"Billy Pilgrim has come unstuck in time" -- er hat sich von der Zeit gelöst. Das ganze ist passiert, als er im Dezember 1944 in Deutschland buchstäblich vom Himmel gefallen ist -- als 22jähriger Ersatzmann für einen gefallenen Militärmusiker. Seitdem irrt er zufällig durch Raum und Zeit seines Lebens, immer mit Herzklopfen, wo er wohl als nächstes landen wird. Billy findet nicht mal sein Regiment, das längst von der letzten deutschen Offensive zersprengt worden ist. Stattdessen mäandert er unbewaffnet und in lächerlicher Uniform hinter den Linien herum. Als ihn der 18jährige Roland Weary zum Soldaten trimmen will, werden beide von der Wehrmacht verhaftet. In dem Gefangenenlager, in das man Billy bringt, kann niemand etwas mit ihm anfangen, weil er weder Rang, noch Einheit zuzuordnen ist. Dafür erlebt er einen bizarren Morphium-Trip in einem Lazarett, bevor er auf Umwegen im Keller des Schlachthofs Nummer fünf ("Slauterhouse five") den Großangriff auf Dresden erlebt: Eine blühende Stadt wird in eine Mondlandschaft aus glühenden Trümmern und leblosem Menschenfleisch verwandelt. Im Jahr 1967 wird er von Außeridrischen zu dem Planeten Tralfamadore entführt, wo er als lebendiges Exponat in einem Zoo landet. Auf der Erde zurück lehrt er die tralfamadorische Philosophie, nach der man keinen Einfluss auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft habe, deren zeitliche Richtung nur eine Illusion sei. Damit wird er berühmt und nichts kann ihm mehr etwas anhaben -- nicht mal seine eigene Ermordung.
Jan Josef Liefers liest die für meinen Geschmack etwas unrunde deutsche Übersetzung des amerikanischen Originals mit feiner Intonation und Sensibiliät für die Funktion des Zynismus dieses Romans: der Krieg als Abfolge völlig abstruser Situationen, der nur zu bewältigen ist, wenn man völlig den Verstand verliert, was mit stoischer Lakonie kommentiert wird ("So geht das").
Beim Hören wurden mir einige andere Qualitäten meines Lieblingsromans bewusst: die thematische Vielfalt, wie individuelle Schicksale, gesellschaftliche Zusammenhänge und große Fragen des Daseins zusammengehen. Noch mehr aber Kurt Vonneguts nichtlineare Erzählkunst. Ich kenne keinen Roman, der so viele, doch immer kunstvolle und stimmige Zeitsprünge vollzieht.