Ein kluges, packendes Buch, das die Kolonialgeschichte ebenso wie das heutige Leben in Südafrika lebendig werden lässt. Es gibt einen spannenden Einblick sowohl in ein Land voller Widersprüche und mit einer komplizierten Geschichte als auch in die menschliche Psyche an sich.
Der Roman wechselt zwischen zwei Geschichten, die 300 Jahre auseinander liegen: Die moderne Story ist ein Thriller, der sich um Inspector Februarie und den Mord an einer jungen Studentin dreht. Zuerst scheint klar auf der Hand zu liegen, wer der Mörder sein muss. Doch schon bald wird deutlich, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick aussieht - gerade nicht in einem Land, wo vieles schwarz und weiß zu sein scheint. Der Inspektor, der selbst keine makellose Vergangenheit aufweisen kann, gerät immer tiefer in ein Netz aus Vorurteilen, Schuld und Begierde.
Die zweite Geschichte spielt in den frühen Tagen Stellenboschs zur Zeit der Kolonialisierung des Kaps durch die Holländer. Sie handelt von dem skrupellosen Winzer van der Keesel und seiner Beziehung zu einer Sklavenfamilie. Van der Keesel entwickelt eine düstere Begierde für eine junge Sklavin, die ihn auf unerwartete Weise an Grenzen stoßen lässt, welche er als Kolonialherr nicht kennt oder erwartet.
Je weiter sich die beiden Geschichten entwickeln, desto mehr nähern sie sich einander an, bis sich schließlich eine überraschende Verbindung ergibt, die noch einmal zeigt, wie vielschichtig die Geschichte dieser Nation ist.
"Schlaf ein, mein Kind" ist ein Roman, der nicht nur ausgezeichnet geschrieben ist und viele ungewöhnliche Bilder findet, sondern es auch schafft, ein diffiziles Bild eines Landes und seiner Charaktere zu zeichnen. Eindeutig fünf Sterne! Nicht ohne Grund hat Andrew Brown dafür den angesehensten Preis Südafrikas gewonnen!