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Schlager, die wir nie vergessen
 
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Schlager, die wir nie vergessen [Taschenbuch]


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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Reclam, Leipzig; Auflage: 2 (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3379015830
  • ISBN-13: 978-3379015837
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 902.236 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Vom Geist des Gassenhauers

Schlager, die wir nie vergessen

57 Schlager auf einen Streich! Die Herausgeber heissen tatsächlich Max und Moritz (Rufname Rainer) und sind mutig für die Reclam-Verlage in Stuttgart und Leipzig tätig. Diesmal konnten sie hochkarätige Intellektuelle anstiften, Literaturprofessoren, Feuilletonchefs, Kulturschaffende in Abendstudios und Nachtcafés, wahre Dichter (unerlässlich auch ein Spezialist für «Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit», ein Redaktor für «Architektur und Denkmalpflege» und eine kundige Wagner-Urenkelin). Aufmunternd müssen sie ihnen zugerufen haben: vorbei die Zeiten, da nicht sein konnte, was nicht sein darf! Das niedere Kulturgut hat Hochkonjunktur. Der Schlager lebt.

Was bisher fehlte, war der analytische Geist, der das leichte Liedgut ernst nahm, der einmal verständlich am Text (und, wenn befähigt, an der musikalischen Durchführung) erklärte, wie und warum der süsse unsinnige Schmelz mitten im Herzen einschlug. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind ergreifend. Drei Dutzend Interpreten der Jahrgänge 1935 (Karl Riha: «Capri-Fischer») bis 1972 (Kai Schreiber: «Weine nicht, kleine Eva») äussern sich zu «allerunvergesslichsten» Schlagern von der Nachkriegszeit bis in die Mitte der achtziger Jahre. Leider wagte man nicht, die behandelten Texte Strophe für Strophe abzudrucken, was den Nachvollzug der Auslegungen bis über die Schmerzgrenze hinaus ermöglicht hätte. Allein das Aufrufen einzelner Titel darf Gänsehaut erregen: «Wir wollen niemals auseinandergehn», «Tanze mit mir in den Morgen hinein», «Da sprach der alte Häuptling der Indianer», «Mit siebzehn hat man noch Träume» und «Ganz in Weiss». Dann: «Deine Spuren im Sand» und «Über sieben Brücken musst du gehn» und so fort.

Schlimm? Schon, aber noch viel schlimmer, als wir dachten: weil wahr, weil entlarvend wie ein Nierentisch. Denn bisher konnten wir summend übersehen, dass die Capri-Fischer gegen das Trümmerdeutschland ausfuhren und die einzupackende Badehose zu einer neuen Unschuld der Nachkriegszeit überreden wollte (Barbara Stang). Oder dass in Drafi Deutschers «Marmor, Stein und Eisen bricht» (Brigitte Kronauer) revolutionärer Aufruhr pocht: dam dam. Und das «Kalkutta» des Engadiners Vico Torriani (Peter von Matt) liegt weniger am Ganges als am Ufer der französischen Aussprache des Namens «Calcutta»: «Quel cul t'as». So zielt das brave Liedlein unversehens auf den schönen Hintern Madeleines, der nur unerkannt umsungen werden darf.

Die philologisch geschulten Textausleger nähern sich gelassen mit allem handwerklichen Raffinement dem Stoff der unverwüstlichen Träume in ihrer Motivik zwischen «memento mori und carpe diem» (Jürgen Roth anlässlich «Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand»). Je nach Neigung arbeitet man soziologisch, werkimmanent oder auch biographisch orientiert. Dieter Bartetzko zeigt Caterina Valente als den dunklen Gegentyp zur blonden Arierin. Sie ist ein Zwitterwesen, eine «deutsche Katrin», in der der Typ der «jungen Jüdin» überlebt hat und die nun 1957 sanft (Belafonte adaptierend) von Rassenproblematik singen darf «Wo meine Sonne scheint».

Was uns «Mama» (Martin Halter) sagt im Jahr der Studentenbewegung, sei nicht verraten. Aber hinter Peter Alexanders «Hier steht ein Mensch» steht Robert Gernhard und erinnert an Zeiten, da es in Deutschland noch populärer war, Fremde freundlich aufzunehmen. Vermutlich leisten die Interpretationen der Schlager am geschluchzten Detail mehr zur Verständlichkeit von vierzig Jahren deutschen Zeitgeists als manche Kulturgeschichte im Überblick. Man möge sie in den Goethe-Instituten auslegen.

Angelika Overath


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Das Buch rezensiert nicht 30, sondern 57 Schlagertexte, es will nicht sachlich sein, da hier Erlebniswelten und verknüpfte Erinnerungen wiedergegeben werden, vor allem aber ist es nicht kitschig. Man erfährt viel, weniger über die Schlager selbst, als vielmehr über alles seinerzeit drumherum. Wussten Sie, dass Georg Buschor (Texter von "zwei kleine Italiener" oder "Schuld war nur der Bossa Nova") Philosoph und Theaterwissenschaftler ist? Oder dass der Schlager "so schön kann doch kein Mann sein" zeitgleich mit dem Ende der Ära Brandt gesummt wurde? Na bitte, was braucht man da noch eine wissenschaftliche Textanalyse (bei der dünnen Substanz der meisten Texte ohnehin nicht möglich!). Jambalaya! ruft der Senor, und dann küßt er, Jambalaya! und die er küßt, die vergißt er ... Übersetzen Sie mal Jambalaya (Reispfannengericht!) - und da, wo Jambalaya herkommt, gibt es auch keinen Senor - und nun singen Sie die übersetzte Version. Soviel zum Thema Schlager und soviel dazu, was ein solches Buch will und kann. Nichts für den Abituraufsatz und die Kleinen, die wissen wollen, ob es vor Hiphop schon Musik gab, aber unverzichtbar und lohnenswert für alle anderen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Daniel
In diesem Buch werden ca. 30 bekannte Schlager von "Pack die Badehose ein" bis "Männer" von verschiedenen Autoren auf verschiedene Art und Weise unter die Lupe genommen. Teils auf ironisch, teils auf ernste Art schreiben die Autoren über diese bekannten Schlager. Dabei mag der ein oder andere seine subjektiven Empfindungen nicht verstecken. So finden sich zu den Liedern aus den 50ern positive Kritik und zu den 80ern wird es da schon ziemlich krass negativ. Den Artikeln fehlt es an einer Sachlichkeit, wodurch das Buch so kitschig wirkt. Ich finde das schade, da es mich wirklich interessiert hätte, wie der ein oder andere Schlager aufgebaut wäre und warum der ein oder andere Liedtext so geschrieben wurde. Der ein oder andere Ansatz ist zwar da, aber das war's auch schon dann. Trotzdem ist es zum einmal drin lesen interessant
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