Über die 3 Gereon Rath Romane bin ich an dieses Buch hier geraten; ein Inspektor im Berlin von 1932 - ausgezeichnet, denn ich mag Stories die in der Vergangenheit spielen (besonders Sherlock Holmes, weil es auch damals verfaßt wurde besonders excellent...). Da können natürlich Autoren heute schwerlich mithalten, ist der Zeitwandler doch offensichtlich nie in der Lage die heutige Sprache abzuschütteln um die aus der Vergangenheit durchgehend benutzen zu können. Da obendrein auch noch das Original Englisch ist kann man dem Autor da natürlich nichts anlasten, höchsten der Übersetzung, die vieles hätte verbessern können statt es teilw. noch mehr zu versieben.
Nun noch eine kurze Sache, weshalb ich die Rath-Reihe so toll finde: Die Stadt und Szenerie ist gut beschrieben, bei der Sprache der Charaktere und beim Schreiben allgemein schafft Kutscher es ganz gut nicht allzuoft heutige Begriffe und Ausdrucksweise zu verwenden. Aber als wirklich dickstes Plus, der ganze Nazi-Auftritt ist doch sehr beschränkt und wenn sie denn auftauchen noch recht realistisch geschildert. Bekannte Personen treten nur indirekt auf.
All das erhoffte ich mir auch von Schlafwandler, aber leider wurde ich damit enttäuscht. Das Buch an sich ist zwar spannend und liest sich recht flott, auch die Szenerie der Vergangenheit wird umschrieben. Leider nicht so lebhaft wie bei den Rath-Krimis; dafür gibts eben zu wenig Umschreibung von nebensächlich-alltäglichen Dingen (finde ich).
Ohne vorab zuviel verraten zu wollen, aber als Warnung für jene die auch eher etwas suchen wie ich: Das Buch hat doch mehr Ähnlichkeiten mit "Vaterland" und anderen Stories die an die Nazi-Greuel anknüpfen und diese als Grundlage für weiteres als Basis nehmen.
Eben NICHT das gewesen, was ich wollte: Eine Story die einen lebhaft in den "Alltag" der Vergangenheit versetzt, sondern eine Abwandlung und Vorverlegung des NS-Grusels. Da das schon mit den ersten Hinweisen klar ist, leidet auch die Spannung die man als lesender Ermittler hat.
Auch mit anderen Inhalten wie Nudisten, Straßennutten, SM, und Strichjungs hätte ich in dem Szenario nicht gerechnet, paßt für mich irgendwie nicht so rein, genau wie die immer problematischen "Auftritte" von historischen Figuren; Hitler&Co. nur am Rande, v.Schleicher und Röhm schon mehr.
Lediglich die erzeugte Spannung, trotz der geringen Herausforderung in Sache "Wer ist Mörder", hat die Enttäuschung etwas abgemildert.
Aber wem "Vaterland" gefallen hat, dem würde ich auch dieses Buch empfehlen. Dem Rest bleibt nur, auf Raths 4. Fall zu warten und das auch in der Hoffnung, daß die Story weitgehend unpolitisch bleibt.