Aus der Amazon.de-Redaktion
Elisabeth Langgässer, geboren 1899 in Alzey, stammt aus einem jüdischen Elternhaus, arbeitet als Lehrerin und beginnt während dieser Zeit zu schreiben. Den ersten massiven Einbruch in ihrem Leben erfährt sie, als sie von dem jüdischen Rechtswissenschaftler und Sozialisten Heller schwanger wird. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Elisabeth Langgässer kündigt den Schuldienst, zieht nach Berlin und bringt dort ihre Tochter Cordelia zur Welt. Auf den Rat ihrer Freundin hin, die die Zahlung von Alimenten absichern möchte, wird auf der Geburtsurkunde des Mädchens der Name des Vaters eingetragen.
Eine Notiz, die sich in späteren Jahren für Cordelia als verhängnisvoll erweisen wird, denn exakt dieser Eintragung verdankt sie ihre spätere Verfolgung als Jüdin. Sie wird von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und gehört zu den wenigen Überlebenden dieses Konzentrationslagers.
Elisabeth Langgässer versucht ihre Tochter vor der Verfolgung als Jüdin zu retten, indem sie erlaubt, dass Cordelia von einem spanischen Ehepaar adoptiert wird. Dieser klug eingefädelte Schachzug nützt allerdings wenig, denn Cordelia wird von der Gestapo vorgeladen und erpresst: Sie soll wieder die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, andernfalls würde ihre Mutter belangt, da sie mit der Adoption deutsche Gesetze umgangen hätte. Cordelia erkennt zähneknirschend die deutsche Staatsbürgerschaft an, da sie die Mutter schützen will.
Frederik Hetmann, der dieses Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, stellt das schwierige Leben einer intellektuellen Frau während der Zeit des Dritten Reiches überzeugend dar. --Manuela Haselberger
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Elisabeth Langgässer war eine der bedeutendsten und umstrittensten Autorinnen der Nachkriegszeit. In diesem vollständig überarbeiteten und über weite Strecken neu geschriebenen Buch zeichnet Frederik Hetmann den Lebensweg Elisabeth Langässers einfühlsam und kritisch nach und bewertet in vielen Punkten ihr literarisches Werk neu.
Die Rose war ihre Lieblingsblume, ihr Sinnbild für Innerlichkeit und Poesie. Elisabeth Langgässer, katholische Christin und der Herkunft nach Halbjüdin, brachte 1929 ihre erste, uneheliche Tochter Cordelia zur Welt, deren Vater Jude war. Danach musste sie ihren Beruf als Lehrerin aufgeben; vor der bedrohlichen Realität des Dritten Reiches zog sie sich in die Welt ihrer Dichtungen zurück. In verhängnisvoller Weise verkannte sie den Rassenwahn der Nazis und wählte 1933 Hitler. 1936 wurde sie mit einem Veröffentlichungsverbot belegt, sie musste den Judenstern tragen, und 1944 wurde ihre Tochter, die nach den Rassengesetzen als Dreivierteljüdin galt, nach Auschwitz deportiert. Cordelia wurde gerettet, doch bis zu ihrem Tod 1950 warf sich Elisabeth Langgässer vor, nicht alles für die Rettung ihrer Tochter getan zu haben. In ihrem Buch Gebranntes Kind sucht das Feuer hat Cordelia Edvardson später ihre Sicht der Dinge geschildert. Frederik Hetmann befragte Elisabeth Langgässers Töchter und zahlreiche Zeitzeugen und stößt bei der Beschreibung realen Lebens immer wieder auf die existentiellen Grundfragen der Langgässerschen Romane: die Themen Glauben und Unglauben, Gut und Böse, Schuld und Verantwortung.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.