physiopraxis, Oktober, Heft 10, 2007
Anschaulich zeigt dieses aktuelle Buch, dass die Schlaganfallrehabilitation in den letzten Jahren einen enormen wissenschaftlichen Aufschwung erlebt hat. International publizierende Autoren zeichnen anhand interessant geschriebener Kapitel die Konjunktur nach. Man findet eine große fachliche Bandbreite, beginnend beim motorischen Lernen über die Plastizität bis hin zur Behandlung der Ataxie und der Beschreibung des Neglekts. Einzelne Kapitel entstanden aus Vorträgen eines Symposiums zur Schlaganfallrehabilitation anlässlich des physiokongresses 2006. (...) Fazit: Ein sehr interessantes Buch zur Rehabilitation von Patienten nach Schlaganfall. Es ist sowohl Anfängern in der neurologischen Rehabilitation als auch erfahrenen Therapeuten zu empfehlen. Der Preis ist bei der gebotenen Fülle an Informationen gerechtfertigt. (Dr. Jan Mehrholz, Physiotherapeut)
Nervenheilkunde, Heft 3/2008, 18. April 2008
Die Basis des vorliegenden Buches bildete eine Reihe von Referaten anlässlich eines Fortbildungssymposiums im Jahre 2006 über den Schlaganfall und seine Rehabilitation, ergänzt durch zusätzlich angeforderte Arbeiten zu weiteren wichtigen Teilbereichen des Themas. Der Leser sollte aber keine umfassende Darstellung der Schlaganfallrehabilitation erwarten, denn einige wichtige Themen wie die Therapie der Aphasie und anderer Sprachstörungen bleiben ausgeklammert. Die nun vorliegende Zusammenstellung soll für die an der motorischen Rehabilitation interessierten Physiotherapeuten und Ärzte einen gemeinsamen Informationsstand schaffen. Die Kapitel betreffen das motorische Lernen, die dabei eine Rolle spielenden Einflussgrößen und ihre Optimierung, die Grundlagen prozedualen und motorischen Lernens, das mentale Training und die Spiegeltherapie, die Plastizität des Zentralnervensystems, die medikamentösen Einflussmöglichkeiten bei der motorischen Rehabilitation, das motorische Assessment mit der Beschreibung vieler Tests und Skalen zu Einzelfragen, die individuelle Zielsetzung der Schlaganfallrehabilitation, die Bedeutung der Physiotherapie für das Behandlungsergebnis und die hierzu vorhandenen evidenzbasierten Verfahren, die Ataxie, Einzelbereiche wie Behandlung der Spastik, Kreislauf- und Gesundheitstraining. die pathophysiologischen Grundlagen des Hirninfarktes, Risikofaktoren, Apraxie, Neglect, psychische und neuropsychologische Komorbiditäten. In der Reihenfolge der abgehandelten Themen vermisst der Rezen-sent eine durchgehende klare Linie und inhaltliche Ordnung. Zu den Hauptaufgaben des Physiotherapeuten gehört die Wiederherstellung der Gehfähigkeit nach dem Insult und die Verbesserung der Armfunktionen, und er muss dem Patienten vermitteln, wie dieser mit den krankheitsbedingten bleibenden Defiziten im Alltag zurechtkommen kann. In der Therapie der gestörten Motorik ist manches gesichert, anderes fraglich. Gesicherte Erkenntnis ist, dass eine früh, möglichst schon wenige Tage nach dem akuten Ereignis einsetzende intensive Physiotherapie bessere und nachhaltigere Resultate liefert als eine später beginnende und weniger konsequente Behandlung. Für die speziellen, in der Schlaganfallrehabilitation eingesetzter; Techniken wie z. B. das Bobarth-Konzept ist bisher nicht erwiesen, dass sie zu besseren Ergebnissen führen als eine herkömmliche Behandlung. In einem Review konnten die Autoren noch nicht einmal Evidenz dafür finden, dass solche spezifischen Behandlungsansätze bessere funktionelle Ergebnisse erzielen "als reine Versorgung und pflegerische Betreuung". Das gilt auch für bilaterales Üben. Generell ergibt sich als Resümee, dass Patient, Arzt und Physiotherapeut eng zusammenwirken und gemeinsam das realistische Ziel der Rehabilitation festlegen müssen, denn das tatsächliche Therapieergebnis wird nicht zuletzt von der Effizienz dieser Kooperation abhängen. Eine nützliche Lektüre für alle in der Rehabilitation aktiven Ärzte und Physiotherapeuten.
(D. Soyka, Kiel)