbehrlich. Insgesamt bietet der Ratgeber also gute Ansatzpunkte, aber zu wenig Umsetzungsstrategien, was seinen Nutzwert m.E. deutlich verringert. Daher vergebe ich nur zwei Sterne.