Das Buch beginnt sehr direkt mit einer schlichten Reflexion der Hauptfigur: »Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf. Ich spreche nicht von Schlaflosigkeit. Ich kann einfach nicht schlafen.« Weder ihrem Mann, einem erfolgreichen Zahnarzt, noch ihrem Sohn fällt auf, dass sie nicht schläft. Sie liest in jeder freien Minute, die nicht von den Verrichtungen des Alltags eingenommen werden, in 'Anna Karenina', trinkt Cognac und versinkt anscheinend in tranceähnliche Zustände. Sie trennt Körper, Seele und Geist. »Ich bin ein sich nach Schlaf sehnender Körper und ein Bewusstsein, das wach bleiben will.« Sie stellt scheinbar einfachste Sinnfragen: »Wohin war mein früheres Ich verschwunden, das wie besessen Bücher verschlungen hatte?« und beobachtet erstaunt: »Ich wundere mich darüber, dass meine eigenen Fußspuren von Wind fortgeweht werden, ehe ich Zeit habe, sie anzuschauen.«
Die surreale, fast kafkaeske Erzählung schwingt von einer einfachen, deklarativen Sprache der Alltäglichkeiten hinüber in die erweiterte Wahrnehmungswelt der unbenamten Protagonistin. Murakami erzählt vom gleichförmigen Leben mit Einkaufen, Schwimmen, Essen kochen, Sex aus der Ich-Sicht wie ein unbeteiligter Beobachter, taucht dann aber in eine eigenwillig aufregende, bedrohliche Schattenwelt ein. Illustriert wird diese durch 20 in Dunkelblau und Silber gehaltene Bilder der Illustratorin Kat Menschik, die die Gedankenwelt reflektieren und erweitern.
Es geht um den Sinn, das Leben, den Tod; und deren unbekannte oder unerkannte Unterschiede. Am Ende ist alles klarer - und erschreckender, gefährlicher in der geweiteten Realität.