Das im Oktober 2011 als Hardcover erschienene Sonderheft der Zeitschrift "Archäologie in Deutschland" stellt für den deutschsprachigen Raum eine Pionierarbeit auf dem Gebiet der recht jungen Schlachtfeldarchäologie dar, deren Grenzen zu den anderen Teildisziplinen der Archäologie noch fließend sind. Der Begriff geht auf die englische Bezeichnung "battlefield archaeology" zurück, der sich in den USA im Zuge der Untersuchungen des Schlachtfeldes am Little Big Horn River in Montana und weiteren Projekten an Kampfstätten des US-Unabhängigkeits- und Sezessionskrieges entwickelte. Während die bronzezeitlichen Waffen und Skelette, die im Jahre 1996 im Tollensesee in Mecklenburg-Vorpommern noch die Frage offen ließen, ob es sich um ein Schlachtfeld oder einen Friedhof handelte, bestehen anhand der Funde in der Region Kalkriese keine Zweifel mehr, dass hier eine große Schlacht stattgefunden hatte. Gleichwohl es nach wie vor umstritten ist, ob es sich hierbei um den Ort der "Varusschlacht" im Jahr 9. n. Chr. handelt, entstand im Zusammenhang mit den Befunden der dortigen Ausgrabungsarbeiten der Begriff der Schlachtfeldarchäologie....
Mit Thomas Brock M. A. und Arne Homann M.A. haben sich ein Archäologe für Vor- und Frühgeschichte, der als Museumspädagoge am Archäologischen Museum Hamburg tätig ist und ein Archäologe und Historiker, der seinen Magistergrad mit einer Abschlussarbeit über "Schlachtfeldarchäologie" erlangte und zur Zeit an einer Dissertation zum selben Thema arbeitet, zwei junge Spezialisten als Autoren zusammengefunden.
Zu Beginn des Bandes gibt es zunächst einen Überblick über Krieg und Frieden, Schlachten und Schlachtfelder. In einer engen Definition wird "Schlachtfeld" als Gelände bezeichnet, auf dem mindestens zwei Armeen oder Heere - im zeitlichen und räumlichen Kontext vergleichsweise große bewaffnete Verbände - auf dem Land gegeneinander kämpfen, also ein Schlacht im "klassischen" Sinne austragen. Das rekonstruierte Szenario von Kalkriese deutet zwar eher auf einen Hinterhalt hin, stellt jedoch außer Frage, dass dort tatsächlich Kämpfe stattfanden. Auch die Betrachtung einer Schlacht als großes und bedeutendes Ereignis relativiert sich, wenn man an "kleine" kriegerische Auseinandersetzungen zwischen nur wenigen Hundert Beteiligten, die jedoch gravierende territoriale Folgen nach sich zogen oder an Massenschlachten der Neuzeit ohne derartige Auswirkungen denkt. Da sich auch Belagerungen zu Schlachten entwickeln können haftet dem zunächst eindeutig erscheinenden Begriff "Schlachtfeld" eine gewisse Unschärfe an. Die Beschäftigung mit einzelnen Schlachten erlebte seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Etablierung der Geschichtswissenschaft als eigenständige Disziplin auf den Grundlagen wissenschaftlicher Methodik ihren Aufschwung. Bilder vom Einsatz früher Metalldetektoren und ein Essay über "Archäologie und Sondengängerei" mit rechtlichen Hinweisen für "Schatzsucher", lockern eine Aufzählung früher Forschungsstätten auf, bevor eine "kurze Archäologie und Geschichte vom Krieg" Ursprung, Wesen, Ereignisse und Zeugen martialischer Ereignisse von der Eiszeit bis zur Gegenwart zusammenfasst.
Mit den anschließenden 70 Seiten nennt und beschreibt das Herzstück des Bandes in Deutschland gelegene Schlachtorte von der Bronzezeit bis zum 20. Jahrhundert. Auch hier wird der Text von zahlreichen , Fotos, Karten, Lageplänen und weiteren farblich in beige abgesetzten Essays begleitet. Besonders hervorzuheben sind das Massengrab bei Wittstock, das von der gleichnamigen Schlacht von 1636 stammt, die Napoleonischen Kriege, die Kriegsgefangenenlager der beiden Weltkriege und die Archäologie zu den Todesstätten des NS-Terrors.
Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Register bilden den Anhang. Ganz am Schluss folgt ein Bildnachweis und eine Übersicht über die Museen in Deutschland in den denen "Schlachtfeldarchäologie" exponiert wird. Neben den Anschriften der Museen werden auch deren Websites genannt.
Als Pionierleistung ist der Band mit 5 Amazonsternen zu bewerten.