Arbeiten über die Militärdoktinen der Warschauer Pakt-Streitkräfte kommen nach und nach auf den Markt, das ist bei dem steigenden Interesse am "Kalten Krieg" kein Wunder.
Hier nun ist ein Buch herausgekommen, welches irgendwie weder isch noch Fleisch ist. Der Einstand ist interessant gestaltet mit einer fiktiven Geschichte über eine kriegerische Auseinadersetzung NATO/Warschauer Pakt. Folgerichtig steht am Ende ein Kernwaffenschlag und die Vernichtung Deutschlands und Europas.
Danach folgen viele Seiten Zahlen, Doktinen etc, die man aber auch auf einer Seite zusammenfassen könnte:
Egal, wie es laufen würde, am Ende setzt der, der in Bedrängnis steht, Kernwaffen ein. Ergebnis: Totale Vernichtung.
Was das Buch etwas interessant macht ist der bei kritischem Lesen entstehende Eindruck, der aber dem Autorenteam gschuldet ist: Das Buch ist doch etwas pro-WP.
Ein Eindruck, sicher, aber nach zweimaligem Lesen bestärkt sich der Eindruck. Oder habe ich falsch hineininterpretiert?
Der Autor schlägt einige Haken, was die Hintergründe betrifft. Zum Einen schreibt er, dass die Doktrin des WP ab 1985/87 rein defensiv ausgerichtet war, weil dei Militärs die Aussichtslosigkeit eines Krieges eingesehen hätten (ach, glaubt er, dass die Militärs im Westen das anders sahen?), am Ende hin gibt er zu, dass die Änderung in defensive Strategien aufgrund der wirtschaftlichen Probleme der Planwirtschaft herrührten.
Dass die UdSSR kein zweites 1941 erleben wollten und daher einen möglichen Angreifer schon auf Boden des Gegners zerschlagen wollten kann man gerade noch akzeptieren. Aber dass der Eindruck vermittelt wird, dass die NATO ja andauernd aggressiv agierte...okay.
Sicher, die NATO war kein liebes Kind, aber die Handlungen der UdSSR in den Nachkriegsjahren (Berlin-Blokade, Korea-Krieg, Aufstände in der DDR, in Ungarn, der CSSR etc) lässt er aus, die ja eine Bestätigung der fast krankhaften Angst vor dem Kommunismus in den westlichen , demokratischen Ländern waren.
Auch die Einstufung des russ. Überfalls auf Finnland 1939 als Akt der Vorwärtsverteidigung möchte ich so nicht gelten lassen.
Was mir an dem Buch ganz gewiss fehlt sind genauere Schilderungen der Planungen einer Kriegsführung, die werden eher am Rande angesprochen.
Für mich kein Großer Wurf, das Buch, aber aufgrund des doch sehr erträglichen Preises ist es noch zu empfehlen. Nur, ich bin der Meinung, dass man Buch kritisch lesen und auch für sich hinterfragen sollte.
Ach ja, ich bin aufgewachsen in der "BRD", und daher sicher auch in manchen Dingen ideologisch vorbelastet...