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Wieder einmal englisches Reihenhaus. Wie schon in Die Schandmaske sind es die weiten Ebenen des unteren Mittelstandes, die Walters faszinieren. Der Fall ereignet sich 1979. Anscheinend ist ein Unfall geschehen, eine Außenseiterin liegt tot am Straßenrand. Nur die Erzählerin behauptet nachdrücklich, es sei Mord gewesen. Das klingt so verrückt, dass ihr niemand glaubt. Nicht einmal der eigene Ehemann. Am Beginn steht daher eine fast zerrüttete Ehe. Das geht ins Ausland, ganz weit weg, kommt nach zwei Jahrzehnten zurück. Hier setzt die Erzählung ein. Die Frau hat nicht vergessen können und macht sich an die Rekonstruktion jenes für alle anderen längst geklärten Todesfalls.
Zwischen den Zeilen ist auch in diesem Walters-Buch von den sozialen Verwerfungen die Rede, die mit den Reformen Margret Thatchers kamen und die das Leben in England umgekrempelt haben. Ein Psycho- oder ein Sozialdrama? Es ist beides und das macht die Kunst der Walters aus. Fünf spannungsreiche Stunden! (Spieldauer 5:11 Stunden) --Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Ungewöhnlich war die Art der Schilderung, diesmal in der ersten Person, aus Sicht von Mrs. Ranelagh, in deren Armen Annie Butts 1978 starb. Obwohl Mrs. Ranelagh mit ihrer Forderung nach einer genauen Untersuchung zu Annies Tod gescheitert war, und im Zuge dessen fast für verrückt erklärt wurde, verbringt sie die nächsten 20 Jahre damit, Informationen zu sammeln, um eine erneute Untersuchung zu erzwingen.
Die eigentlichen Beweggründe für den „Kreuzzug" von Mrs. Ranelagh bleiben dabei nebulös. Geht es um Gerechtigkeit oder vielleicht doch nur um Rache ? Nach und nach wird klar, was im November 1978 wirklich geschah, und in bester Minette-Walters-Tradition verschlägt es einem dabei nicht nur einmal den Atem. Die von Haß und Neid erfüllte Atmosphäre wird fast greifbar, und was bei einem anderen Autor leicht ins Theatralische umschlagen könnte, wird hier zu einer eindringlichen Milieustudie.
Fazit : Nach dem etwas enttäuschenden „Wellenbrecher" läuft Minette Walters hier wieder zu Hochform auf. Als Warnung für alle mit schwachen Nerven (oder Mägen) sei jedoch gesagt, daß die Autorin dem Leser ziemlich viel abverlangt und „Schlangenlinien" keinesfalls leichte Kost ist.
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